Bielefeld - Hertha BSC hat sich im DFB-Pokal erneut kräftig blamiert und muss den Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer wieder einmal frühzeitig begraben.

Die Berliner verloren beim Drittliga-Spitzenreiter Arminia Bielefeld mit 2:4 im Elfmeterschießen und schieden damit zum dritten Mal in Serie gegen einen unterklassigen Verein aus. Nach 120 Minuten hatte es 0:0 gestanden. Die hoch verschuldeten Ostwestfalen haben damit erstmals seit sieben Jahren wieder den Achtelfinal-Einzug geschafft und können die Finanzspritze in Höhe von 527 000 Euro für das Weiterkommen gut gebrauchen.

Vor 23 098 Zuschauern war der Bielefelder Torhüter Alexander Schwolow mit zwei parierten Schüssen gegen Julian Schieber und Sandro Wagner der Matchwinner. "Als Torwart kann man nur gewinnen in einer solchen Situation. Jeder hat so seine Informationen", meinte Schwolow vielsagend und freute sich: "Wir können das jetzt ein bisschen genießen." Der Ex-Herthaner Peer Kluge meinte: "Wir haben alles rausgehauen, was wir hatten und haben es einfach gut gemacht. Das ist für Bielefeld eine tolle Sache."

Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Marc Lorenz zur Überraschung. Damit wartet die Hertha seit 2011 auf einen Achtelfinal-Einzug im Pokal, in den vergangenen beiden Jahren hatte es Niederlagen gegen den 1. FC Kaiserslautern und Wormatia Worms gegeben.

Der starke Drittligist, der zuletzt sieben Pflichtspiele daheim gewann, erwies sich als der erwartet unangenehme Gegner für den Favoriten. Mit Leidenschaft und hoher Laufbereitschaft machte die Mannschaft von Trainer Norbert Meier über weite Strecken die fußballerischen Defizite gegenüber den Berlinern wett.

Dabei hätte sich die Hertha in der ersten Halbzeit nicht über einen Rückstand beschweren dürfen. So hatte die Arminia die deutlich besseren Chancen, doch Schlussmann Thomas Kraft bewahrte seine Mannschaft mehrmals vor Ungemach. Vor allem in der 13. und 14. Minute parierte Kraft bei Kopfbällen von Tom Schütz und Julian Börner glänzend. Dazu vergab Christoph Hermlein nach Flanke von Dennis Mast eine weitere Großchance (32.).

Und die Hertha? Einzig ein Kopfball von Salomon Kalou sorgte für Gefahr, doch Hermlein stand auf der Linie goldrichtig (24.). Allerdings mussten die Gäste auf einige Leistungsträger verzichten. Insbesondere Änis Ben-Hatira (Muskelverletzung), der am vergangenen Samstag zwei Tore beim 3:0 gegen den Hamburger SV erzielte, wurde schmerzlich vermisst.

Auch in der zweiten Halbzeit war ein Klassenunterschied kaum zu vernehmen. Von den Berliner kam viel zu wenig, vor allem das Offensivspiel war recht ideenlos. In der 62. Minute reagierte Trainer Jos Luhukay und brachte Spielmacher Ronny, der auch gleich mit einem Torschuss knapp das Ziel verfehlte (64.). Es war die Phase, in der die Berliner das Spiel besser in den Griff bekamen, auch wenn die hochkarätigen Möglichkeiten ausblieben.

Mit zunehmender Spielzeit schwanden bei den Gastgebern die Kräfte. Die Hertha wusste aber mit ihrer deutlichen Feldüberlegenheit nichts anzufangen. Vielmehr tauchte Bielefeld noch einmal gefährlich vor dem Berliner Tor auf, als Mast frei durch war. Dessen Flanke entschärfte allerdings Kraft.