Norbert Haug will die Fehler seiner Kommandostände nicht überbewerten. Stattdessen freute er sich über Statistiken sowie die heutigen Leistungen seiner Piloten.

Mit zwölf zu acht eingesetzten DTM-Boliden verfügt Audi im Normalfall über eine größere Streckenpräsenz als die Stuttgarter Konkurrenz. Dass dies heute nur eingeschränkt galt, lag nicht nur an den Zwangspausen für Johannes Seidlitz und Markus Winkelhock. So drehten mit Ralf Schumacher, Jamie Green und Maro Engel gleich drei C-Klasse-Fahrer mehr Runden als in der dritten Session erlaubt - und handelten sich Ärger mit den Regelhütern ein. Ein schon vor der verhängnisvollen neunten Runde sichergestellter Start in Q4 blieb somit zumindest Ralf Schumacher auf Grund des vermeidbaren Fehlers versagt. So sah sich Norbert Haug erneut zum Rechnen gezwungen: "91 Siege, die wir im Zeitalter, in dem wir gegen Audi fahren, eingefahren haben, im Vergleich zu 49 Audi-Siegen: Durch Fehler sind wir dorthin nicht gekommen."

Fehlende Übung

In der Schuldfrage gibt es auch aus Haugs Sicht keine Uneinigkeit. "Sicher war das ein Teamfehler, das passiert sehr schnell. Vielleicht hat jemand nicht richtig auf den Monitor geschaut. Das sind Dinge, die eben nicht in stetiger Folge geübt werden. Es hat auch Teams betroffen, die nicht immer um Q4 fahren. Und was man nicht geübt hat, kann man nicht, das kennt man von vielen Disziplinen", sagte Norbert Haug gegenüber Motorsport-Magazin.com. Er verweist auf die Performance der Teams Mücke und Persson: "Mir ist viel wichtiger, dass sie den Speed gezeigt haben. Die Jungs haben super gearbeitet, sie haben sich ihre Startplätze herausgefahren. Gäbe es nun eine Strafe und andere würden aufrücken, hätten sich diese ihre Startplätze nicht selbst herausgefahren."

Mit Blick auf eine mögliche Bestrafung verweist Haug auf das in diesem Punkt unklare Sportliche Reglement. "Der Fall ist im Strafenkatalog nicht spezifiziert - das drückt schon alles aus. Es wird den Sportkommissaren überlassen bleiben, das zu bewerten. Als Sportler würde ich mir die Sichtweise wünschen, dass die Fahrer nach den Zeiten bewertet werden, die sie gefahren sind", sagte der Mercedes-Sportchef, der damit zumindest die Wertung jener Zeiten, die innerhalb der ersten acht Runden gefahren wurden, fordert. "Man muss die Balance wahren. Ich werde nicht um Gnade nachfragen, aber ich hoffe auf sportliche Entscheidungen."

Lob für die Gescholtenen

Haug hält die Tragweite des Fehlers für eher begrenzt. "Es ist ärgerlich, aber ich habe schon größere Fehler gesehen. Der Schmerz ist für die Teams selbst am größten. Man darf einen Fehler einmal machen, und dann nie wieder. Wer einmal unter dieser Belastung die Reifen gewechselt und die Koordination geplant hat, weiß, was das heißt." So beurteilt er die Bilanz der heute nicht ganz fehlerfreien Mercedes-Kommandostände als durchaus annehmbar: "Wir haben fünf Autos unter den ersten Sieben, wir haben insgesamt acht Autos und sieben davon fahren in den ersten sechs Reihen los. Das ist eine kompakte, gute Mannschaftsleistung."

Mehr Freude als die Neuwagen, die heute ihre Pole-Serie auf dem Norisring nicht fortsetzen konnten und nur in Startreihe zwei landeten, bereiteten Haug die C-Klassen aus dem Vorjahr, die in Hockenheim noch so hoffnungslos hinterhergefahren waren. "Man konnte sehen, dass die Jahreswagen absolut in den Kampf um die Pole Position hätten eingreifen können", resümierte Haug. "Erfreulich ist auch, was die Damen der DTM mit den Plätzen acht und elf gezeigt haben. Hinter ihnen stehen sehr namhafte Fahrer. Ralf Schumacher und Jamie Green waren große Klasse. Und Maro Engel setzt auch hier seine sehr konstante Saison fort."

Copyright: adrivo Sportpresse GmbH