Polens Nationaltrainer Michael Biegler war beim Allstar-Game in besonderer Mission unterwegs: Mit Argusaugen spionierte der 52-Jährige das DHB-Team aus, gegen das seine Mannschaft im Juni zum WM-Qualifikations-Playoff antritt. Mit dem ehemaligen SCM-Trainer (2008/09) sprach Janette Beck.

Volksstimme:
Magdeburg ist als Spielort für das Playoff-Rückspiel im Gespräch. Gewinnt die ohnehin brisante Partie für Sie dadurch noch an Reiz?

Michael Biegler: Ich habe in Magdeburg eine echt gute Zeit gehabt. Die Spieler, die Halle, die Zuschauer und Fans - das alles hat ja auch nichts mit den äußeren Umständen zu tun, unter denen ich am Ende den SCM verlassen musste. Ich würde mich deshalb sehr freuen hier zu spielen, denn das fachkundige Publikum und die Stimmung in der Halle habe ich geliebt und genossen.

Volksstimme: Wie beurteilen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft, das WM-Ticket zu lösen?

Biegler:
Grundsätzlich muss man sagen, dass die Auslosung dumm gelaufen ist. Auch die IHF selbst ist unglücklich, denn nicht nur das Duell Deutschland/Polen, sondern auch die Paarung Slowenien/Ungarn geht eigentlich gar nicht. Es ist schade, dass da zwei Top-Teams zu Hause bleiben und bei der WM zuschauen müssen. Aber zurück zu den Chancen: Das ist ganz schwer, und ehrlich gesagt, ist mir das Ganze noch zu weit weg. Fragen Sie mich in zwei Monaten noch einmal, dann sind wir in der Vorbereitung, und was den Kader anbelangt, schon etwas schlauer.

Volksstimme:
Betrachten Sie es als Nachteil, dass das Hinspiel zuerst in Polen ist?

Biegler: Überhaupt nicht. Das hängt auch immer von der Betrachtungsweise ab: Ist das Glas halb voll oder halb leer: Ich halte es für halb voll. Mein Bauchgefühl sagt mir einfach, dass diese Konstellation gar nicht so schlecht ist. Denn Deutschland hat dann eineinhalb Jahre nur Freundschaftsspiele gehabt, und es geht in diesem Spiel gleich ums Ganze. Meine Mannschaft hat dagegen allein schon bei der EM einige Stresssituationen durchlebt und auch gemeistert, sonst wären wir nicht Sechster geworden.

Volksstimme:
Was ist Ihnen wichtiger: Das WM-Ticket für 2015 zu lösen oder bei der Heim-EM 2016 in Polen eine Medaille zu gewinnen?

Biegler: Die langfristigen Planungen, auch im Verband, sind natürlich auf 2016 ausgerichtet. Für die sportverrückten Polen ist die Handball-EM das Größte überhaupt, das hat es noch nie gegeben. Aber um dort auf der Höhe zu sein, müssen wir uns international zeigen. Mein Team ist sehr jung und die WM-Teilnahme unabdingbar und ein wichtiger Baustein. Würden wir bei diesem Turnier fehlen, wäre das aus meiner Sicht nur sehr schwer zu kompensieren.