Der Reifenverschleiß scheint in Mugello allgegenwertig. Und dennoch gibt es laut Dunlop Strategien, ihn trotz größter Belastungen in Grenzen zu halten...

Das Wort Reifenverschleiß war beinahe schon aus dem Sprachgebrauch der DTM verschwunden: So konstant hatte sich die neue Generation der Dunlop-Reifen während der ersten fünf Saisonläufe präsentiert, dass die Stints im Rennen beinahe beliebig in die Länge gezogen werden konnten. Erst in Mugello machten die Piloten die mittlerweile ungewohnte Erfahrung stark abbauender Reifen - die Michael Bellmann, Manager der Dunlop-Motorsporttechnik, folgendermaßen erklärt:

"Die Reifen bewegen sich hier im Grenzbereich. Wir haben einen Einheitsreifen, der für verschiedenste Bedingungen geeignet sein muss - und hier in Mugello ist es absolut extrem: Ein aggressiver Asphalt, Asphalttemperaturen bis zu 60 Grad, lange, schnelle Kurven, die häufig nach rechts gehen", nennt Bellmann im Gespräch mit der adrivo Sportpresse jene Faktoren, die zu einer außergewöhnlichen Belastung der Pneus führen.

Dennoch entscheiden aus Sicht Michael Bellmanns auch die Piloten darüber, wie haltbar sich der Reifen über die Distanz präsentiert. "Der Pilot ist hier schnell über dem Optimum des Reifen, dazu trägt er viel mit seinem Fahrstil bei. Es gibt keine Temperaturprobleme, zu denen nicht der Fahrer hauptsächlich beigetragen hätte", stellt Bellmann klar - und unterscheidet: "Erfahrene Top-Fahrer haben das sehr gut unter Kontrolle und kennen das Limit. Neulinge haben es schwerer."

So gilt es für die Piloten, ein Übersteuern des Fahrzeugs, Verbremser und sonstige Rutschpartien zu vermeiden, um die Reifentemperatur nicht in gefährliche Höhen zu treiben. Bellmann erläutert: "Zwischen den tragenden Flächen befindet sich Gummi - und das ist auch das schwächste Glied. Bei 170 bis 190 Grad Reifentemperatur gibt es bleibende Veränderungen, das Gummi verliert an Stabilität. Das ist die Vulkanisationstemperatur, bei der der Reifen hergestellt wird."

Insbesondere während der ersten Runden tun die Piloten gut daran, pfleglich mit dem schwarzen Gold umzugehen. "Wer die ersten 15 Runden heil übersteht, kann mit sinkenden Temperaturen rechnen. Der Reifen hat eine Laufflächendicke von 3,4 Millimetern. Dünner werdendes Material kann die Hitze besser ableiten", erklärt Michael Bellmann - womit unter optimalen Bedingungen selbst das gewohnte Strategiespiel mit langgezogenen Stints auch in Mugello möglich scheint...

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