Zandvoort, Heimaterinnerungen, Endspurt im Titelkampf: Im Dialog mit der adrivo Sportpresse bezieht Mattias Ekström Stellung.

Was sind deine Pläne für die Sommerpause?
Mattias Ekström: Zunächst einmal habe ich ein wenig Hausarbeit eingeplant. Ich habe das immer wieder verschoben, und nun habe ich mir eine Liste gemacht, was zu tun ist. Auch um Gartenarbeit und andere Dinge, die man immer verschiebt, komme ich da nicht herum. Ansonsten will ich einfach entspannen und mich auf das Nürburgring-Rennen vorbereiten. Dorthin will ich ein paar Sponsoren und Freunde mitbringen; ich muss also ein bisschen organisieren. Für die ersten zehn bis fünfzehn Tage der Sommerpause bin ich zu Hause in der Schweiz, dann fahre ich für zehn Tage nach Schweden.

Verfolgst du die Schwedische Tourenwagenmeisterschaft und wie sich dein früherer Kollege Frank Stippler dort schlägt?
Mattias Ekström: Auf jeden Fall - schließlich bin ich dort groß geworden. Ich kenne alle Strecken, alle Teams und die Fahrer. Im August werde ich auch das STCC-Rennen in Karlskoga besuchen - nur 170 Kilometer von meinem früheren Wohnort entfernt. Dort werde ich mir ansehen, was Frank Stippler und Co können, denn das Niveau in der STCC ist nicht schlecht. Viele Deutsche wären überrascht, welche Leistungen dort erbracht werden. Die Hospitalitys sind zwar nicht so groß wie in der DTM, aber das Knowhow der Ingenieure und der Speed der Fahrer können sich sehen lassen.

Reizen dich die seriennahen Autos, die in der STCC fahren?
Mattias Ekström: Die Autos in der WTCC oder STCC sind verglichen mit unseren DTM-Autos sehr leicht zu fahren. In Schweden werden 45 Minuten dauernde Rennen mit einem Boxenstopp gefahren; ein gutes Format. Wenn es die DTM nicht gäbe, würde ich wohl in so einer Meisterschaft mit seriennahen Tourenwagen fahren.

Wie empfindest du die aktuelle Saison? Wäre dir eine ruhigere Saison wie die vorherigen lieber?
Mattias Ekström: Das Jahr hat sehr gut angefangen, dann kamen zwei Rennen, die nicht so gut waren. Seitdem stand ich jedoch immer auf dem Podest. Unsere Leistung war sowohl bei den letzten vier als auch bei den ersten beiden Rennen sehr gut. Es macht schon Spaß, vorne mitzufahren, auch wenn es in Mugello natürlich nicht erfreulich war, von einer Fünffach-Pole zu starten und am Ende Mika Häkkinen siegen zu sehen. Dort hätte ich den Sieg verdient gehabt, allerdings hat Mika beim Rennen zuvor auf dem Norisring Pech gehabt. Auch in Zandvoort war ich gut dabei, lag in Führung, aber dann ist ein Boxenstopp schief gegangen. Insgesamt ist unsere Leistung trotzdem sehr gut, auch unsere Strategie und unsere Boxenstopps sind im Verhältnis zur Konkurrenz gut. Das Auto lässt sich erfreulich leicht auf meinen Fahrstil hin abstimmen.

Seit Mugello wird immer deutlicher, dass die Stärke des Audi A4 DTM vor allem im aerodynamischen Grip liegt.
Mattias Ekström: Es ist nicht nur unser aerodynamischer Grip; auch unsere Balance und Konstanz vor allem in den schnellen Kurven ist im Vergleich sehr gut. Ich konnte Mika Häkkinen in Mugello lange beobachten; daran habe ich erkannt, wie gut wir uns in schnellen Kurven schlagen. Dort habe ich immer wieder auf ihn aufgeschlossen, allerdings konnte ich ihn nicht überholen, weil es neben der Ideallinie zu rutschig war. Insgesamt sind wir bei Audi mit unserer Aerodynamik sehr gut aussortiert, während Mercedes auf den Geraden einen Tick schneller ist. Das ist eine Frage der Philosophie.

Wie erlebst du es, erstmals seit 2001 im direkten Titelkampf mit Martin Tomczyk zu sein?
Mattias Ekström: Ich habe ein tolles Verhältnis zu Martin. Er gehört zu denjenigen, von denen ich in den letzten Jahren sehr viel Hilfe bekommen habe, vor allem 2004, als ich Meister geworden bin, oder 2005, als ich ebenfalls um den Titel gekämpft habe. Wir kennen uns sehr gut; und man kann nicht sagen, dass wir gegeneinander fahren. Ich freue mich, wenn er mir deutlich macht, dass auch er den Willen zum Meisterschaftsgewinn hat, denn dann macht das Rennfahren umso mehr Spaß. Wer am Ende des Jahres die wenigsten Fehler gemacht hat, wird in der Tabelle vorne sein.

Haben die Reaktionen der Fans in Zandvoort geschmerzt, als du auf dem Podest standest und gleichzeitig Pfiffe hörtest?
Mattias Ekström: Eigentlich habe ich das gar nicht wahrgenommen. Wenn man aus dem Auto ausgestiegen ist, gehen einem so viele andere Dinge durch den Kopf; man reflektiert die Rennszenen, überschlägt den neuen Punktestand - da nimmt man akustisch kaum etwas wahr. Andererseits gehen die Sympathien der Zandvoorter-Fans seit langem in Richtung Mercedes, seitdem Christijan Albers für Mercedes um den Titel fuhr. Ich erinnere mich noch, als ich 2004 in Zandvoort gewonnen habe und Martin Zweiter wurde - wir hatten ein geiles Rennen gezeigt. Dann stieg ich aufs Podest - es gab ein paar klatschende Hände. Martin stieg aufs Podest - die gleiche Reaktion. Dann stieg Christijan Albers als Dritter aufs Podest - Jubel brach aus, ein Meer von Mercedes-Flaggen. Seitdem weiß ich, dass Zandvoort keine Audi-Bühne ist.

Wie bewertest du die Reaktionen von Mercedes auf die diskutierten Überholmanöver in Zandvoort?
Mattias Ekström: Auch ich hatte gegen Ende des Rennens ja Bruno Spengler überholt. Als ich mitbekam, wie die Audi-Manöver kommentiert wurden, bin ich zu Bruno gegangen und habe ihm gesagt, dass ich seine Meinung zu meinem Überholmanöver hören will. Mir sagte er, dass mein Manöver fair war. Ich habe die Lücke genutzt, die sich mir bot. Genauso mein Überholmanöver gegen Mika ein paar Runden zuvor: Ich habe ihn einmal ganz leicht berührt, aber auch das war ein faires Manöver. Mika hing wiederum hinter Christian Abt fest, hinter mir versuchte Alexandros Margaritis anzugreifen. Es gab ein wenig Stau - und wenn man da den Gegner ein wenig berührt, kann man vielleicht einen kleinen Flügel verlieren. Aber das ist nicht das Ende der Welt. Im Verhältnis zu dem Zeitverlust, den man bei abbauenden Reifen erlebt, ist so ein verlorenes Teil nichts.

Wie siehst du das Duell zwischen Tom Kristensen und Bernd Schneider?
Mattias Ekström: Da muss ich, nachdem ich die Fernsehbilder gesehen habe, ganz klar sagen: Bernd hat damit angefangen, worüber er sich bei anderen oft beschwert. Er hat Tom von hinten angestoßen. Letztes Jahr in Barcelona war ich hinter ihm, wollte vorbeifahren, doch er machte zu. Ich berührte ihn leicht am Heck, und er stellte sich daraufhin voll auf die Bremse. Dass Tom wütend darauf reagiert, wenn solche Berührungen dann von Bernd selbst ausgehen, kann ich verstehen. Wenn Bernd in Barcelona eine Vollbremsung machen darf, darf Tom umso mehr so reagieren, wie er in Zandvoort reagiert hat.

Wie bewertest du die neue Rennleitung?
Mattias Ekström: Zwischen der neuen Rennleitung und den Fahrer gibt es eine sehr gute Kommunikation. Ich glaube, dass sie unter den aktuellen Umständen eine sehr gute Arbeit leistet: Die vom FIA-Formel-1-Reglement übernommenen Regeln für Safety-Car-Phasen, zur Bestrafung bei falschem Verhalten in Gelbphasen - all das macht es nicht leicht, Renndirektor zu sein. Nur ein bisschen konsequenter könnte die Rennleitung für meinen Geschmack noch werden.

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