Zu den Glückpilzen konnte sich Alexandre Prémat bislang nicht zählen. Im Dialog mit der adrivo Sportpresse analysiert der Franzose eine schwierige Saison.

Wie kam es für dich zum ersten Kontakt mit Audi?
Alexandre Prémat: Ich bin in der Formel 1 Tests mit Spyker gefahren. Dadurch kannte ich Teamchef Colin Kolles bereits sehr gut, der vor einem Jahr bekanntlich mit seinem Team TME in die DTM eingestiegen ist. So bin ich zu meinen ersten DTM-Testfahrten gekommen, wo ich der Schnellste von den getesteten Fahrern war. Einen Tag später habe ich bereits die Zusage von Audi bekommen. Sie waren von meinem Können überzeugt, auch weil ich den Ingenieuren präzises Feedback zum Auto geben konnte.

Wie groß war der Stolz nach dem Vertragsabschluss?
Alexandre Prémat: Es war ein tolles Gefühl, von Audi verpflichtet zu werden. Zuvor wusste ich nicht genau, wohin mich mein Weg führen wird. In der Formel 1 waren die Türen für mich verschlossen, danach spielte ich mit dem Gedanken eines Wechsels in die Champ-Car-Serie.

Vor deinem Wechsel in die DTM bist du lange nur Formel-Fahrzeuge gefahren. Wie groß war die Umstellung?
Alexandre Prémat: Die Fahrzeuge sind sehr ähnlich abgesehen von Karosserie und Dach. Verglichen mit GP2 oder Formel 1 haben wir in der DTM spürbar weniger Abtrieb, aber vieles ist auf demselben Niveau, etwa die Bremsen oder die Reifen. Die Umstellung war kein großes Problem und einfacher als meine ersten Runden im Audi R10 TDI.

Wie hast du deine Genesungsphase nach deinem schweren Unfall in Hockenheim erlebt?
Alexandre Prémat: Ich habe vielfältige Dinge getan. Rehabilitation, Meditation, viel Sport. Ich wurde angeleitet von einem in Frankreich sehr bekannten Professor, der schon Michael Schumacher nach seinem Beinbruch in Silverstone 1999 oder auch den Fußballer Ronaldinho betreut hat. Mein sportliches Pensum lag am Tag bei zwei bis drei Stunden - so war ich schnell wieder fit. Ich habe großes Glück gehabt, dass bei dem Unfall nicht mehr passiert ist und mein Lendenwirbel nicht vollständig gebrochen war.

Wie hast du nach deiner Verletzungspause die ersten Runden im DTM-Auto erlebt?
Alexandre Prémat: Ich habe mich sehr gut gefühlt, wobei ich anfangs noch Angst vor möglichen Auswirkungen der vielen Vibrationen hatte. Doch schnell stellte sich das als unbegründet heraus. Das Qualifying und - bis zum Ausfall - auch das Rennen liefen bekanntlich gut.

Liegt dir das Zweikampfverhalten in der DTM - oder ist es ungewohnt hart?
Alexandre Prémat: Am Start finde ich es manchmal zu hart, ich mag es nicht, wenn man zu Beginn die vielen kleinen Berührungen mit anderen Autos hat. Aber das ist die Herausforderung der DTM und letztlich kein Problem für mich. Solange man sich nicht mit Absicht von der Strecke rempelt, ist alles im grünen Bereich.

Wie bewertest du bislang deine Saison?
Alexandre Prémat: Eine schwierige Frage, nachdem ich zu Beginn zwei Rennen verpasst habe. Hockenheim zählt für mich nicht, denn nach wenigen Metern war das Rennen beendet. Auf dem Lausitzring war meine Performance im Qualifying sehr gut, im Rennen bin ich wegen des Unfalls mit Gary Paffett erneut ausgefallen. In Brands Hatch haben wir jedoch auch verglichen mit Mercedes unsere Performance noch einmal unter Beweis gestellt. Mit dem bisherigen Speed bin ich sehr zufrieden. Was die Rennstrategie und die Konstanz beim Finden des optimalen Reifen-Setups betrifft, können wir uns noch verbessern.

Was sind deine Ziele - könntest du dir eine längerfristige Karriere in der DTM vorstellen?
Alexandre Prémat: Ich bin noch jung. Audi hat mir eine sehr gute Möglichkeit gegeben, um in der DTM mein Können zu zeigen. In die 24 Stunden von Le Mans bin ich ebenfalls involviert - ich bin sehr glücklich mit Audi. Natürlich wäre ich gerne in der Formel 1, aber auch nur dann, wenn ich mich in einem wirklich guten Team befände. Wenn ich nur um die letzten Plätze kämpfen könnte, hätte das für mich keinen Sinn. Die Zukunft kenne ich nicht - ausschließen kann ich auch eine zehnjährige DTM-Karriere nicht...

Copyright: adrivo Sportpresse GmbH