Sachsen-Anhalts einziger Flughafen

Der Flughafen Cochstedt wurde 1957 gebaut und von den sowjetischen Streitkräften genutzt.

Nach der Wiedervereinigung erhielt der Flughafen im Mai 1994 eine Betriebsgenehmigung als einziger Verkehrsflughafen Sachsen-Anhalts. Damit verbunden war die Genehmigung für einen 24-Stunden-Betrieb.

Von 1997 bis 1999 wurden Flugbetriebsflächen und Kontrollturm zum Standard eines internationalen Airports ausgebaut. Bis 2010 flossen rund 56 Millionen Euro öffentliche Mittel, 36 Millionen Euro kamen vom Land. Der Durchbruch gelang nie. 2010 zog das Land die Notbremse und verkaufte den Flughafen an die dänische Betreibergesellschaft Airport Development. Seine Glanzzeit hatte der Flughafen von 2011 bis Ende 2013, als die Billigfluglinie Ryanair dort Maschinen starten ließ. (ba)

Cochstedt/Magdeburg l Das Landesverwaltungsamt, das in Sachsen-Anhalt auch den Betrieb von Flugplätzen überwacht, hat dem Flughafen Magdeburg-Cochstedt am Mittwoch die Betriebserlaubnis entzogen. Vorerst, wie die Behörde mitteilte. Sechs Monate bleiben Cochstedt, um das drohende Aus abzuwenden. Dafür muss der Airport nachweisen, dass trotz Insolvenz ein sicherer Flugbetrieb gewährleistet werden kann. Mehrere Fristen, um Unterlagen einzureichen, die belegen, dass ausreichend Mitarbeiter für Tower, Sicherheit oder Flughafenfeuerwehr vorhanden sind, ließ der Airport nach Angaben des Landes-Verwaltungsamtes verstreichen. Am Mittwoch wurde es den Beamten dann offenbar zu bunt. Auch, weil die wirtschaftlichen Aussichten für Cochstedt düsterer sind als je zuvor.

Rote Zahlen

Bereits seit dem Kauf 2010 ist Cochstedt für den dänischen Besitzer Airport Development ein Minusgeschäft. Rund 30 Millionen sind verpulvert worden. Gezündet hat die Investition in Cochstedt nie. Anfang des Jahres verloren die Gesellschafter um den Geschäftsmann Peter Sølbeck die Geduld. Zahlungen an die Betreibergesellschaft des Flughafens wurden eingestellt. Aus der Insolvenz heraus sollte Cochstedt anderen Investoren schmackhaft gemacht werden. Doch der Plan ging nicht auf.

Nach Volksstimme-Informationen sind bereits im Mai und Juni Gespräche mit Investoren gescheitert. „Wir haben Angebote abgelehnt“, bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende von Airport Development, Dieter Vornhagen, der Volksstimme. Die Gesellschaft sei auf der Suche nach einem Partner, der den Flugbetrieb aufrecht erhalten wolle. Was die Angebote jedoch konkret beinhalteten, will Vornhagen nicht sagen.

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Insolvenzverwalter starker Mann

Das Scheitern der Gespräche hat schon vor Monaten für Verstimmung zwischen den Beteiligten gesorgt. Insolvenzverwalter André Löffler, der seit Januar die Insolvenz in Eigenverwaltung betreute, saß stets mit am Tisch und soll über den Ablauf der Verhandlungen nicht begeistert gewesen sein. „Die Gespräche sind gescheitert, weil die Dänen überzogene Preisvorstellungen für ihre Anteile aufgerufen hatten“, heißt es von einer Quelle aus dem Umfeld des Flughafens. Vornhagen kommentierte das nicht. Insolvenzverwalter Löffler war für die Volksstimme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Löffler ist es nun, der die Zügel in der Hand hält in Cochstedt. In der vergangenen Woche wurde aus der Insolvenz in Eigenverwaltung ein reguläres Verfahren. Die frühere Geschäftsführung des Flughafens ist seitdem ohne Macht. Löffler sucht nun selbst nach einem Investor. Gespräche gebe es nach wie vor, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Flughafens. In Cochstedt arbeiteten Mitarbeiter zunächst daran, die geforderten Unterlagen für das Landesverwaltungsamt zu erbringen, so der Sprecher weiter. Er geht davon aus, dass der Flughafen den Betrieb dann fortführen könne. Gelingt das nicht, wäre der Airport ohnehin unverkäuflich. In Cochstedt sind derzeit 55 Mitarbeiter beschäftigt.