Magdeburg/Brasília | Nach den teilweise spannenden Qualifikationsspielen für die Fußball-Weltmeisterschaft messen sich ab 12. Juni in Brasilien die besten 32 Fußball-Teams. Nur eine Nation wird am Ende die begehrte Trophäe in den Händen halten.

Wie bei jedem Turnier sind dabei typische Rollen verteilt. Es gibt Favoriten, es gibt Außenseiter und es gibt Überraschungsmannschaften, die jegliche Analysen im Vorfeld über den Haufen werfen. Im WM-Check sind: Brasilien, Spanien, Italien, Deutschland, Belgien, Portugal, Frankreich und Argentinien.

Machen Sie mit bei unserem Voting und tippen Sie Ihren Favoriten.

1. Brasilien - "Die Gastgeber"

Die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft kann bei der FIFA Weltmeisterschaft auf den Heimspiel-Bonus hoffen. Die fußballverrückten Brasilianer werden ihre "Selecao", so heißt die brasilianische Nationalmannschaft im Volksmund, in jedem Spiel lautstark unterstützen.

Auch der brasilianische Fußball ist mittlerweile ganz auf Erfolg und nicht mehr nur auf Schönheit eingestellt. Wo Ronaldo und Co. vor einigen Jahren oft nur durch große Vielfalt an Hackentricks und anderen schön anzusehenden Kabinettstückchen glänzten, die meistens ins Leere liefen, hat Trainer Luiz Felipe Scolari ein taktisch gereiftes Team geformt, das hungriger auf den Titel ist, denn je. Dazu kommt, dass Stars wie Neymar (FC Barcelona) oder Hulk (Zenit St. Petersburg), wenn es im Spiel mal nicht so rund läuft, durchaus Spiele mit ihrer individuellen Klasse alleine entscheiden können.

2. Spanien - "Die Siegessicheren"

Spanien war der große Sieger der vergangenen Turniere. Gleichzeitig Welt- und Europameister, das schaffte bislang keine Fußball-Nation. Die Spanier um die Altstars Iniesta und Xavi wollen auch 2014 beweisen, dass ihre Nation der Nabel der Fußball-Welt ist. In der kleinsten Qualifikationsgruppe für die WM in Europa (fünf Teams) schlossen die Spanier die Qualifikation nach sechs Siegen und zwei Unentschieden (zu Hause gegen Frankreich und Finnland) als Tabellenführer ab. Die Spanier sind das Team, das sich in Europa die wenigsten Gegentreffer einfing (3), allerdings konnten sie dieses Mal auch nicht besonders viele Treffer erzielen (14).

Trainer Vicente del Bosque musste nach neuen Talenten für die Nationalmannschaft suchen, weil viele der Stars von der WM 2010 der EM 2012 schon damals älter als 30 Jahre waren. Es ist Zeit für den spanischen Nachwuchs - etwa Talenten wie Isco (Real Madrid) oder Negredo (Mancherster City) - zu zeigen, dass sie die spanische Erfolgsserie fortsetzen können.

3. Italien "Die Unbequemen"

Italien ist der deutschen Nationalmannschaft seit Jahren als Team bekannt, gegen das sich jedes Spiel zum zähen und unbequemen Kick entwickeln kann. Italien kämpft sich mit einer disziplinierten Defensive und taktischer Raffinesse durch jedes Spiel. Der Gegner hat es oft schwer, die Abwehr, die einer Mauer ähnelt, zu durchbrechen. Italien wird 2014 wieder auf erfahrene Spieler wie Pirlo und Torhüter Buffon setzen. Aber auch junge Ausnahmetalente wie Balotelli, El Shaarawy oder Ranocchia werden ihre Chance nutzen wollen.

Mit ihnen könnte es in der italienischen Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft eine spielerische Entwicklung vom Defensivstrategen zur dynamischen Offensivmannschaft stattfinden. Bleibt abzuwarten, ob Italien der gefürchtete und unbequeme Gegner bleibt.

Mehr zu Frankreich, Argentinien, Deutschland und den Geheimfavoriten auf der nächsten Seite.

4. Frankreich - "Die Zu-sich-Finder"

Frankreichs Nationalmannschaft ist weiterhin ein Tummelbecken starker Einzelspieler. Nachdem die Franzosen bei der WM in Südafrika 2010 in der Vorrunde rausgeflogen waren und die Spieler mit einer Revolte gegen den Trainerstab negativ auffielen, gilt es nun, den alten Ruf als Favoriten nach dem Titelgewinn 1998 im eigenen Land wieder herzustellen.

Wie die spanische Mannschaft setzt Frankreichs Trainer Didier Deschamps auf eine Mischung aus erfahrenen Stars wie Bayerns Franck Ribéry oder Madrids Karim Benzema sowie jungen Talenten wie Mamadou Sakho (FC Liverpool) oder Paul Pogba (Juventus Turin).

In der Qualifikation für die WM 2014 mussten die Franzosen in die Play-offs und setzten sich knapp, jedoch verdient, gegen die Ukraine durch. Personell hat Frankreich gute Chancen auf den Titel.
In der Vergangenheit haperte es immer wieder an der mangelnden Disziplin. Es ist daher davon auszugehen, dass sich der französische Trainerstab diesem Problem ausführlich gewidmet hat und in Brasilien eine veränderte französische Nationalmannschaft zu sehen sein wird. Wenn die Mannschaft zu sich findet sich, sich also auf ihre Stärken konzentriert, wird es für jeden Gegner schwer, gegen die Franzosen siegreich vom Platz zu gehen.

5. Argentinien - "Die One-Man-Show"

Argentinien ist kein so offensichtlicher Favorit wie Brasilien oder Spanien. Doch die Argentinier haben einen Vorteil, den sonst keiner hat: Lionel Messi. Das Idol einer ganzen Nation brach in dieser Saison den Vereinsrekord in Sachen Tore. In seiner Zeit beim FC Barcelona erzielt der erst 26-Jährige bereits 371 Treffer.

Zwar konnte die argentinische Nationalmannschaft schon bei der WM 2010 auf Messi setzen, doch ist der 2014 nicht der einzige Star im Team von Trainer Alejandro Sabella. Spieler wie Gonzalo Higuaín (SSC Neapel), Sergio Agüero (Manchester City) oder Javier Pastore (Paris Saint-Germain) können ebenfalls in der Offensive Akzente setzen.

Deutschland hat sich bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften mit einem Sieg durch Elfmeterschießen und einem 4:0 zum Angstgegner der Argentinier gemausert. Gerade auf dieses Duell dürften die Südamerikaner besonders heiß sein.

<6>6. Deutschland - "Die Titelhungrigen"

Seit 2004 versucht Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft - zunächst als Co-Trainer an der Seite von Jürgen Klinsmann und seit 2006 als Chef-Trainer - zum Weltmeistertitel zu führen. Allerdings musste sich Deutschland bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften einmal mit Platz 2 (2002) und zweimal mit dem dritten Platz (2006 und 2012) zufriedengeben.

Personell ist das Löw-Team auch 2014 gut aufgestellt. Viele Spieler im deutschen Team sind bei europäischen Spitzenvereinen heiß begehrt. Offensiv gehören Marco Reus (Borussia Dortmund), Mario Götze und Thomas Müller (beide FC Bayern) zur Weltspitze.
In der Abwehr und dem defensiven Mittelfeld ist Deutschland ebenfalls gut besetzt: Schweinsteiger, Lahm und Co. absolvierten bereits zahlreiche Länderspiele und bilden für mögliche Newcomer wie Matthias Ginter (SC Freiburg) oder André Hahn (FC Augsburg) den Rückhalt.

Fans und Mannschaft sind sich einig: Nach der Europameisterschaft 1996 muss wieder ein internationaler Titel her.

<7>7. Belgien und Portugal - "Die Geheimfavoriten"

Wie bei jeder Fußball-Weltmeisterschaft, dürfen Fans auch in diesem Jahr wieder auf Überraschungen hoffen. Beim Blick auf die belgische Elf ist zumindest von den prominenten Namen her das Potenzial vorhanden, um große Fußball-Nationen zu ärgern. Nacer Chadli (Standard Lüttich), Eden Hazard (FC Chelsea), Romelu Lukaku (FC Everton) und Kevin de Bruyne (VFL Wolfsburg) verstärken die erfahrene Garde um Vincent Kompany (Manchester City).

<8>Auch Portugal um Weltfußballer Christiano Ronaldo (Real Madrid) könnte es 2014 weit bringen. Seit dem Vize-Europameistertitel von 2008 waren die Leistungen auf internationaler Bühne eher enttäuschend. Allerdings sind mit Pépé, Roaldo und Fabio Contreao gleich drei Spieler des Champions-League-Siegers Real Madrid im Aufgebot. Vom Sieg bereits beflügelt, könnten sie das gesamte Team mit ihrer Siegesstimmung mitreißen.

In Gruppenphase treffen die Portugiesen mit Deutschland bereits auf einen der großen Favoriten. Dort müssen sie beweisen, dass mit ihr zu rechnen ist.

   

Bilder