Die Behandlung der so genannten Lyme-Borreliose, einer Infektionskrankheit, die auch in Sachsen-Anhalt durch Zeckenbisse übertragen werden kann, stand im Mittelpunkt vieler Leserfragen im gestrigen Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Kann man sich vorbeugend gegen Zeckenbisse impfen lassen ?

Antwort : Gegen Zeckenbisse gibt es keine Impfung. Möglich ist aber, sich gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ( FSME ) impfen zu lassen. Das ist vor allem den Menschen zu empfehlen, die zum Beispiel ausgedehnte Waldspaziergänge oder Camping in den Risikogebieten machen, in denen die Zecken häufig den Erreger tragen. In Sachsen-Anhalt ist das FSME-Risiko nicht erhöht. Hier zu Lande übertragen Zecken häufiger die Borrelien-Bakterien. Dagegen gibt es keine vorbeugende Impfung, aber Therapien mit Antibiotika.

Frage : In welchen Gebieten Sachsen-Anhalts ist das Infektionsrisiko besonders groß ?

Antwort : Innerhalb Sachsen-Anhalts werden durch Zecken vornämlich Borrelien-Bakterien übertragen. Spezielle Risikogebiete für die Borreliose gibt es aber nicht. Das heißt, überall dort, wo Zecken zu finden ist, muss man auch mit Borreliose rechnen. Auch wenn nur ein geringer Teil der Zecken mit Borrelien infiziert ist ( 5 bis 35 Prozent ), sollte man sich bei Aufenthalten in der Natur schützen.

Frage : Welche Schutzmöglichkeiten außer der FSMEImpfung gibt es noch ?

Antwort : Bei Aufenthalten in der Natur ( z. B. Wald und Wiesen, Gärten ) sollte man das Risiko von Zeckenstichen durch Tragen fester Schuhe, geschlossener Kleidung mit langen Ärmeln und Hosen reduzieren. Chemische Abwehrmittel ( Repellentien ) bieten einen begrenzten, vorübergehenden Schutz. Unmittelbar nach dem Aufenthalt im Freien sollte man die Haut gründlich nach Zecken absuchen. Dabei die schlecht einsehbaren Körperstellen wie Rücken, Nacken, Genitalien, Pofalte und Kniehöhlen nicht vergessen.

Haben sich Zecken in der Haut verbissen, sollte man sie mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernen, ohne das Tier dabei zu zerquetschen. Wer sich dabei nicht sicher ist, sollte zum Haus- oder Hautarzt gehen.

Frage : Ich will mich gegen FSME impfen lassen. Mein Arzt sagte mir, dass derzeit keinen Impfstoff verfügbar ist. Was soll ich jetzt machen ?

Antwort : Aufgrund der starken Nachfrage seit dem Frühjahr ist es zu einem Lieferengpass mit Impfstoffen gegen die FSME gekommen. Er wird veraussichtlich erst im September behoben sein. Wer sich innerhalb Sachsen-Anhalts aufhält, benötigt im Prinzip keine FSME-Schutzimpfung, weil Zecken in Sachsen-Anhalt keine FSME übertragen. Eine Impfung ist in erster Linie Menschen zu raten, die in Risikogebiete reisen. Innerhalb Deutschlands liegen diese vor allem in Südbayern, im Donaugebiet und im Schwarzwald. Zu Risikogebieten im Ausland fragen Sie Ihren Arzt.

Frage : Meine Tochter ( 7 Jahre ) wurde von einer Zecke am Bauchnabel gestochen. Eine Hautreaktion gab es nicht. Ist eine vorbeugende Antibiotika-Therapie sinnvoll ?

Antwort : Sie sollten die Einstichstelle einige Wochen beobachten und bei HautveränderungeneinenArztaufsuchen. Eine prophylaktische Antibiotika-Therapie nach jedem Zeckenstich, ohne dass Symptome auftreten, ist nicht empfehlenswert. Nach wie vor bleiben die meisten Zeckenbisse in Sachsen-Anhalt folgenlos.

Frage : Ich wurde vor zwei Wochen im Garten von einer Zecke gestochen. Seit einigen Tagen ist die Einstichstelle gerötet und ich habe Kopfschmerzen. Ist jetzt noch eine Schutz-Impfung sinnvoll und möglich ?

Antwort : Gehen sie zum Arzt und lassen Sie sich untersuchen. Die Kopfschmerzen könnten für eine Borrelien-Infektion nach einem Zeckenstich sprechen. Dagegen kann eine Antibiotika-Therapie helfen. Sie vermeiden damit mögliche chronische Komplikationen. Eine FSME-Impfung nach einem Zeckenstich hat keinen Sinn.

Frage : Mein Sohn wurde vor fünf Jahren wegen einer Borrelien-Infektion mit Antibiotika behandelt. Die Beschwerden ( Wanderröte ) sind verschwunden. Kann die Borreliose erneut auftreten ?

Antwort : Wenn die Antibiotika-Behandlung erfolgreich war, gilt er als geheilt. Man kann sich jedoch jederzeit erneut mit Borrelien durch einen Zeckenstich infi zieren.

Frage : Wir wohnen in Osterburg. Vorgestern wurde meine Frau von einer Zecke in der Kniekehle gebissen, die wir schnell entfernt haben. Am nächsten Tag bildete sich eine Entzündung von der Größe eines Eurostücks. Kann es eine FSME oder Borreliose sein ?

Antwort : Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen, die zeitweilig zu Entzündungsreaktionen an der Bissstelle führen können. FSME-Erreger kommen in Sachsen-Anhalt sehr selten vor. Die Borreliose-Gefahr ist größer. 2006 wurden über 500 Fälle gemeldet. Bei einer Infektion mit Borrelien treten Hautreaktionen meist nicht schon nach einem Tag auf. Symptome für eine Infektion mit Borrelien sind Hautverfärbungen, die sich nach außen ausbreiten ( so genannte Wanderröte ) und grippeähnliche Beschwerden. Dann sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Frage : Meine Frau leidet an einer verschleppten Borreliose-Infektion, die sich in Konzentrations- und Schlafstörungen sowie gelegentlichen Angstzuständen äußert. Eine vierwöchige Antibiotika-Therapie brachte keine Besserung. Welche Therapie kann ihr helfen ?

Antwort : Auch bei lange verschleppten Borreliose-Infektionen wirkt die Antibiotika-Therapie. Allerdings können Vernarbungen, die an den Nerven und der Haut zurückbleiben, weiterhin Beschwerden verursachen. In diesen Fällen kann eine psychologische Unterstützung helfen.

Frage : Mein Mann und ich machten Urlaub auf einem Bauernhof. Nachdem wir wieder zu Hause waren, war sein Augenlid wochenlang gelähmt. Untersuchungen ergaben, dass er Antikörper gegen Borrelien im Blut hat. Mein Mann kann sich nicht erinnern, von einer Zecke gestochen worden zu sein. Er hatte auch keine Hautrötungen.

Antwort : Nicht immer wird ein Zeckenbiss wahrgenommen und nicht immer bilden sich die typischen ringförmigen Hautrötungen nach einer Borrelien-Infektion. Nach einer Infektion kann man noch viele Jahre Antikörper gegen Borrelien im Blut haben. Der Nachweis der Antikörper ist aber kein Beweis dafür, dass neurologische oder rheumatische Beschwerden auf eine Borreliose zurückzuführen sind. Wir raten ihm zu einer Untersuchung des Nervenwassers. Er soll zum Neurologen gehen.