Leipzig - Für zwei große Namen war die WM 1994 vorzeitig beendet: Stefan Effenberg wurde wegen des Stinkefinger-Eklats nach Hause geschickt, Diego Armando Maradona des Dopings überführt und nach zwei Spielen ausgeschlossen.

Unter anderem das verbotene Ephedrin wurde in seinem Urin nachgewiesen, nachdem der Argentinier bereits 1991 wegen Kokainkonsums gesperrt und zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war.

"Ich habe nicht gedopt. Ich glaube, die FIFA verfolgt mich", beteuerte die "Hand Gottes" - und machte die WM zumindest für sich noch zu einem finanziellen Erfolg. Für 1,5 Millionen Dollar heuerte er als Kommentator beim Fernsehsender "Canale 13" an. Ohne Maradona war für den WM-Zweiten Argentinien im Achtelfinale Schluss.

Nur eine Runde weiter ging es für Titelverteidiger Deutschland. Eine 1:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Bulgarien bedeutete das frühe Scheitern. Ausgerechnet Jordan Letschkow, damals beim Hamburger SV unter Vertrag, besiegelte mit einem Kopfball das Aus des Teams von Bundestrainer Berti Vogts, der dadurch schwer in die Kritik geriet.

Der Weltmeister von 1974 und Nachfolger von Franz Beckenbauer hatte seine Mannschaft in der Vorrunde nach Meinung nicht weniger Experten geschwächt, indem er Stefan Effenberg suspendierte. Der Mittelfeldspieler hatte nach seiner Auswechslung im Vorrundenspiel gegen Südkorea Beschimpfungen von Anhängern mit dem nach oben gestreckten Mittelfinger quittiert - und der DFB daraufhin den Daumen gesenkt. In Absprache mit Verbandschef Egidius Braun verstieß Vogts das Enfant terrible für vier Jahre aus der Nationalmannschaft.

Für immer überschattet bleiben wird die WM aber vom Tod des kolumbianischen Verteidigers Andres Escobar. Am 2. Juli 1994 wurde der 27-Jährige in Medellin erschossen. Mit einem Eigentor hatte Escobar bei der 1:2-Niederlage gegen Gastgeber USA das Vorrunden-Aus seiner Nationalmannschaft bei der WM eingeleitet. "Ich sehe euch bald, weil das Leben damit nicht aufhört", hatte Escobar in einem Zeitungsartikel mit seiner Entschuldigung für den Fauxpas erklärt - und sich auf verhängnisvolle Weise geirrt.

Trotz Morddrohungen war er in sein von Drogenkartellen durchsetztes Land zurückgekehrt. Sein Mörder wurde zu 43 Jahren verurteilt und kam nach elf Jahren wieder auf freien Fuß. Zu Escobars Beerdigung erschienen 120 000 Menschen - weit mehr als zum Endspiel der WM zwischen Brasilien und Italien im kalifornischen Los Angeles.

Nahezu unbemerkt hatten sich die Brasilianer durch das Turnier gespielt. Die Elf um Romario und Cafu blieb als einziges Team ungeschlagen und ging lediglich beim 1:1 in der Vorrunde gegen Schweden nicht als Sieger vom Platz. Im Halbfinale dann abermals gegen die Skandinavier, die am Ende das kleine Finale mit 4:0 gegen Bulgarien gewannen und Dritte wurden, sorgte Romario für den 1:0-Erfolg. Endspielgegner Italien setzte sich dank zweier Tore von Roberto Baggio gegen Bulgarien mit 2:1 durch.

Ausgerechnet Baggio war dann der Pechvogel des Finals, das erstmals im Elfmeterschießen entschieden wurde. Nach torlosen 120 Minuten schoss der Italiener als letzter Schütze seiner Mannschaft über das brasilianische Tor. Das 3:2 im Elfmeterschießen bescherte der Seleção den vierten WM-Titel, den sie dem gut zwei Monate zuvor tödlich verunglückten Formel-1-Idol Ayrton Senna widmete.