Magdeburg. Handball-Bundesligist SC Magdeburg und Trainer Michael Biegler trennen sich nun doch vorzeitig. Wie Verein und Coach gestern, gut 24 Stunden vor dem Traditionsduell gegen den THW Kiel, in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, beenden sie ihre Zusammenarbeit am 31. Dezember. Ursprünglich lief Bieglers Kontrakt bis zum 30. Juni 2010. Als Favorit für den SCM-Trainerjob gilt nun Ex-Nationalspieler Holger Schneider, derzeit Sportdirektor beim Zweitligisten HC Empor Rostock.

Der SC Magdeburg folgte mit der " einvernehmlichen " Vertragsauflösung, wie es in der Mitteilung heißt, einem Wunsch von Biegler. " Durch die vereinbarte Zeitschiene wird einerseits sichergestellt, dass Herr Michael Biegler seine professionelle und erfolgreiche Arbeit bis zum Ende der ersten Saisonhälfte fortsetzen wird. Der Verein hat andererseits die Möglichkeit, den Neustart vorzuziehen. "

Zwischen Biegler und der Vereinsführung hatte es in der Vergangenheit immer wieder geknirscht. Spätestens seit dem Weggang seines Vertrauten Stefan Kretzschmar, der zum Ende August die Auflösung seines Vertrages als SCM-Sportdirektor ausgehandelt hatte, galt bei Kennern der Szene wegen der Spannungen auch der Abschied von Biegler nur noch als eine Frage der Zeit.

Mit größter Zurückhaltung äußerten sich gestern sowohl der SCM als auch Biegler über die bevorstehende Trennung. Beide wollten der Erklärung " eigentlich nichts " hinzufügen. SCM-Geschäftsführer Eckhard Lesse verwies darauf, das sei so mit der anderen Seite vereinbart. Auch über eventuelle Geldzahlungen wollten sich beide nicht äußern.

Biegler, der erklärte, " anwaltlich beraten " worden zu sein, erwiderte : " Ich werde keine Stellungnahme zu der schriftlichen Erklärung abgeben. " Der 48-Jährige will ab Januar zunächst Urlaub machen und nach der durch die Handball-EM bedingten Bundesligapause beim TV Großwallstadt als Coach einsteigen. " Wir haben unseren Fahrplan so gesteckt, dass Michael Biegler die gemeinsame Vorbereitung mit der Mannschaft am 1. Januar 2010 übernimmt ", bestätigte gestern TVG-Vorstand Georg Ballmann.

Zusätzlich Öl ins Feuer goss gestern allerdings Bieglers künftiger neuer Chef Ballmann, der der Agentur dpa sagte : " Ich glaube kaum, dass beide Parteien bis zum Jahreswechsel das durchhalten werden, weil die Situation sehr schwierig ist. "

Denn : Die brisante Trainersituation wird durch das bevorstehende Bundesliga-Duell beider Fast-Tabellennachbarn ( Großwallstadt ist Achter / 9 : 7 Punkte, der SCM Zehnter / 8 : 8 Punkte ) am 27. November in

Aschaffenburg noch verschärft.

SCM-Aufsichtsrat-Vize Karl Gerhold sagte auf Volksstimme-Anfrage : " Der Schritt der Trennung ist mit Präsidium und Aufsichtsrat abgesprochen. Herr Biegler hat hier sehr ordentliche Arbeit geleistet, aber es gab am Schluss keine ausreichende Perspektive mehr. " Jetzt müsse ein Trainer gefunden werden, " der zum Verein passt ", meinte der Unternehmer. " Dann bin ich überzeugt, dass der Handball auch in Zukunft in Magdeburg wieder Erfolge feiern wird. "

Auch wenn nach Volksstimme-Informationen Holger Schneider ( siehe auch nebenstehendes Interview ) erste Wahl als Biegler-Nachfolger ist, vermieden die SCM-Verantwortlichen gestern noch klare Aussagen. Lesse : " Da ist nichts entschieden. Wir sind in Gesprächen mit mehreren Trainern. In den nächsten drei Wochen gibt es eine klare Positionierung zum neuen Trainer. " Und der 46-jährige Schneider meinte abwiegelnd : " Zurzeit hat die Aufgabe in Rostock Priorität. " Zurzeit eben ...

Und in dieser schwierigen Situation kommt es ausgerechnet heute in der Bördelandhalle ( 20. 15 Uhr / live DSF ) zum mit Spannung erwarteten Aufeinandertreffen mit Rekordmeister THW Kiel. Erschwerend für den SCM : Mit Christoph Theuerkauf, Fabian van Olphen, Gerrie Eijlers, Robert Wagner und Bartosz Jurecki war ein SCM-Quintett am Wochenende in seinen Nationalmannschaften im Einsatz.

" Jetzt müssen wir das Puzzle wieder zusammenfügen ", so Biegler, der verfügt hatte, dass sich bis auf Kreisspieler Theuerkauf alle anderen bereits am Sonntagabend in Magdeburg einzufinden hatten : ", Theuer ‘ sollte seine Chance beim Supercup in der Auswahl nutzen. Das wollte ich ihm nicht verbauen, zumal er in der Auswahl in der Offensive Akzente setzen sollte. " Vom übrigen Kader konnten die immer noch angeschlagenen Damien Kabengele und Andreas Rojewski zwar trainieren, weilten aber täglich weiter in der Reha-Abteilung. Ähnliches gilt für Steffen Coßbau, der wegen seiner Verletzung ( Muskelfaserriss ) eine " Auszeit benötigte ". Meinung

Der SCM und seine Trainer

• Alfred Gislason : Die fast siebenjährige Tätigkeit des Isländers beim SCM ( Gewinn der Champions League 2002, des EHF Cups 1999, 2001, der deutschen Meisterschaft 2001 und des Supercups 2001 ) endet am 3. Januar 2006. Zwei Wochen zuvor hatte der SCM mit 34 : 54 beim THW Kiel eine historische Niederlage bezogen.

• Ghita Licu / Harry Jahns,

die bis dahin die Youngsters in der 2. Bundesliga betreuten, übernehmen Anfang 2006 die Bundesliga-Sieben und werden am Saisonende Vierter.

• Bogdan Wenta, zuvor Co-Trainer in Flensburg, wird am 1. Juni 2006 neuer SCM-Coach. Ein in Auszügen an die Öffentlichkeit gelangter Brief an SCM-Geschäftsführer Kaiser führt zur Entlassung am 5. November 2007.

• Helmut Kurrat, bis dahin Youngsters-Trainer, übernimmt am 5. November 2007 das Amt zusammen mit Sportdirektor Stefan Kretzschmar.

• Michael Biegler wird ab 1. Februar 2008 neuer Cheftrainer.