Alles ist anders als vor drei Wochen: Statt Regen satt gibt es Sonne pur, Carroll ist weg und Winkelhock wieder da und Audi ist schneller als Mercedes.

Man kann der DTM vieles vorwerfen - Einseitigkeit gehört sicher nicht dazu, obwohl ein Blick auf die Zeitenlisten der beiden Freitags-Tests das vermuten lassen könnte. Kein Stern am Horizont, stattdessen dominierten einzig die vier Ringe in Mugello. Die Verhältnisse scheinen sich in den drei Wochen seit den Mercedes-Festspielen auf dem Norisring auf den Kopf gestellt zu haben.

Optimismus bei Audi

Viel hatte man sich bei den Ingolstädtern von dem Italien Gastspiel erhofft. Schließlich war man nicht zum ersten Mal in diesem Jahr in Mugello. "Wir haben hier zuvor getestet und sind bereits mit einer guten Basisabstimmung nach Italien gekommen. Das konnten wir am Freitag umsetzen", erklärte Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich. Ein weiterer Vorteil besteht für die Audis darin, dass sie zum ersten Mal durch die Bank leichter als die C-Klassen sind. Befreit von der Gewichtslast zeigten sich besonders die aktuellen A4 beflügelt. Im ersten Training machten die vier Abt-Audis die schnellsten Zeiten unter sich aus, im zweiten Training konnten dann mit Mike Rockenfeller und Alexandre Prémat zwei Jahreswagen-Piloten in die Phalanx der Neuwagen eindringen. "Es macht Freude, mit dem Auto zu arbeiten. Jetzt freue ich mich auf das Qualifying morgen, wenn ich mit neuen Reifen auf Zeitenjagd gehen kann", sagte Martin Tomyczyk, der heute mit Platz 1 und 2 einer der Schnellsten war.

Doch ganz traut man den deutlichen Ergebnissen des freien Trainings nicht. "Es sieht momentan gut für uns aus, aber erst am Samstag zeigt sich das wahre Bild", mahnt Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. Auch Mike Rockenfeller, der die absolut beste Zeit des Tages fuhr, sieht sich deswegen noch nicht auf der Siegerstraße: "Im Rennen wird es über die Distanz nicht einfach. Aber wir werden alles geben, damit wir um Punkte kämpfen", verspricht der Audi-Youngster.

Mercedes glaubt an die Wende

Ganz anders sieht es dagegen bei den Stuttgartern aus. Bei den C-Klasse-Piloten machte sich die fehlende Testzeit durch eine mangelnde Abstimmung bemerkbar. "Alle Mercedes-Fahrer hatten heute einen sehr schwierigen Tag", stellte Häkkinen fest. So saß man bei HWA nach den zwei Sessions noch lange zusammen und analysierte jedes kleinste Detail, um das Handling des Autos zu verbessern. Dem ehemaligen Formel 1-Weltmeister ist klar, dass seinem Team ein schweres Wochenende bevorsteht. Dennoch glaubt er, dass man morgen durchaus die Trendwende schaffen könnte. "Unsere Leute haben so viel Erfahrung. Deswegen glaube ich daran, dass sie für morgen die richtigen Lösungen finden, so dass wir um die Pole Position kämpfen können." So schlecht, wie es derzeit aussieht, sei die Situation jedenfalls nicht. Nur müsse von jetzt an eben alles passen.

Noch optimistischer als der Finne ist Bruno Spengler. Der Norisring-Sieger sieht nach dem heutigen Training überhaupt keinen Grund zu Pessimismus. Zwar sei man noch etwas im Hintertreffen, aber grundsätzlich sehe es nicht schlecht aus findet der Kanadier. Heute habe Audi noch einen Test-Vorsprung gehabt. "Aber wir haben heute gut gearbeitet, denke ich. Das Team hat sehr gut reagiert und es geht jetzt besser. Nach dem ersten Training lief es schon besser. Wir müssen für morgen noch arbeiten, wenn auch nicht viel. Aber so schlecht war der Tag heute nicht. Morgen sollte es besser laufen für uns."

Lob für die Strecke

Eigentlich waren sich alle einig: Nicht nur die Toskana ist schön, auch die Strecke ist eine der schönsten und anspruchsvollsten im Rennkalender. "Die Strecke macht wahnsinnig Spaß. Mugello ist meine neue Lieblingsstrecke, denn es ist einfach geil, diese schnellen Kurven hier zu fahren", war Martin Tomczyk fast schon außer sich. Doch auch aus dem Mercedes-Lager war nur Positives über den Kurs zu hören. "Man muss alles richtig zusammenbringen auf dieser sehr langen Runde. Das macht Spaß. Der Fahrer muss sich sehr gut konzentrieren können und es macht Spaß hier zu fahren", urteilte Bruno Spengler.

Das nächste Wetterextrem

Nicht nur die Kräftverhältnisse auch das Wetter hat sich in den letzten drei Wochen um 180 Grad gedreht. Nach dem verregneten Wochenende vom Norisring erwartet die Fahrer nun Sonne satt. "Dieses Wochenende erleben wir das erste echte Hitze-Rennen dieses Jahres, denn schon heute hat der Asphalt eine Temperatur von mehr als 50 Grad Celsius", erzählte Tom Kristensen. Dass es so kommen wird, daran haben auch die Teamchefs keinen Zweifel. So probte man bei den Äbten heute schon einmal den Ernstfall. Wir haben eine Hitzeschlacht simuliert. Unsere Long-runs waren ganz gut", berichtete Hans-Jürgen Abt.

Winkelhock zum Zweiten

Schon zum zweiten Mal in dieser Saison gab Markus Winkelhock sein DTM-Debüt. Zwar fährt der Spyker-Testfahrer jetzt nicht mehr im aktuellen A4 sondern im Gebrauchtwagen von 2005. Dafür ist Winkelhock jetzt aber Stammfahrer bei Audi und nicht mehr nur die Krankheitsvertretung von Tom Kristensen. Ein bisschen muss er sich noch an seinen neuen Dienstwagen gewöhnen: "Ich muss alles wieder lernen. Ich kenne das Team nicht, das Auto ist neu für mich und auch auf die Strecke muss ich mich einstellen, weil ich im Gegensatz zu meinen Kollegen nicht getestet habe", erklärte Winkelhock. Dennoch sah der erste Einsatz im 2005er-Audi schon ganz gut aus. "Ich habe mich schon gut eingefunden. Mit neuen Reifen habe ich einen Fehler gemacht und fuhr in der letzten Kurve mit zwei Rädern durch den Kies. Ich musste vom Gas, trotzdem war es meine persönlich beste Runde. Die Zeit kann also noch besser werden", sieht Winkelhock noch viel Potential nach oben. Man darf also gespannt sein auf den Samstag.

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