Magdeburg l Selten läuft ein so ausgeruhter Erstligist in der Getec-Arena auf wie heute Abend. Aufsteiger Bietigheim hatte vor knapp vier Wochen (21. April) bei den Berliner Füchsen sein letztes Spiel, und es war eines der besten. Denn obwohl der Abstieg bereits feststand und mit Timo Salzer und Andreas Blodig beide etatmäßigen Spielmacher fehlten, brachten die Bietigheimer die Füchse beim 32:33 an den Rand einer Blamage. Danach konnten die Akkus vier Wochen lang für die letzten vier "Ehrenrunden" in der Beletage aufgeladen werden.

Jochen Sandkühler, Geschäftsführer der Bietigheimer, ist beeindruckt von der Einsatzfreude und dem Kampfgeist seiner Jungs. "Das Engagement und der Charakter der Mannschaft sind tadellos. Viele Spieler bleiben trotz des Abstiegs bei uns. Insofern starten wir bereits das Projekt 2015/2016. Das merkt man, und das macht Mut für das, was kommt."

SCM-Mann Saul mit Tatendrang

Nicht vier Wochen, sondern gerade mal drei Tage hatten die Magdeburger zum Durchschnaufen und Regenerieren Zeit. Von Freitag bis Sonntag ging es inklusive Familien nach Fleesensee. Im Robinson-Club konnten die dramatischen Erlebnisse des DHB-Pokals sowie der 72 Stunden später folgende 32:25-Sieg gegen Balingen in Ruhe verarbeitet werden. Und es wurde Kraft getank für das finale Duell mit Flensburg um Platz drei.

Alexander Saul hat die Auszeit "nicht unbedingt gebraucht". Er war in Fleesensee auch nicht dabei. Genau wie der für Yves Grafenhorst (Schulter) in den Kader gerutschte Vincent Sohmann. Beide seien privat solo und hätten sich bei dem Familienausflug zwischen den Kindern, Ehefrauen oder Freundinnen "irgendwie fehl am Platz" gefühlt, erklärte Saul.

Die Kumpels blieben also daheim, entspannten bei gemeinsamen Spaziergängen im Stadtpark, aßen zusammen Mittag und leisteten sich ausnahmsweise auch einen gemütlichen Barabend: "Drei Tage kein Handball, das tat auch mal ganz gut, aber ich hätte natürlich am liebsten gleich weitergemacht." Klar, wenn man so einen guten Lauf hat wie Saul in Balingen, da traf er gleich fünfmal. "Dann geht sowieso alles leichter und man ist heiß darauf, nachzulegen", erklärt der Rückraum-Rechte seinen Tatendrang.

Handball-Leistungskritik vom Vater

"Fünf Tore in 20 Minuten - das ist schon ordentlich", adelte Sportchef Steffen Stiebler den Rojewski-Ersatz, der bei zehn Erstliga-Einsätzen in dieser Saison auf 13 Treffer kommt. Trainer Geir Sveinsson bezog bei seinem Lob Sohmann mit ein, der in Balingen einmal getroffen hatte: "Beide haben eine tolle Leistung gebracht."

Auch in den letzten vier Spieltagen wird Saul Gewehr bei Fuß stehen und nach Einsatzzeiten lechzen. "Ehrlich, ich genieße jede Minute, die ich spiele." Untätig auf der Bank zu sitzen sei dagegen "Höchststrafe".

Einen kleinen Nachteil haben die momentanen Zusatzschichten aber doch, gesteht Saul: Seine Handy-Kosten explodieren. Denn nach jedem Spiel in der ersten Mannschaft erfolgt eine "kritische Auswertung" mit Vater Martin, der früher in der DDR-Liga war und heute bei den Alten Herren in Premnitz spielt. Das letzte Gespräch dürfte allerdings nur kurz gewesen sein ...