Die komplette DFB-F ührungsriege hatte es sich nicht nehmen lassen, das Finale live in Magdeburg zu verfolgen. Bundestrainer Joachim Löw war voll des Lobes über den U 17-Nachwuchs.

Volksstimme : Herr Löw, wie fällt Ihr Fazit aus ?

Joachim Löw : Es hat Spaß gemacht. Die Jungs haben leidenschaftlich gekämpft, über weite Strecken gut gespielt und vor allem Moral bewiesen.

Volksstimme : 24 000 Zuschauer im Stadion – vor einer solch großen Kulisse hatte die Mannschaft noch nie gespielt ...

Löw : Bevor man später den Ruhm erntet, sind das wichtige Erfahrungen in jungen Jahren. Man hat am Anfang gesehen, wie nervös der eine oder andere doch war. Doch schon bald hatte sich das gelegt.

Volksstimme : Ging der Sieg in Ordnung ?

Löw : Ich denke schon. Speziell in der zweiten Halbzeit hatten die Niederlande, von der Kopfballchance kurz vor Schluss einmal abgesehen, wenig Möglichkeiten.

Volksstimme : Welche Spieler sind Ihnen besonders aufgefallen ?

Löw : Zunächst einmal muss man sagen, dass alle ihre Aufgabe hervorragend

gelöst haben. Aber ich denke, Mario Götze ( Borussia Dortmund / d.
Red. ) hat ein ganz starkes Turnier gespielt. Ferner sind mir die Spieler mit den Nummern 9, 7 und 2 ( Lennart Thy von Werder Bremen, Christopher Buchtmann vom FC Liverpool und Bienvenue Basala-Mazana vom 1. FC Köln / d. Red. ) aufgefallen.

Volksstimme : Wie weit ist denn der Weg noch bis ganz nach oben ?

Löw : Das ist immer schwer zu beantworten und hängt natürlich von der Entwicklung und weiteren verschiedenen Faktoren ab. Aber wer es bis hierher geschafft hat, kann ein ganz Großer werden.

Volksstimme : So einer wie der Bremer Florian Trinks, dem dieser tolle Freistoßtreffer zum 2 : 1 geglückt ist ?

Löw : Zum Beispiel. Was den Freistoß anbetrifft, kann man nur sagen : Besser geht es nicht. Der war wunderbar angeschnitten, mit der entsprechenden Schärfe und nötigen Entschlossenheit getreten.

Volksstimme : Haben Sie hier etwas von dem seit einiger Zeit vom DFB angestrebten einheitlichen Spielsystem gesehen ?

Löw : Ja, durchaus. Das ist unser großes Ziel. Einiges konnte man hier sehr schön beobachten. Es geht uns darum, dass Spieler, die später im Nationalteam ankommen, bereits seit Jahren nach einer einheitlichen Philosophie ausgebildet werden.

Volksstimme : Gibt es vielleicht Dinge, die die " Alten ", also die gestandenen Nationalspieler, von den Jungen lernen können ?

Löw ( lacht ) : Die gibt ‘ s schon. Die A-Nationalmannschaft müsste ebenfalls mal wieder einen großen Titel holen.

Volksstimme : Vielleicht noch ein Wort zu Trainer Marco Pezzaiuoli, den Sie ja noch aus gemeinsamen Karlsruher Zeiten kennen ?

Löw : Man muss Marco sehr für seine Arbeit loben. Er hat es geschafft, ein Team zu formen, das sich durch Mut, Entschlossenheit und Siegeswillen auszeichnet.