Am 13. Juli 2014 ist es soweit. In Rio de Janeiro wird das Finale der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien angepfiffen. Im Land des Rekordweltmeisters soll an jenem Tag schließlich auch Brasilien im legendären Maracanã auflaufen und sich zum Weltmeister krönen. Seit der Vergabe der WM nach Brasilien sind die Erinnerungen an den 16. Juli 1950 wieder wach. In diesem Jahr sollen, nein müssen sie ein Ende haben.

Im letzten Spiel der Finalgruppe, einem De-Facto-Endspiel also, traf der erste Weltmeister Uruguay auf die Gastgeber Brasilien. Die Selecão beeindruckte in den Partien zuvor mit einer herausragenden Form und war der haushohe Favorit auf den WM-Sieg. Experten, Fans und Politiker gleichermaßen waren sich sicher: Brasilien wird Weltmeister! Ja, selbst die Gazetten von Rio de Janeiro druckten bereits vor Anpfiff ihre Titelseiten mit strahlenden Spielern und glücklichen Siegern in brasilianischem Grün und Gelb.

Die Nationalspieler konnten sich so nicht in Ruhe auf das Endspiel vorbereiten. Immer wieder mussten sie Reden im Fernsehen lauschen, bekamen Geschenke zum noch gar nicht gewonnenen Titel. Und sie sollten ihn auch nicht holen.

Zwar gingen die Gastgeber im eigens für die WM erbauten Maracanã in Führung, doch Uruguay schlug zurück. Juan Schiaffino erzielte den Ausgleich, Alcides Ghiggia nur wenige Minuten vor Abpfiff das alles entscheidende und vernichtende 2:1. "Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã zum Schweigen gebracht: [Frank] Sinatra, der Papst [Johannes Paul II.] und ich", gibt der Siegtorschütze stets preis, wenn er auf das Finale angesprochen wird.

Ganz anders litt Brasiliens damaliger Schlussmann. "Die höchste Strafe in Brasilien sind 30 Jahre Haft. Aber ich büße nun schon 50 Jahre für etwas, das ich nicht einmal begangen habe", sagte Moacyr Barbosa noch kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 mit tieftrauriger Stimme.
Seitdem sind die Brasilianer fünfmal siegreich von einer WM in die Heimat zurückgekehrt. 2014 nun soll der sechste Titel her.

Wieder findet das Endspiel im Maracanã statt und dieses Mal soll es gelingen. Auf den Straßen Brasiliens ist der 16. Juli 1950 noch immer in Erinnerung. Die Gedanken an dieses Volkstrauma sind allgegenwärtig.
Auch, weil die Selecao und deren Anhänger nichts aus der Tragik gelernt haben. Der Übermut von damals fand sich immer wieder in der Geschichte dieser Nation wieder. Ob nun 1982, als sie trotz eines genialen Sócrates und eines Zicos, in der zweiten Runde gegen Italien scheiterten oder 1998, als das ganze Land nur noch darüber sprach, wie viel Tore Ronaldo im Finale gegen Frankreich machen würde. Jeder weiß wie viel es waren: Null. Zinedine Zidane und Co. siegten deutlich 3:0 gegen zu leichtsinnige Brasilianer.

In den vergangenen Jahren haben die Brasilianer stets den ConfedCup gewonnen. 2006 kamen sie dadurch noch gestärkter und siegessicherer nach Deutschland. Das Aus kam im Viertelfinale, wie auch vier Jahre danach in Südafrika.

Im Jahr 2013 haben sie auch den Konföderationenpokal geholt. In diesem Jahr wissen sie aber genau um den Druck, der um ein Vielfaches höher als normal ist. Eine Nation erwartet den Titel von Luiz Felipe Scolari und seinen Mannen. Der Weltmeistertrainer kommt gut damit klar: "Ich bin der letzte Coach, der eine WM mit Brasilien gewonnen hat. Scheitern wir, werde ich es auch noch immer sein", sagte er zu Jahresbeginn. Nun denn, abgerechnet wird am 13. Juli – fast auf den Tag genau 64 Jahre nach dem Maracanaço.

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