In der Eifel schlug im vergangenen Jahr endgültig die große Stunde Bruno Spenglers. Und Mattias Ekström ließ Timo Scheider vorbei...

Die Erinnerung an bessere Tage soll schon so manchem die Trübsal gelindert haben: So dürfte Mercedes nach der Zandvoort-Niederlage verführt gewesen sein, in den Nürburgring-Erinnerungen von 2006 zu schwelgen. Als Titelfavorit war Bernd Schneider in die Eifel gereist - als haushoher Favorit reiste er ab. Und doch stand er im Schatten eines jungen Teamkollegen, der den traditionellen Eifelregen zu nutzen wusste...

Kanadische Last-Minute-Pole

Zwei Rückschläge hatte Tom Kristensen in Brands Hatch und Nürnberg zu verkraften gehabt - im Nürburger Qualifying sollte gleich der nächste folgen. Zwar präsentierte sich der Däne in gewohnter Hochform und sah bis zuletzt wie der sichere Inhaber der Pole Position aus. "Toll ist, wenn in einem Qualifying zwei Lager jubeln können. Wichtig ist, an der richtigen Stelle jubeln zu können", spielte Norbert Haug am Ende auf den verfrühten Pole-Jubel im Audi-Lager an, der abrupt sein Ende fand, als sich Bruno Spengler in letzter Sekunde den ersten Startplatz schnappte. Pole für den Kanadier, die Ränge drei und vier für Bernd Schneider und Jamie Green: Für das HWA-Lager hätte es kaum besser kommen können.

Verbesserungspotenzial sah hingegen Persson-Pilot Alexandros Margaritis. Nach dem gegenseitigen Beschuldigungen von Zandvoort, Gegner der jeweils anderen Marke auf der fliegenden Runde aufgehalten zu haben, sah sich Mattias Ekström von dem Griechen blockiert - der wie schon in den Niederlanden auf Startplatz 20 zurückversetzt wurde. "Ich habe nicht blockiert; Mattias ist in dem Sektor eine Bestzeit gefahren, hat sich um drei Zehntel verbessert und ist in die Top sechs gefahren", erklärte Margaritis die Begegnung mit dem Audi-Piloten, der ein Fahrfehler vorausgegangen war, "insofern halte ich die Strafe für komplett überzogen."

Kanadischer Start-/Ziel-Sieg

Nach Art des Hauses kam die DTM auch am Sonntag nicht ohne Strafen durch die Rennleitung aus. Im Mittelpunkt stand diesmal allerdings nicht die Diskussion um berechtigte oder unberechtigte Durchfahrtsstrafen - es waren die Regenkünste eines Kanadiers, die die DTM-Welt in ihren Bann zogen. Ähnlich wie im Vorjahr hatte es kurz vor Beginn des Rennens zu regnen begonnen. Eigentlich insbesondere für das anerkannte Regen-Ass Bernd Schneider ein Glücksfall; und tatsächlich zog der Saarländer schon nach wenigen hundert Metern am Zweitplatzierten Tom Kristensen vorbei.

Und doch wurde die Stuttgarter Speerspitze ausgerechnet von einem Konkurrenten aus dem eigenen Lager in den Schatten gestellt: Souverän wusste Bruno Spengler seine Pole Position zu verteidigen und spielte nicht nur die bekannten Regenvorteile seiner C-Klasse aus, sondern schaffte es gar, einige Sekunden Abstand zwischen sich und Schneider zu bringen. Die Audi-Piloten waren im Rückspiegel des Kanadiers schon längst immer kleiner geworden: Vergeblich mühten sich Tom Kristensen und Martin Tomczyk, mit dem führenden Mercedes-Trio Schritt zu halten - und wurden erst wieder schneller, als der Kurs mehr und mehr abtrocknete.

"Ich musste feststellen, dass ich mit Spengler und Schneider nicht mithalten konnte und ich hatte generell nicht genug Grip, um zu pushen", musste Jamie Green nach einer weiteren vergeblichen Jagd auf den ersten Sieg ernüchtert feststellen. Rasch war er hinter Tomczyk und Kristensen in ihren auf trocknendem Asphalt überraschenden starken A4 DTM zurückgefallen - und rutschte am Ende gar aus den Punkten. Selbst auf trocknender Strecke mehr als einmal von der Ideallinie rutschte derweil Tom Kristensen: Nach einem letzten Fahrfehler wenige Runden vor Schluss musste er sich gar Jean Alesi im Mercedes-Jahreswagen geschlagen, der im Herbst seiner DTM-Karriere ein letztes Mal sein ganzes Können zeigte. Der Däne musste sich mit Rang fünf begnügen.

Nach den ersten Runden bot das Podest keine Überraschungen mehr: Mit mehr als zehn Sekunden Vorsprung auf Bernd Schneider eroberte Bruno Spengler einen makellosen Start-/Ziel-Sieg - das Podest komplettierte Martin Tomczyk, der endlich wieder sein 2004 gezeigtes Potenzial ausschöpfte. Außer Tomczyk hatte im Audi-Lager lediglich Timo Scheider in der Eifel Grund zum Jubel. "Ich war am Ende etwas schneller als er, und Mattias hat mich dann am Ende vorgelassen, als Dank für einmal vorher, wo ich ihn schon mal vorbei gelassen habe. Das war eine sehr schöne Aktion", bilanzierte der siebtplatzierte Scheider - der die "schöne Aktion" nach den jüngsten Zandvoort-Erfahrungen wohl gern wiederholt sähe...

Nicht zu vergessen: Alexandros Margaritis erhielt nach einer Feindberührung die unvermeidliche Durchfahrtsstrafe: "Man kann sie unterschiedlich sehen - andere haben für so etwas keine Strafe bekommen..."

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