Eine auf die DTM nicht übertragbare Langstrecken-Expertise, ein allzu guter Bekannter als Teamkollege: Lucas Luhr reflektiert eine erfolglose Debütsaison.

Ein Blick auf die Rennbiografie Lucas Luhrs verriet: Bislang meinte es das Schicksal stets gut mit dem Rheinländer. Und so nahm Luhr in diesem Jahr eine Herausforderung mit Zuversicht in Angriff, an der 2004 und 2005 schon Rinaldo Capello, Emanuele Pirro und Allan McNish gescheitert waren: Den Umstieg vom Langstreckensport in die DTM. Dass der 28-Jährige den einzigen Meisterschaftspunkt seines DTM-Debütjahrs ausgerechnet in Barcelona einfuhr, wo auch er gemäß Audi-Order Runden vor Rennende die Box aufgesucht hatte, passte zu einem mehr als nur durchwachsenen Jahr. "Ich habe nicht erwartet zu dominieren", blickt Luhr zurück - doch ein weniger spartanisches Punktekonto hätte er sich dennoch erwartet...

Wie ein Zwillingspaar waren Lucas Luhr und Mike Rockenfeller während ihrer ersten Monate als Audi-Werksfahrer erschienen. In derselben Pressemitteilung gaben die Ingolstädter die Verpflichtung der beiden frühen Porsche-Langstreckenpiloten bekannt; wenige später fanden sich Luhr und Rockenfeller Seite an Seite im Team Rosberg wieder. Ein Umstand, den Luhr mittlerweile kritisch sieht. "Wir werden durch unsere Parallelen in den Karrieren etwas zu sehr als eine Einheit gesehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, in unterschiedlichen Teams zu fahren", resümiert der Koblenzer gegenüber DTM Magazin - wären doch an der Seite eines ihm noch unbekannten Teamkollegen möglicherweise größere Lerneffekte zu erzielen gewesen.

Doch während Rockenfeller bereits beim zweiten Saisonlauf in Oschersleben mit Platz drei im Jahreswagen für Furore sorgte, schienen sich Luhrs Lernerfolge in Grenzen zu halten. Mit Startplätzen im hinteren Feld war für schlechte Voraussetzungen im Rennen stets gesorgt; präsentierte sich Luhr wie beim Zeitfahren von Mugello in Hochform, machte ihm die Technik einen Strich durch die Rechnung. Am Ende blieb dem langjährigen Porsche-Piloten die Erkenntnis, dass ihm seine Langstrecken-Expertise im Tourenwagen keine Hilfe war: "Das Fahrverhalten oder die Lerneffekte, die man als Fahrer erzielt, sind nicht übertragbar auf andere Autos. Im Vergleich konnte ich das, was ich im LM P2-Sportwagen gelernt habe, bei Audi viel leichter auf einen LM P1-Rennwagen wie den Audi R10 TDI übertragen."

Besagter R10 TDI scheint es Luhr angetan zu haben. Schon bei der ersten Dienstfahrt im Rahmen der 24 Stunden von Le Mans hatte der Familienvater beste Podestaussichten - bis ausgerechnet seinem persönlichen DTM-Maßstab Mike Rockenfeller ein Fahrfehler unterlief, der das Aus für das gesamte Fahrertrio bedeutete. So lässt Lucas Luhr die Typenbezeichnung seines Audi-Dienstwagens für 2008 offen. Die Chance, im kommenden Jahr den französischen Langstreckenklassiker im Audi-Boliden zu gewinnen, wird Lucas Luhr nutzen wollen. Ob er sich für ein weiteres Jahr im DTM-Jahreswagen motivieren kann, bleibt ungewiss - wenngleich Luhr feststellt: "Vielleicht ist es für den eigenen Charakter sehr gut, auch mal ein Jahr voller Tiefschläge wegzustecken..."

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