Frank Carstens hat beim TSV Hannover-Burgdorf bisher ganze Arbeit geleistet. Der 38-Jährige, der am 1. Juli beim SC Magdeburg das Ruder übernehmen wird, hat mit seinem Team durch den 25:24-Erfolg über Wetzlar einen vorentscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Nachdem der Coach also auf dem besten Wege ist, seine Mission beim Aufsteiger mit Bravour zu erfüllen, kann er sich ruhigen Gewissens auch ein paar Gedanken mehr um sein künftiges Team machen.

Hannover. Frank Carstens ist ein vorsichtiger Mensch. Deshalb lehnte er nach dem Arbeitssieg gegen Wetzlar, durch den der Aufsteiger sein Konto auf 19 Pluspunkte aufstocken konnte, Glückwünsche zum Erreichen des Saisonziels ab: "Sicher, der Sieg gegen Wetzlar war ganz wichtig und verschafft uns Sicherheit und Selbstvertrauen, aber so lange rechnerisch noch nicht alles in trockenen Tüchern ist, warten wir mit dem Jubeln mal lieber noch."

Und auch, dass sein junges Team sieben Spieltage vor Sai- sonende nur ein Pünktchen vom SCM trennt, ist für Carstens kein Grund abzuheben: "Das ist nur eine Momentaufnahme. Jetzt kommen fast nur noch Granaten. Da wird es für uns brutal schwer, noch Punkte zu sammeln. Deshalb bin ich auch froh, dass es so gut gelaufen ist. Der SCM hat dagegen ein leichteres Restprogramm, und wir können nur hoffen, dass die Magdeburger uns Schützenhilfe leisten und die Kleinen hinter uns auch klein halten."

Dankbar ist der Coach auch den neuen "Machern" beim SCM, Interimsgeschäftsführer Steffen Stiebler und seinem designierten Nachfolger Marc Schmedt, dass sie Verständnis dafür hatten, dass Carstens gegenüber seinem Noch-Arbeitgeber Loyalität beweisen und sich zu 100 Prozent der Mission Klassenerhalt widmen wollte. "Die Magdeburger haben mir dabei extrem geholfen, indem sie mich soweit es ging außen vor ließen", weiß der Coach das Entgegenkommen sehr zu schätzen.

Dennoch sei er natürlich bei der Personalplanung für die neue Saison fest eingebunden gewesen. Mehr noch, die Verhandlungen mit Kreisspieler Kjell Landsberg (Göppingen) wurden auf ausdrücklichen Wunsch von Carstens geführt. "Er war meine Nummer eins, und ich bin froh, dass das geklappt hat." Der 28-Jährige entspreche genau dem, was der SCM nach dem Abgang von Christoph Theuerkauf brauche. "Wenn man einen Bartosz Jurecki hat, dann braucht man keine Nummer eins am Kreis, sondern jemanden, der die Position vorn absichert und vor allem in der Defensive seine Stärken hat. Der eine gute Beinarbeit hat, den Laden hinten dichthält und das System stabilisiert", hält der künftige Trainer den Deutschen für eine gute Verstärkung, zumal Landsberg auch Führungsqualitäten mitbringe. "Kjell ist ein erfahrener Spieler und hat gezeigt, dass er ein Team führen kann."

Jure Natek, den zweiten Neuzugang beim SCM, habe er dagegen gar nicht auf der Liste gehabt. "Als ich meine Vorschläge gemacht habe, war Natek noch gar nicht auf dem Markt. Der Tipp kam dann von Steffen Stiebler, und ich muss sagen: Alle Achtung, da lässt sich was draus machen ...! Natek ist ein schlauer Spieler, der jede Menge Europacup-Erfahrung mitbringt. Das wird dem SCM gut zu Gesicht stehen, denn das Team ist insgesamt doch sehr jung", glaubt der gebürtige Rotenburger (Wümme), der den slowenischen Nationalspieler als "optimale Ergänzung" zu An- dreas Rojewski betrachtet, dessen Klasse, aber auch Leidensgeschichte hinlänglich bekannt seien: "Die beiden Linkshänder bilden im rechten Rückraum ein gutes Gespann, denn sie verkörpern zwei verschiedene Spielertypen. Andreas kommt mehr über die Athletik und Wurfkraft, Jure ist dynamisch, beweglich und für seine Schlitzohrigkeit bekannt."

Dass der SCM die Personalplanungen für die neue Spielzeit nach den beiden Neuverpflichtungen für abgeschlossen erklärt hat, kann Carstens mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten nachvollziehen: "Fürs Erste muss das reichen. Klar würde dem SCM beispielsweise auch eine Verstärkung auf der Mittelposition gut tun, aber das ist dann eher ein mittelfristiges Ziel, denn der wirtschaftliche Rahmen, der vorgegeben war, ist nun mal erschöpft. Wir haben Stian Tönnesen als Nummer eins, und dahinter gibt es im Verein mehrere Alternativen. Alles in allem bin ich der Meinung, der SCM ist in der kommenden Saison wesentlich besser aufgestellt als im letzten Jahr."

Nachdem also auch auf Carstens Agenda der Kader abgehakt ist, nimmt er als nächstes das Thema Co-Trainer in Angriff. Mögliche Kandidaten wären Interimstrainer Sven Liesegang, der auch als Coach beim freiwillig absteigenden Zweitligisten SV Anhalt Bernburg im Gespräch ist, und Co-Trainer Oleg Kuleschow. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Dazu möchte ich noch ausführliche Gespräche führen. Und das natürlich zuallererst mit denen, die die Mannschaft derzeit führen und am besten kennen. Sie ungeprüft fallen zu lassen, wäre fahrlässig", erklärte der Ex-Bundesligaspieler, der sich jemanden an seiner Seite wünscht, "der andere Dinge kann als ich und ergänzende Sichtweisen hat".

Ist diese Sache geklärt, stünde als Nächstes die konkrete Planung der Vorbereitung an. "Und dann wäre da ja auch noch der Umzug", so der Familienvater (zwei Töchter). Dazu allerdings muss erst noch das passende "Häuschen im Grünen" gefunden werden. "Aber da verlasse ich mich voll und ganz auf meine drei Frauen."