Einige Setup-Unannehmlichkeiten durch eisige Temperaturen, Hockenheim-Spezialist Tomczyk an der Spitze: Der Freitag gestaltete sich wohltuend unspektakulär...

An Karambolagen während der Freitagtests hatte trotz der jüngsten Ereignisse von Barcelona niemand ernsthaft gedacht - und doch präsentierte sich Tag 1 des finalen Hockenheim-Wochenendes noch ruhiger als gedacht. Was durchaus auch als wohltuende Abwechslung gedeutet werden konnte...

Kalt erwischte Renningenieure

Den Piloten in ihren chronisch überhitzten Renncockpits konnten die Temperaturen am Hockenheim-Freitag durchaus recht sein, den Zuschauern auf den Tribünen hingegen weniger: Bei nur rund zehn Grad drehten die 20 DTM-Boliden während der beiden auf 85 Minuten verkürzten Testsessions ihre Runden. "Der Motor hat bei Kälte mehr Leistung, weil mehr Sauerstoff in der Luft ist. Aber das ist für alle gleich", beschreibt Abt-Audi-Cheftechniker Albert Deuring eine der Auswirkungen der vergleichsweise winterlichen Temperaturen. Auch bei der Setup-Arbeit, angesichts der Erfahrungswerte vom Saisonauftakt eigentlich weit einfacher als gewohnt, musste Rücksicht auf die kühlen Temperaturwerte genommen werden:

"Bei der Fahrweise gibt es bei niedrigen Temperaturen keine Unterschiede. Nur bei der Abstimmung, beim Reifendruck, beim Sturz und beim Fahrwerk ein wenig geändert", nennt Martin Tomczyk einige Setup-Anpassungen, die den Reifen schneller auf Temperatur bringen sollen. Dunlop-Pressesprecher Michael Kramp präzisiert: "Die Temperatur spielt für den Reifen eine eher geringe Rolle. In der DTM sind die Reifen darauf ausgelegt, dass sie zwischen fünf und 50 Grad Asphalttemperatur funktionieren. Allerdings muss die Arbeitstemperatur zwischen 90 und 110 Grad liegen." Eine Anforderung, der man in Reihen der Mercedes-Jahreswagen unterschiedlich gut gerecht wurde:

Während Gary Paffett darüber klagte, insbesondere gebrauchte Reifen nur schwer auf Temperatur zu bekommen, freuten sich Daniel La Rosa und Mathias Lauda über die kühlen Temperaturen: Aus ihrer Sicht ist die 2006er-C-Klasse bei herbstlichen Temperaturwerten traditionell konkurrenzfähiger als gewohnt - das Mücke-Duo hofft auch für das restliche Wochenende auf kalte Bedingungen. Mit den Rängen zwei und sechs hatte La Rosa jeweils das versammelte HWA-Quartett hinter sich gelassen...

Stuttgarter mit Kaltstart

"Es ist ein schönes Gefühl, dass wir schon eine sehr gute Rennabstimmung herausgefahren haben, an der wir nur noch Kleinigkeiten ändern müssen", kann Martin Tomczyk, Inhaber der Tagesbestzeit, in Reihen der drei Meisterschaftskandidaten auf den gelungensten Einstand zurückblicken. Mattias Ekström rückte von einem mäßigen 13. Rang am Vormittag später bis auf Rang fünf vor und zeigte sich durchaus zufrieden mit den Freitagsergebnissen - schien Titelrivale Bruno Spengler doch eher zu stagnieren: Zwar verkürzte der Kanadier den Rückstand auf Tomczyk von sechs Zehntelsekunden am Morgen bis auf 40 Hunderstelsekunden beim zweiten Test. Zufrieden konnte er jedoch ebenso wenig sein wie seine drei HWA-Kollegen, die insbesondere am Nachmittag nicht über das Mittelfeld hinauskamen.

Täuschungsmanöver oder handfeste Setup-Probleme? Eine Frage, die sich bereits am Freitag des Saisonauftakts im April gestellt hatte, nachdem das HWA-Quartett eher mäßige Platzierungen eingefahren hatte. Tags darauf stand für Mercedes die erste von bislang fünf Pole Positions der aktuellen C-Klasse zu Buche. "Die Leistungsdichte wird ähnlich hoch sein wie im Frühjahr beim Saisonauftakt", prognostiziert Manuel Reuter, der auch im teaminternen Kampf der Audi-Titelrivalen ein enges Duell erwartet: "Mattias Ekström war am Ende auf Tomczyk-Niveau."

Abkühlung im Fahrerlager

Nach dem Eklat von Barcelona bemüht sich die DTM um einen friedlichen Auftritt: Ein Treffen zwischen Norbert Haug und Dr. Wolfgang Ullrich am Mittwoch sollte die Wogen glätten - und hat zumindest für einen ersten positiven Eindruck am Freitag gesorgt. "Ich habe das Gefühl, dass die Stimmungslage durchaus nicht schlecht ist. Gerade unter den Fahrern herrscht eine sehr positive Stimmung", schildert Manuel Reuter seine Beobachtungen. Und auch Martin Tomczyk lässt sich trotz unguter Barcelona-Erinnerungen nicht aus der Ruhe bringen: "Ich bin das Wochenende so easy angegangen wie jedes andere auch - das haben heute die Resultate gezeigt. Das Wochenende ist bisher perfekt verlaufen, auch wenn die Nervosität ein bisschen größer ist als sonst..."

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