Auch für den Audi-Sportchef verlief das Jahr anders als gedacht: Im Gespräch mit der adrivo Sportpresse analysiert Dr. Wolfgang Ullrich die bisherige Saison.

Wie bewerten Sie die Entscheidung, die Schritte bei den Zusatzgewichten von sieben auf fünf Kilogramm zu verkleinern?
Dr. Wolfgang Ullrich: Man hat versucht, für alle einen fairen Kompromiss zu finden. Wir haben schon zu Saisonbeginn darüber diskutiert das Gewichtsreglement zur Mitte der Saison anzupassen, denn wir wussten nicht, wie die Performance der Fahrzeuge im Vergleich aussieht. So kam die Idee der auf sieben Kilogramm vergrößerten Sprünge bei den Zusatzgewichten zu Stande. Bisher haben wir jedoch gesehen, dass die 2007er-Fahrzeuge von Mercedes und Audi momentan sehr eng beisammen liegen, weshalb wir nun zu den bewährten Fünf-Kilogramm-Schritten aus dem Jahr zuvor zurückgekehrt sind. Für die DTM ist dieser Entschluss positiv.

Bedürfen aus Ihrer Sicht weitere Passagen des Reglements der Überarbeitung?
Dr. Wolfgang Ullrich: Darüber werden permanent Gespräche geführt, und ich halte mich an die Vereinbarung, dass nicht jeder Beteiligte nach außen hin seinen Kommentar zu den Entwicklungen abgibt. Wenn wir erkennen, dass weitere Änderungen nötig sind, werden wir eine vernünftige Lösung finden.

Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf für Audi und für die DTM?
Dr. Wolfgang Ullrich: Die Saison ist in der Tat etwas ungewöhnlich verlaufen, aber das zeigt, dass sich die DTM zurzeit auf einem ganz besonders hohen und engen Performanceniveau befindet, das durch die Sieben-Kilo-Schritte bei den Zusatzgewichten etwas durcheinander gewürfelt wurde. Dies hat die Meisterschaft sehr spannend gemacht. Aus Audi-Sicht ist zu bedenken, dass die 2007er-Fahrzeuge nach unserem Sieg in Hockenheim bisher bei jedem Rennen schwerer waren als die Mercedes. Selbst auf dem Norisring hatten wir noch Zusatzgewichte, wenn auch nur wegen des Halbschrittes bei der Gewichtsverteilung, der Ergebnis des großen Kompromisses auf dem EuroSpeedway Lausitz war. Im Sinne des Sports ist es nur fair, dass dieser Halbschritt seit Mugello nicht mehr berücksichtigt wird und wir mit einer bereinigten Gewichtsverteilung in den Rest der Saison gehen.

Wie haben sich Ihre Debütanten Lucas Luhr, Alexandre Prémat und Mike Rockenfeller bewährt?
Dr. Wolfgang Ullrich: Lucas ist bisher weit unter seiner Performance geschlagen worden. Rocky konnte schon in Oschersleben aufblitzen lassen, was in ihm steckt, und er arbeitet hart daran, dieses Leistungsniveau zu stabilisieren. Alexandre hat von Beginn an gezeigt, dass er enorm stark ist, erfuhr jedoch durch seinen Unfall beim ersten Rennen einen Rückschlag. Doch bei seinem Comeback hat er sich sofort wieder enorm stark präsentiert und konnte seine Performance sehr konstant über die bisherige Saison hinweg halten. Wir haben bewiesen, dass wir uns mit den Piloten, die wir hinzugeholt haben, verstärkt haben. Auch Timo Scheider hat bewiesen, dass es die richtige Entscheidung war, ihm ein 2007er-Auto zu geben. Somit kann ich rundum zufrieden sein.

Wie lautet Ihr Fazit zum Fahrerwechsel Adam Carroll / Markus Winkelhock bei Futurecom TME?
Dr. Wolfgang Ullrich: Sobald man mit privat finanzierten Teams in einer Meisterschaft fährt, wird man immer mit Problemen dieser Art konfrontiert werden. Gemeinsam mit Futurecom TME haben wir versucht, aus dieser Situation noch das Beste zu machen.

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