Magdeburg l Generationen von Schülern haben das Tagebuch des NS-Opfers Anne Frank gelesen – demnächst könnte auch die Kampfschrift ihres schlimmsten Feindes Schullektüre werden. Im Januar erscheint erstmals ein legaler Nachdruck von Hitlers „Mein Kampf“. Das Werk dürfe auch im Schulunterricht verwendet werden, sagte Kultus-Staatssekretär Jan Hofmann (SPD) der Volksstimme auf Nachfrage. Möglich sei ein Einsatz im Geschichtsunterricht, aber auch in anderen Fächern.

Der Besitz des Hitler-Buches ist seit jeher legal, einen Nachdruck jedoch hat der Freistaat Bayern als Inhaber des Urheberrechts verhindert. 70 Jahre nach Hitlers Tod läuft dieses Recht jedoch am Silvestertag aus. Das Institut für Zeitgeschichte in München bringt im Januar eine Ausgabe heraus, die Hitlers Text kritisch kommentiert – Wissenschaftler belegen Hitlers Quellen, sie rücken Unwahrheiten gerade und ergänzen die Fakten, die der NS-Propagandist verschwieg.

Lehrer entscheiden selbst

Das Land werde den Lehrern nicht vorschreiben, ob und wie sie Hitlers Schrift als historische Quelle einsetzen, betonte Hofmann. Entscheidend sei das Ziel, auch die mörderischen Folgen von Hitlers Ideologie zu zeigen.

Sachsen-Anhalts Landesin-stitut für Schulqualität und Lehrerbildung soll bis zum Beginn des nächsten Schuljahres Weiterbildungen für interessierte Lehrer entwickeln. „Darauf haben wir uns schon vor einem Jahr verständigt. Wir stimmen uns auch mit den anderen Ländern ab, vor allem mit Bayern“, sagte Hofmann.

Wanka empfiehlt das Buch für Schulen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte gefordert, die Neuausgabe bundesweit im Schulunterricht einzusetzen. Es sei wichtig, dass Schüler ihre Fragen zu dem Buch loswerden könnten. Auch der Deutsche Lehrerverband empfiehlt das. Die Lektüre könne ein „wichtiger Beitrag zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus“ sein, urteilt Verbandschef Josef Kraus.

Flächendeckend verteilen will Sachsen-Anhalts Kultusministerium das Werk allerdings nicht. „Wir wollen es nicht verschweigen, aber es gibt natürlich erheblich wichtigere Bücher, die Schüler lesen sollten“, sagte Staatssekretär Hofmann. Ohne den Kontext zu kennen, würden die meisten Schüler Hitlers Schrift vermutlich ohnehin gelangweilt oder abgestoßen beiseitelegen.