Santo André (dpa) l Erstmals in den Tagen von Brasilien passte das deutsche Team am Mittwoch den Tagesablauf komplett an die erste Turnier-Anstoßzeit um 13 Uhr Ortszeit an. Kurz nach dem Sonnenaufgang klingelten die Wecker in den Wohngemeinschaften im Campo Bahia.

"Die Mannschaft wird mit einer sehr guten Einstellung die Bedingungen annehmen", versprach Kapitän Philipp Lahm für die letzten Vorbereitungstage und das Match gegen Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Co. am Montag in Salvador. Der 30 Jahre alte Münchner und sein Clubkollege Thomas Müller gehen mit neuen Bayern-Verträgen in die WM. Lahm verlängerte bis 2018, Müller sogar bis 2019 beim deutschen Rekordmeister.

Vom Trainer bis zum Physiotherapeuten, vom Sportpsychologen bis zum Koch, vom Zeugwart bis zum Arzt - alle mussten schon am Spieltag minus fünf in Santo André zusammen mit den Spielern den WM-Ernstfall proben. Das Frühstücksbuffet im offenen Restaurant war schon an den ersten Tagen im deutschen Basiscamp frühzeitig angerichtet worden. Jetzt stand bis 9.00 Uhr eine größere Mahlzeit, eine Kombination aus Frühstück und Mittag, für die Spieler bereit. Für 13.00 Uhr hatte Löw den Beginn des Trainings auf dem schicken Übungsplatz angesetzt.

"Es ist eine gute Idee, auch mal zu den Spielzeiten zu trainieren", erklärte Teamarzt Tim Meyer die medizinische Sicht. Denn auch das sogenannte Anschwitzen muss viel eher stattfinden als bei Partien mit gewohnten Anstoßzeiten. "Es ist schon ein anderer Rhythmus. Ich habe das in England erfahren", berichtete Nationalspieler André Schürrle. Mit dem FC Chelsea musste er in der Premier League schon einige Male mittags ran.

Dazu kommen in Brasilien hohe Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit, die Löw in seinem Masterplan berücksichtigen muss. "Es wird schon eine andere Art von Fußball sein als der, den wir aus Europa kennen", sagte der Chefcoach voraus. Schon vor einem Jahr beim Confed-Cup konnte er sich davon zusammen mit seinem Assistenten Hansi Flick persönlich ein Bild machen.

Powerfußball über 90 Minuten werde es nicht geben. Viele Teams würden wohl in den ersten Minuten eine Überraschung erzwingen wollen, glauben die DFB-Trainer. So dürfte schon gegen Portugal die Spielorganisation eine entscheidende Rolle spielen. "Es wird nicht möglich sein, 90 Minuten lang Pressing zu spielen", betonte auch Lahm, der bei seinem fünften Turnier von Löw zunächst im Mittelfeld eingeplant ist. Entsprechend wird der Bundestrainer die Startelf gegen die Portugiesen aufstellen, die ihren letzten Test mit dem genesenen Superstar Cristiano Ronaldo gegen Irland mit 5:1 gewannen. Der physisch starke Münchner Jérome Boateng auf der rechten Abwehrseite und höchstwahrscheinlich der körperlich robuste Schalker Benedikt Höwedes auf links sollen zunächst defensiv für Stabilität sorgen.

In der Zentrale könnte Löw vor den Innenverteidigern Per Mertesacker und Mats Hummels eine Dreierkette mit Lahm, Sami Khedira und Toni Kroos formieren.

Sicherheit gilt als oberste Devise: Denn ein Rückstand in der Mittagshitze wäre gegen die starken Portugiesen wohl das größte Problem. "Ich brauche nicht unbedingt die Hitze. Ich habe aber keine Angst davor", sagte Lahm. Der 106-malige Nationalspieler erinnerte an ein Match bei der Heim-WM 2006 gegen Ecuador in Berlin: "Da war es auch brutal heiß.."

Miroslav Klose mit zwei Toren und Lukas Podolski schossen damals das sichere 3:0 heraus. Die Südamerikaner konnten eine bessere Wärmeverträglichkeit zumindest in Europa nicht beweisen.