Noch nie legte Audi ein so gutes Qualifying-Ergebnis hin, noch nie ließen die Ingolstädter so viele Chancen ungenutzt...

"Damit haben wir hoffentlich die Fehler der gesamten Saison in dieses eine Rennen gepackt", bilanzierte nach dem Mugello-Rennen ein sichtlich frustrierter Audi-Sportchef. Für Dr. Wolfgang Ullrich bestätigte sich die alte Regel, wonach auf eine perfeke Generalprobe häufig die Katastrophe beim Bühnenauftritt folgt. Hatten die Ingolstädter gestern noch das beste Qualifying-Ergebnis ihrer DTM-Geschichte eingefahren, so schien das Lampenfieber heute allzu hoch: So leistete sich auch die Audi-Boxencrew innerhalb weniger Minuten wohl noch nie so viele Fehler wie heute...

Zunächst hatte sich das Unglück für Audi nur langsam angedeutet: Mit mäßigen Starts von Seiten Timo Scheiders und Alexandre Prémats wurde aus dem Audi-Führungsquintett ein Trio aus Mattias Ekström, Martin Tomczyk und Tom Kristensen. Nach einer Durchfahrtsstrafe für Prémat nach Missachtung einer Gelbphase sowie dem Aus für Timo Scheider kamen erste Zweifel auf. Insbesondere Scheider zeigte sich nach der erneuten Verwicklung ins Startgerangel frustriert: "Ich habe von irgendjemanden zwischen der ersten und zweiten Kurve einen Schlag auf die Hinterachse bekommen, dann ist mir vor der erste Rabiata-Kurve die Aufhängung gebrochen. Ein Drama."

Dann folgten die Rückschläge beinahe im Minutentakt: Ein missglückter Boxenstopp warf den bis dahin drittplatzierten Kristensen weit zurück, eine Safety-Car-Phase ließ den Vorsprung Ekströms und Tomczyks zusammenschmelzen, auch Tomczyks zweiter Boxenbesuch misslang gründlich. Was nach Wiederfreigabe des Rennens in der ersten Kurve folgte, schildert der Bayer selbst: "Die Vorderachse hat sehr guten Grip produziert, dann jedoch bin ich beim Hinausbeschleunigen mit der Hinterachse weggerutscht." Ein Dreher, eine Kollision mit Gary Paffett, ein weiterer lädierter A4 DTM - und mit Ekström nur noch ein Abt-Audi-Pilot an der Spitze, der nach dessen taktischen Cluo hinter Mika Häkkinen zurückgefallen war.

Am Ende begnügte sich der Schwede mit Rang zwei sowie der Eroberung der Meisterschaftsführung. Was im Rennen möglich gewesen wäre, zeigten jedoch die Rundenzeiten: Mit einer Zeit von 1:46.126 Sekunden hatte Tomczyk vor seinem Fahrfehler die Schnellste Rennrunde auf den heißen Asphalt gebrannt - mehr als eine Sekunde vor Bernd Schneider, der für die schnellste Rennrunde der Mercedes-Mannschaft sorgte. In Reihen der Jahreswagen wussten Prémat und Rockenfeller nach ihren Durchfahrtsstrafen noch Schadensbegrenzung zu betreiben:

Auf den Rängen sechs und sieben sammelten sie vor Tom Kristensen Meisterschaftspunkte - während Lucas Luhr und Christian Abt leer ausgingen. Die Pechsträhne Luhr hatte erneut nicht enden wollen, nachdem der Rheinländer unverschuldet in eine verhängnisvolle Startberührung verwickelt worden war. Mit Blick auf das nächste Rennen in Zandvoort gibt sich Luhr keinen Illusionen hin: "Was soll ich noch zu Zandvoort groß sagen? Wird ja langweilig, jedes Mal zu erzählen, dass es beim nächsten Mal besser wird..."

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