Mehr als die Hälfte der Bundesbürger gilt als übergewichtig, jeder fünfte sogar als fettleibig. Das ergab die zweite nationale Verzehrstudie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. Stefanie Eisenhuth aus dem Bereich Gesundheitsmanagement der IKK gesund plus und Diätassistentin Nicole Lins gaben gestern am Ratgeber-Telefon der Volksstimme Tipps für die richtige Ernährung.

Frage : Immer wieder fällt im Zusammenhang mit gesunder Ernährung der Begriff Nährstoffdichte. Was sagt diese aus ?

Antwort : Entscheidend für die Wertigkeit eines Lebensmittels ist seine Nährstoffdichte. Diese wird definiert als Quotient zwischen dem Gehalt an essentiellen Nährstoffen und dem Energiegehalt. Ein Lebensmittel hat also dann eine hohe Nährstoffdichte, wenn es viele Nährstoffe und nur relativ wenig Kalorien enthält.

Obst und Gemüse sind Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte. Auch Nüsse zählen dazu, obwohl sie relativ viele Kalorien enthalten. Durch ihren Gehalt an Vitaminen und wertvollen Fettsäuren liefern sie aber so viele Nährstoffe, dass sie im Vergleich dennoch gut abschneiden.

Industriell hergestellte Fertiggerichte, Süßigkeiten, Chips, Knabbergebäck, Limonaden und Colagetränke sind Lebensmittel mit geringer Nährstoffdichte. Sie enthalten hauptsächlich Zucker und / oder Fett, haben damit viele Kalorien aber nur wenige Nährstoffe. Man spricht deshalb bei diesen Lebensmitteln auch von " leeren Kalorien ".

Frage : Gilt die Regel noch, fünf Mahlzeiten am Tag sind ideal ?

Antwort : Diese Regel ist nur halbwahr. Der Spruch stimmt für Menschen, deren Blutzuckerspiegel immer mal stark absinkt. Mehrere Mahlzeiten am Tag halten den Zuckerspiegel im Gleichgewicht und bieten dem Gehirn beständig Energie in Form von Zucker an. Dadurch ermüdet es nicht so schnell. Heißhungerattacken bleiben aus. Tipp : Hören Sie auf Ihren Bauch und entscheiden Sie selbst, wie viele Mahlzeiten für Ihre Figur und Ihr Wohlbefinden nötig sind.

Frage : Ist Brot ein Dickmacher ?

Antwort : Nein, zumindest dann, wenn es sich um Vollkornbrot handelt. Das enthält jede Menge Ballaststoffe. Und Ballaststoffe enthalten praktisch keine Kalorien. Aber sie füllen den Darm und machen ihm viel Arbeit. Sie wirken langfristig sättigend, sind hilfreich beim Kalorien sparen. Ebenfalls wichtig : Sie regulieren den Stuhlgang. Zusätzlich fördern Ballaststoffe eine gesunde Darmflora und einige senken den Cholesteringehalt im Blut. Sie stecken zwar auch in Obst und Gemüse, doch Vollkornbrot ist hier einfach unübertroffen. Achten Sie aber darauf, dass das Brot wirklich aus einem Vollkornmehl hergestellt wurde. Nicht nur die Farbe ist entscheidend.

Frage : Ist Fasten zur Bekämpfung von Übergewicht geeignet ?

Antwort : Fasten hilft, weil Sie natürlich dünner werden, wenn Sie nichts essen. Aber Sie kommen automatisch in den Jojo-Effekt hinein. Denn wenn Sie nichts essen, wird Ihr Energie-Grundumsatz in knapp 14 Tagen um die Hälfte reduziert. Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers, um im Falle einer Hungerphase nicht zu schnell abzumagern. Wenn Sie dann anfangen zu essen, geht Ihr Grundumsatz nicht gleich auf das alte Niveau zurück : Sie haben zum Beispiel einen Grundumsatz von 2000 Kilokalorien und haben ihn auf 1000 Kilokalorien heruntergehungert. Dann nehmen Sie vielleicht nach dem Fasten ungefähr 1400 Kilokalorien zu sich. Sie essen also wirklich viel weniger als vorher, aber Ihr Körper ist plötzlich mit einem Überschuss von 400 Kalorien gesegnet. Sie haben folglich reelle Chancen innerhalb kürzester Zeit wieder ein paar Kilo zuzunehmen.

Frage : Bedeutet fettarm auch gleich kalorienarm ?

Antwort : Nicht immer ist der Kalorienun terschied gravierend. Die Magerjogurts enthalten oft sehr viel Zucker oder andere industriell bearbeitete Kohlenhydrate. Das treibt den Kaloriengehalt in die Höhe. Teilweise ist er dadurch sogar höher als der von normalen Produkten. Generell sind Diätprodukte eher selten " light " und kaum für die Schlankheitskur geeignet. Die meisten liefern in etwa gleich viele Kalorien wie herkömmliche Produkte, manche sogar mehr.

Studieren Sie das Etikett von Lightprodukten genau, wenn Sie Kalorienreduziertes kaufen wollen. Denn für diese Produkte gibt es keine europaweit gültigen Richtlinien. Vergleichen Sie Light- und insbesondere fettre duzierte Milchprodukte auch mit ganz normaler Ware.

Frage : Welche Diätform empfehlen Sie ?

Antwort : Eigentlich keine, denn wir müssen uns von dem Begriff der Diät verabschieden, wenn wir langfristig Gewicht reduzieren wollen. Die Diät ist immer etwas, das wir eigentlich nicht mögen, denn sie entspricht nicht unseren Essgewohnheiten. Diäten sollten wir uns für diejenigen Menschen vorbehalten, die wirklich eine gesundheitliche Störung haben.

Wenn es um Übergewicht geht, müssen wir unser Ernährungsverhalten umstellen : aus dem alten Esstrott, der sich seit der Entwöhnung von der Mutterbrust etabliert hat, in ein neues Essverhalten zu kommen, das auf eine geringere Kalorienaufnahme gerichtet ist. Aber man muss darauf achten, dass die individuellen Ernährungsgewohnheiten nicht zu sehr verändert werden. Das hält nämlich erfahrungsgemäß kein Mensch durch. Sie können nicht aus einem Fleischesser einen Karottenesser machen. Sie können das predigen und immer wieder sagen, Gemüse und Obst ist gesund, aber es stellt sich deswegen niemand grundsätzlich um.

Frage : Was sagen Sie zu FDH, also " Friss die Hälfte "?

Antwort : Vorsicht : Wer seinen täglichen Speiseplan mit Schokomüsli, Schnitzel mit Pommes, Kuchenteilchen, Wurststulle, Chips und Bier bestreitet und daran im Prinzip auch nichts ändern will, riskiert mit FdH ( Friss die Hälfte ) seine Gesundheit. Denn durch die Verringerung der Portionen bekommt der Körper noch weniger gesunde Nährstoffe ( Vitamine, Mineralstoffe, wichtige Pfl anzeninhaltsstoffe ) als bisher. Wer bei einer Abspeckkur seine tägliche Kalorienzufuhr drosselt, muss besonders darauf achten, dass er Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte isst. Hohe Nährstoffdichte heißt : wenig Kalorien, aber dafür viele wichtige Nährstoffe. Gemüse beispielsweise hat sehr wenig Kalorien, aber viele Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pfl anzenstoffe. Wenn Sie auf die Nährstoffdichte achten, dürfen Sie auch bei einer Abspeckkur richtig große Mengen essen. Und die Pfunde purzeln dann auch ohne FdH.

Frage : Immer wieder wird Eiweißpulver als Hilfe zum Abnehmen empfohlen. Ist das richtig ?

Antwort : Der Nährstoff ist zwar hilfreich beim Abnehmen, aber muss nicht über zusätzliche Präparate zugeführt werden, da wir den Bedarf mit einer bewussten Ernährung ausreichend decken. Das Eiweiß wird über Lebensmittel vom Körper außerdem viel besser aufgenommen und schmeckt auch besser.

Frage : An wenn kann ich mich wenden, wenn ich Fragen zu meiner Ernährung habe ?

Antwort : Sie können sich an Ihre Krankenkasse wenden, die Ihnen Experten vor Ort nennt. Das können Diätassistenten sein oder auch Oecotrophologen.