Feldhandball

Feldhandball ist der Vorgänger vom Hallenhandball. Vor allem im deutschsprachigen Raum war das Spiel von den 1920er Jahren bis in die 1960er Jahre populär.

Es gab Groß- und Kleinfeldhandball. Das Großfeld entsprach einem Fußballfeld. Wie beim Fußball gab es zehn Feldspieler und einen Torwart. Gespielt wurde zweimal 30 Minuten. Die Tore waren so groß wie Fußballtore. Der Torraum (13 Meter von der Torlinie) durfte nur vom Torwart betreten werden.

Unterschied zum Hallenhandball: Der Ball durfte beim Prellen mit beiden Händen gefangen werden, ohne abspielen zu müssen. Der Aufenthalt im Spielfelddrittel vor dem Tor war für beide Mannschaften auf sechs Spieler begrenzt. Es gab mehr Eckbälle und eine Abseitsregel.

Gründe für das Aussterben von Feldhandball waren: Die Wetterabhängigkeit, der unterschiedliche Untergrund und die langsame Spielgeschwindigkeit.

Halle l Bewölkter Himmel über dem Sportplatz am Zoo. Nur eine kleine Tribüne bietet Schutz vor dem Regen. Rund um den gepflegten Platz gibt es immerhin viele Sitzgelegenheiten. Das Stadion am Zoo wurde mit Bedacht ausgewählt. Ganz Deutschland guckt an diesem Tag auf Halle.

Obwohl es seit Stunden regnet, sitzen schon lange vor dem ersten Länderkampf einer deutschen Handballmannschaft Hunderte Zuschauer am Spielfeldrand. Die Damen vom VfL Merseburg treten im Vorspiel gegen die Borussia aus Halle an. Und auch der 96er Heimverein vom Zoosportplatz nutzt die Gunst der Stunde, um sich mit den 98ern aus Halle zu messen.

Kurz vor Spielbeginn hört der Regen auf. Der Platz ist butterweich. Schlammschlacht. 3000 Zuschauer verfolgen den Anpfiff des Länderspieles gegen das Bruderland Österreich. Schiedsrichter Grobe kommt vom TuV Leipzig. Schon in der ersten Minute werden die Österreicher das erste Abseitstor „einsenden“, wie der Spielbericht in den „Hallischen Nachrichten“ vermerkt. 3:6 verliert das deutsche Team am Ende.

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Elf Jahre später stehen sich 1936 die Gegner im Finale der Olympischen Spiele erneut gegenüber. Ein Prestigeduell. Olympiastadion Berlin, 100 000 Zuschauer, wieder strömender Regen, 10:6 für Deutschland.

Doch zurück zum 13. September 1925. Es ist Handball im Freien auf dem Großfeld. Zweimal 30 Minuten. Es ist die Geburtsstunde der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Ausrichter war die „Deutsche Sportbehörde“ (DSB) – einer der größten Sportverbände in der Weimarer Republik.

Die ersten Regeln erst 1917 aufgestellt

Das rege Interesse der Hallenser am ersten Länderspiel verwundert aus heutiger Sicht etwas. War doch die Sportart selbst keine zehn Jahre alt. Die ersten Regeln für den modernen Handball hat der Berliner Max Heiser 1917 aufgeschrieben. Diese erste Variante richtete sich noch mehr an Mädchen und Frauen. Carl Schelenz, ebenfalls aus Berlin, arbeitete das Regelwerk um. So wurde der Handball ein körperbetontes Spiel, auch für Männer. Schelenz gilt heute als „Vater des Handballs“.

Der Handball-Virus griff von Berlin aus schnell um sich. „Die Städte in Mitteldeutschland waren von Beginn an eine Handball-Hochburg“, erzählt Erik Eggers, Journalist und Buchautor („Handball – die Geschichte einer deutschen Sportart“). So wurde der Polizeiverein VfL Weißenfels 1932 deutscher Meister und beendete damit die jahrelange Dominanz des SV Polizei Berlin. „Auch Vereine aus Leipzig, Halle und Magdeburg gehörten bereits seit den 1920er Jahren zu den leistungsstärksten Feldhandball-Vereinigungen in Deutschland“, so Eggers.

„Die eigentliche Hochburg des Handballspiels ist unsere Stadt Halle“, schreibt die Saalezeitung zwei Tage vor dem Länderspiel. Es sei ein außerordentliches finanzielles Wagnis des Verbandes, ein derartiges Spiel schon heute zu veranstalten. „Außerhalb Halles würde keine andere Stadt in Deutschland die dazu notwendigen Mittel aufbringen“, notiert das Blatt selbstbewusst. Die „Hallischen Nachrichten“ feierten vor dem Spiel „Deutschlands besten Verteidiger“, Erich Knobbe. Er war der einzige Hallenser im Aufgebot der elfköpfigen Mannschaft. Nach dem Spiel musste dann vor allem die Verteidigung des deutschen Teams reichlich Prügel der Journalisten einstecken.

In der Halle erst in den 1960er Jahren

Der Hallenhandball, wie er heute gespielt wird, trat seinen Siegeszug erst in den 1960er Jahren an. Nach dem Krieg waren Feldhandball-Spiele sportliche Großereignisse, die Massen anzogen wie sonst nur der Fußball. In Magdeburg sahen 1952 über 20 000 Zuschauer das Endspiel um die DDR-Meisterschaft zwischen Einheit Calbe und dem Polizeiverein VP Halle. Calbe verlor das Spiel denkbar knapp mit 9:10. „Da kochte die Gefühle etwas hoch“, erinnert sich der langjährige Magdeburger Handball-Verantwortliche, Jürgen Brand, schmunzelnd. Ein Polizeieinsatz sei zwar damals noch nicht nötig gewesen. „Aber der Bus der Hallenser wurde etwas geschüttelt.“

Immerhin 8000 Hallenser Handball-Fans sahen 1958 das Endspiel um die DDR-Meisterschaft im Kurt-Wabbel-Stadion, obwohl keine Hallenser Mannschaft am Spiel beteiligt war. Damals siegte sensationell der Außenseiter, BSG Motor Eisenach, gegen den haushohen Favoriten SC Empor Rostock (13:10).

Diese Meisterschaftsspiele waren aber nichts gegen die politisch-emotional aufgeladenen Sichtungsspiele der beiden deutschen Nationalmannschaften. Das waren Findungsspiele zur Aufstellung eines gesamtdeutschen Teams. Bis Anfang 1962 war das üblich. Viermal trafen die Ost-West-Teams aufeinander. Zum ersten Mal im April 1957 in Hannover vor 50 000 Zuschauern. 13:16 siegte das Ost-Team. Zum Rückspiel im Juli 1957 kamen 92 000 Zuschauer ins Leipziger Zentralstadion. Sie sahen einen Sieg des West-Teams: 19:14.

Auch 1959 gab es zwei solche Spiele. In das gemeinsame Aufgebot für die Feldhandball-Weltmeisterschaft 1959 in Österreich wurden dann jeweils acht Spieler aus dem Osten und dem Westen delegiert.

Mit Erfolg! Deutschland wurde Weltmeister. Angeführt wurde die gemeinsame Nationalmannschaft von einem Spieler aus Mitteldeutschland: Kapitän Hans-Jürgen „Bubi“ Wende – der Handball-Legende aus Magdeburg.