Nach topfebenen 2,3 Kilometern in Nürnberg erwartet die DTM im Autodromo Internazionale del Mugello ein wahres Kontrastprogramm...

Positive Erinnerungen an das letzte italienische Gastspiel der DTM vor drei Jahren dürfte bestenfalls Mattias Ekström als damaliger Triumphator haben: Ein zweites und letztes Mal hatte die DTM die Alpen durchquert, um nahe der italienischen Kleinstadt Adria ein eher trostloses Motorsportareal vorzufinden: Italienisches Flair wollte auf dem 2000 eröffneten Adria Raceway ebenso wenig aufkommen wie Fahrfreude auf dem äußerst unaufregenden Retortenkurs. Mit einem gläsern überdachten Fahrerlager hatte der Kurs zwar durchaus eine Extravaganz zu bieten - die man im verregneten England allerdings eher vermutet hätte als im sonnigen Italien...

Eine bis 1914 zurückreichende Geschichte, nicht weniger als 14 Kurven bei dennoch vorhandenem Highspeed-Charakter, Höhenunterschiede von immerhin 41 Metern auf insgesamt 5,245 Kilometern Streckenlänge: Als italienisches Spa-Francorchamps bezeichnet nicht nur Vanina Ickx den längsten Kurs im DTM-Kalender, der sich seit langem in Ferrari-Besitz befindet und bevorzugt für Formel-1-Tests unter Beteiligung der Scuderia genutzt wird. "Mugello hat viele Vorschusslorbeeren erhalten", stellt Abt-Audi-Pilot Timo Scheider fest, der diese jedoch keineswegs für unverdient hält...

Aus Stuttgarter Tradition

Testerfahrungen konnte in der Vergangenheit mehr als die Hälfte des aktuellen Fahrerfeldes auf dem nur unweit von Florenz gelegenen Kurs sammeln - Rennkilometer im DTM-Boliden spulte in Mugello nur Bernd Schneider ab. Seit 1994 gastierte die alte DTM jährlich in Mugello: Gleich zum Debüt verbuchte Mercedes bei beiden Läufen einen Doppelsieg, für die Alfa-Romeo-Piloten Christian Danner und Kris Nissen blieb lediglich die unterste Stufe des Podests. Dem deutsch-dänischen Duo im Team der Lokalmatadoren konnte es egal sein: Im Rahmen des nicht zur DTM-Wertung zählenden "ITR-Gold-Cup" ging es 1994 um nicht viel mehr als die goldene Ananas... 1995 schmerzten die Mercedes-Siege in Reihen der italienischen Konkurrenz umso mehr:

Auch diesmal waren es die Piloten der Mercedes C-Klasse, die die Triumphe für sich verbuchten. Während Bernd Schneider beim ersten Lauf den Grundstein für seinen späteren ITC-Titel legte und dabei Nicola Larini, DTM-Meister von 1993, in seinem Alfa Romeo 155 deutlich distanzierte, bestieg beim zweiten Lauf sein britischer Teamkollege Dario Franchitti die oberste Podeststufe - für seinen Cousin Paul Di Resta trotz fehlender Streckenkenntnisse möglicherweise ein gutes Omen... Als ein solches dürfte Bernd Schneider auch sein Abschneiden beim bisher letzten Rennwochenende der DTM/ITC in Mugello sehen: 1996 entschied der Saarländer erneut einen der beiden Läufe für sich.

Nach belgischem Vorbild

Gänzlich zu vernachlässigen sind die Erfahrungen des fünffachen DTM-Champions nicht: Seit Eröffnung des heutigen Kurses 1974 hat sich die Streckenführung nur wenig verändert. "Es gibt dort schnelle und schöne Kurvenkombinationen und die Strecke ist sehr anspruchsvoll", berichtet Timo Scheider über den in eine grüne Hügellandschaft eingebetteten Kurs, der sich in seiner Charakteristik aus Sicht des Audi-Piloten in die Liste anderer beliebter Traditionsstrecken einreiht, "hügelige Strecken bieten einen besonderen Reiz und sorgen für ein einzigartiges Fahrgefühl - auch in Zandvoort und Brands Hatch erleben wir einen solchen Effekt."

Einer endlos langen Start-/Ziel-Geraden schließt sich eine immer rasanter werdende Passage an, auf die im zweiten Streckensektor eine noch schnellere und anspruchsvollere Kurvenkombination folgt. "Ganz wichtig wird die Passage vor der Doppel-Rechtskurve, denn in dieser Rechts-Links-Kombination spürt man in der Senke eine deutliche Kompression des Fahrwerks", charakterisiert Scheider "Casanova"-Rechts sowie die "Savelli"-Links als eine auch technisch anspruchsvolle Schlüsselstelle, "da muss alles passen, um die folgende Doppel-Rechtskurve fast voll oder im Qualifying vielleicht sogar mit Vollgas angehen zu können."

Bis zur Zielgeraden folgt mit Schikanen und 180-Grad-Kurven ein für Mugello-Verhältnisse weniger schneller Streckenteil, der die Herausforderungen des Kurses allerdings nicht mindert. "In vielen schnellen Passagen spürt man die Wirkung der Aerodynamik, manche Kurven sind \'blind\' und geben somit keinen Einblick in den weiteren Streckenverlauf", nennt Scheider Elemente, die wiederum ans belgische Spa erinnern...

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