Weniger der souveräne Sieg von Gary Paffett als vielmehr der zweite Platz für Mattias Ekström sorgte in Zandvoort für Gesprächsstoff.

Der Zandvoort-Fluch der Stuttgarter ist gebrochen: Mit einer überlegenen Vorstellung sicherte sich Gary Paffett seinen zweiten Saisonsieg - und täuschte so über die mäßige Performance der übrigen HWA-Mannschaft hinweg. Für Gesprächsstoff sorgten die folgenden Audi-Piloten nicht nur mit einem überzeugenden Speed im Rennen: Mit auffallender Leichtigkeit war Mattias Ekström in der Endphase des Rennens vorbei an Martin Tomczyk, Alexandre Prémat und Oliver Jarvis von Rang fünf auf zwei vorgerückt. Pole-Inhaber Oliver Jarvis musste sich so mit Rang drei begnügen. Durch den Verdacht auf eine Audi-Stallorder ist das Rennergebnis bislang vorläufig.

Paffett macht Druck

Die Befürchtungen einer chaotischen ersten Runde auf dem engen Dünenkurs bestätigten sich nicht: So verteidigte Oliver Jarvis am Start souverän seine Position vor Gary Paffett; auch die übrigen Piloten bestritten die ersten Meter ohne Zwischenfälle. Lediglich Mike Rockenfeller führte nach einem schlechten Start eine Berührung mit Paul di Resta herbei. Abgesehen von dem Rosberg-Piloten machten die Ingolstädter bereits am Start Boden gut: Jarvis? Teamkollege Alexandre Prémat rückte von Startplatz sechs auf vier vor, Martin Tomczyk, Mattias Ekström und Timo Scheider belegten nach der ersten Runde auf die Plätze sechs bis acht.

Jarvis gelang es allerdings nicht, sich vom Feld abzusetzen: Rasch ließ sich der Brite im Vorjahres-Audi von HWA-Pilot Gary Paffett unter Druck setzen. Bis zum Beginn der ersten Boxenstoppphase duellierten sich die Briten unter Verwendung der Kampflinie, während die Verfolger, angeführt von Bruno Spengler, aufholten. Unter den eng beieinander liegenden Top Ten verdichteten sich die Kämpfe: So übte Prémat Druck auf Spengler aus; Ekström passierte Tomczyk vergleichsweise mühelos.

Die Boxenstoppphase eröffneten in Runde 9 zeitgleich die beiden Führenden sowie Paul di Resta und Mike Rockenfeller - die Positionen blieben unverändert. Hinter den beiden Futurecom-Audi reihten sich Jarvis und Paffett wieder auf der Strecke ein. Während Jarvis mühelos Christian Bakkerud und Tomas Kostka passierte, verlor Paffett zum Ärger des Mercedes-Kommandostands insbesondere hinter dem dänischen Gebrauchtwagenpiloten viel Zeit. Dennoch ging die Zeit von Jarvis? boxenstoppbereinigter Führung zu Ende:

Strategie entscheidet

So geriert der Phoenix-Pilot während der 13. Runde im letzten Streckensektor kurzzeitig ins Kiesbett und musste Gary Paffett knapp passieren lassen. Zwei Runden nach seinem Ausrutscher suchte Jarvis bereits ein zweites Mal die Box auf, um seine angegriffenen Reifen auszutauschen. Während Paffett seine freie Fahrt zur schnellsten Rennrunde nutzte, stabilisierte sich die Performance des Audi-Jahreswagenpiloten wieder. Auch Jarvis konnte abseits des Verkehrs im Fernduell mit Paffett Boden gutmachen.

Die unterschiedlichen Strategien innerhalb des Boxenstoppfensters ließen die boxenstoppbereinigte Reihenfolge lange offen: So wählte Mattias Ekström die Taktik zweier extrem später Boxenstopps und arbeitete sich so zunächst auf Rang sechs hinter Paul di Resta vor. Wenig später passierte er den Schotten. Auch Martin Tomczyk profitierte von einer guten Strategie und rückte vor auf Rang vier. Ebenso wie Tom Kristensen gelang es aber auch dem Meisterschaftsführenden Timo Scheider nicht, entscheidend aufzurücken: Nach zwei Boxenstopps blieb der amtierende Champion auf Rang acht.

Ekström rückt vor

Auch nach seinem zweiten Boxenstopp blieb Paffett vor Jarvis in Führung; Alexandre Prémat komplettierte das provisorische Podest. Auch die Top 8 blieben während der letzten zehn Runden nahezu konstant. Lediglich Mattias Ekström machte auffallend viel Boden gut: So passierte der Schwede zunächst seinen Teamkollegen Martin Tomczyk und rückte auf Rang vier vor. Anschließend gerieten auch Prémat und Jarvis ins Visier des Abt-Audi-Piloten: Während sich die Rundenzeiten der Jahreswagenfahrer drastisch verschlechterten, ging Ekström auch an ihnen ohne erkennbare Schwierigkeiten vorbei.

Die Audi-internen Positionsverschiebungen sorgten für Gesprächsstoff. "Mir gefällt es nicht. Ich möchte nicht, dass Rennergebnisse so korrigiert werden", implizierte Norbert Haug gegenüber der ARD eine mögliche Stallorder bei der Konkurrenz. Oliver Jarvis selbst bestritt die Vorwürfe einer Teamorder: "Auf meinem letzten Reifensatz bekam ich am Ende Probleme. Es hat keine Anweisungen gegeben. Auch auf den Sprit musste ich achten." Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich erklärte den Vorwärtsdrang Ekströms insbesondere mit seiner zur Endphase des Rennens besonders guten Performance, die ihn auch an Paffett heranrücken ließ.

Dennoch recht ungefährdet und souverän sicherte sich Gary Paffett in Zandvoort seinen zweiten Saisonsieg und kürte sich so mit 24 Punkte zum neuen Meisterschaftsführenden ? dicht gefolgt vom Zweiten des Rennens und der Meisterschaft Mattias Ekström. Oliver Jarvis und Alexandre Prémat fuhren auf den Plätzen drei und vier ein Rekordergebnis für das Phoenix-Team ein. Martin Tomczyk errang auf Platz fünf seine ersten Punkte der Saison und verwies Markus Winkelhock, Bruno Spengler und Timo Scheider auf die weiteren Punkteränge. Scheider rutscht in der Meisterschaft auf Rang vier ab.

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