"Jetzt wird erstmal gefeiert", jubelte Bartosz Jurecki am Samstagabend, bekleidet mit Handtuch und Trainingsjacke, ins Diktiergerät. Wie bei allen strahlte ein freudiges Lachen aus seinem Gesicht, was bestätigte, dass der 32-Jährige mit den Bundesliga-Handballern des SC Magdeburg soeben Großartiges vollbracht hatte.

Magdeburg. Man muss inzwischen den Blick nach Flensburg nicht mehr über einen 440 Kilometer langen Straßenverlauf bemühen – erst recht nicht nach diesem 25. Spieltag, an dem Magdeburg in der euphorisierten Bördelandhalle einen emotionalen 37:30-Sieg gegen Lemgo feierte und Flensburg-Handewitt beim wiederauferstandenen THW Kiel mit einem ernüchternden 26:38 unterging. Den Sechsten aus dem hohen Norden und den Siebten von der Elbe trennen nur noch drei Punkte.

SCM-Trainer Frank Carstens hat am Samstagabend erstmals, wenngleich mit einem Relativpronomen, von höheren Sphären gesprochen: "Der siebte Platz kann eventuell noch reichen für die europäische Qualifikation." Carstens übt sich deshalb in Vorsicht, weil dies in der Tat von zu vielen Eventualitäten auf der internationalen Bühne abhängt. Jurecki und Fabian van Olphen sagen: "Wir haben es in der eigenen Hand, den siebten Platz zu verteidigen. Wir schauen von Spiel zu Spiel."

Der nächste Gegner heißt Balingen-Weilstetten, die Schwaben empfangen den SCM am kommenden Sonnabend um 19 Uhr. "Balingen kämpft jedes Jahr ums Überleben", erklärt van Olphen. Aber die Mannschaft ist besonders gefährlich, "wenn sie nichts zu verlieren hat". Balingen hatte zum Beispiel am 3. November 2010 nichts zu verlieren – und gewann beim SCM mit 25:23. "Wir müssen weiter arbeiten und zusehen, dass wir fit bleiben", sagt van Olphen. "Das wird eine schwierige Aufgabe, wir müssen die Ruhe bewahren", bestätigt Jurecki. "Heute haben wir ein Vier-Punkte-Spiel gewonnen, das ist natürlich gut für den Kopf", deutet der Kreisläufer zugleich an, wie wichtig der Lemgo-Erfolg für die künftigen Aufgaben war.

Der TBV-Sieg war mehr als das, er war eine Kampfansage an Göppingen, das am 5. April nach Magdeburg kommt. Nach zwei Auswärtsniederlagen – Hinspiel und Pokal – "schaffen wir zu Hause mit unseren Zuschauern den Sieg", blickt Jurecki kämpferisch voraus. "Es ist Zeit, dass wir dran sind", betont auch van Olphen. Es folgt die Zeit der Revanche.

Den bald 30-Jährigen wird eine andere Diskussion, die öffentlich unter den Fans geführt wird, wenig tangieren. Es geht um das ewige Thema der personellen Verstärkungen für den linken Rückraum. Van Olphen und sein etatmäßiger Vertreter Bennet Wiegert haben am Samstag insgesamt zehn Treffer markiert, Jure Natek und Andreas Rojewski gelangen neun Tore über den rechten Rückraum. Gerade van Olphen ist aber vor allem der unersetzbare Akteur im Mittelblock, weshalb er da regelmäßig 60 Minuten durchpowern muss.

Und Wiegert war nicht erst gegen Lemgo auf der halben Position eine stabile Größe. Carstens selbst war zuletzt anzusehen, dass ihn die ständige Frage nach neuen Akteuren etwas nervt. "Wir sondieren weiterhin den Markt", hatte er wiederholt erklärt. Das ist nicht gleichbedeutend mit: "Wir verändern die Mannschaft."

Verändert wurde sie bislang nur mit Björgvin Gustavsson, der sich bald um die Nummer eins mit Gerrie Eijlers streitet – oder auch nicht. Eijlers hat seine Qualität und Stärke im Stellungsspiel gegen Lemgo mit einer herausragenden Leistung bestätigt. "Wir haben das Spiel auch auf der Torhüterposition gewonnen", erklärt van Olphen. Konkurrenzkampf hin oder her: Mit dem intuitiven Gustavsson bildet Eijlers die perfekte Doppelbesetzung.