Halle (dpa) l Trotz Rückbaumaßnahmen steht den Sachen-Anhaltern mehr Wohnraum als vor 20 Jahren zur Verfügung. 1995 hatte jeder Einwohner im Schnitt 32,7 Quadratmeter Fläche für sich, wie der Präsident des Statistischen Landesamts, Michael Reichelt, am Montag in Halle sagte. Im vergangenen Jahr waren es 46 Quadratmeter. Auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen steigerte sich im gleichen Zeitraum um rund 28 Prozent auf 573 Wohnungen je 1000 Einwohner. Etliche Sachsen-Anhalter bauten zudem neuen Wohnraum. Seit 2006 wurden Baugenehmigungen für rund 29.600 Wohnungen erteilt.

"Pro Jahr werden wohl weiter etwa 2000 Wohnungen neu gebaut", prognostizierte Sachsen-Anhalts Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU). Davon profitiert auch die Baubranche. Zwar ist seit der Hochphase Mitte der 1990er Jahre die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe den Angaben zufolge um mehr als zwei Drittel gesunken. Der Gesamtumsatz je Beschäftigtem konnte aber in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent auf 112.330 Euro zum Jahr 2016 gesteigert werden.

Der Grund für die gute Situation im Land ist vor allem dem starken Bevölkerungsrückgang geschuldet. Das Land setze auf Rückbau, um einen unattraktiven Leerstand zu vermeiden, erklärte Webel. Es gehe jedoch nicht darum, alte Wohnungen einfach abzureißen. Mehrgeschossige Plattenbauten könnten etwa mit Hilfe eines neuen Fahrstuhls auch für ältere Menschen wieder attraktiv werden. Ein neues Programm soll ab voraussichtlich Mitte August deshalb bis zu 10.000 Euro pro Wohnung an Zuschüssen für einen Aufzug ermöglichen.