Magdeburg / Nettelstedt. Wenn der SC Magdeburg heute Abend ( 19. 30 Uhr ) beim TuS Nettelstedt-Lübbecke den Sprung ins Achtelfinale des DHB-Pokals perfekt machen will, dann wird sich einer ganz besonders reinhängen – und das im wahrsten Sinne des Wortes : Bartosz Jurecki. Der kampfstarke Kreisspieler trifft nämlich auf seinen Bruder Michal. Es ist nach April 2008 das zweite Spiel der beiden Polen gegeneinander.

Während bei Mutter Ala, die sich auf den weiten Weg von Koscian, dem Geburts- und Heimatort der beiden polnischen Handball-Stars, nach Lübbecke gemacht hat, heute Abend zwei Herzen in der Brust schlagen, ist die Sache bei den Söhnen geritzt : " Wenn wir uns auf dem Handballfeld gegenüberstehen, dann wird sich nichts geschenkt, dann will jeder mit seinem Team gewinnen. Aber gegeneinander zu spielen, ist nicht einfach, denn wir verstehen uns sehr gut, teilen bei Nationalmannschafts-Einsätzen ja auch immer ein Zimmer ", gesteht Bartosz Jurecki " gemischte Gefühle ".

Und dann plaudert der 30-jährige SCM-Kreisspieler ein wenig aus dem Nähkästchen und über das Verhältnis zu seinem " kleinen " Bruder, der sechs Jahre jünger, aber sechs Zentimeter größer ist, ihm ziemlich ähnlich sieht, aber ein ganz anderer Charakter, nämlich impulsiver, sei als er : " Für mich wäre es natürlich das Schönste, wenn wir beide zusammen in einem Verein spielen könnten. Aber das hat bisher noch nicht geklappt. Aufgrund der Spielpläne sehen wir uns nur wenig, telefonieren dafür aber regelmäßig miteinander. "

Natürlich habe er auch vor dem Pokalspiel Michal angerufen. " Zuerst haben wir über unser letztes Spiel gesprochen und darüber, was es sonst familiär Neues gibt. Aber als ich ihn dann so nebenbei gefragt habe, ob unser Landsmann Siodmiak nach

seiner Zerrung wieder fit ist und gegen uns spielen kann – das ist nicht ganz unwichtig für uns, denn Michal und Artur bilden in der Abwehr einen sehr guten Mittelblock – da war auf einmal Funkstille. Und Michal hat gesagt : Auch wenn du mein großer Bruder bist, verrate ich dir trotzdem nicht unsere Taktik ... ", amüsiert sich der Wahl-Magdeburger über Lübbeckes ausgebufften Rückraum-Shooter, der vor kurzem beim Überraschungssieg des Erstliga-Aufsteigers gegen Flensburg die SG mit neun Treffern fast im Alleingang " abgeschossen " hatte.

Eine herausragende Rolle in seinem Team spielt auch Bartosz Jurecki, der 2006 zum SCM kam und 2008 seinen Vertrag vorfristig bis 2012 verlängert hatte. Der Pole ist mittlerweile nicht nur aufgrund seiner kämpferischen Spielweise zum Liebling der Fans (" Zum Kreisspieler musst du geboren sein, da musst du ganz schön was einstecken, nicht jeder kann und mag das. "), sondern auch zum Führungsspieler gereift. Mehr noch. Der deckungsstarke Vizeweltmeister, der am Kreis bilderbuchmäßige Sperren stellt, aus jeder Lage schießt und mit Tönnesen die berühmt-berüchtigte SCM-Achse bildet, ist momentan wohl der einzige Nationalspieler im Team, der das Prädikat Weltklasse verdient.

Dennoch behält Jurecki, der mit Frau Magda und der dreijährigen Tochter Agatha am Hasselbachplatz eine Altbauwohnung gemietet hat, Bodenhaftung : " Ich bin kein Star. Handball ist Mannschaftssport, allein ohne meine Mitspieler bin ich nichts. "

Und obwohl es zwischenzeitlich im Verein heftig kriselte, zieht ihn derzeit nichts weg : " Meine Frau und Agatha, die gerade in den Kindergarten gekommen ist, fühlen sich hier wohl. Magdeburg ist unser zweites Zuhause geworden. Hier weiß ich, was ich habe. Ich bekomme jeden Monat pünktlich mein Geld, die Fans sind einmalig und auch sportlich geht es jetzt wieder aufwärts ", stellt der vielumworbene Spieler klar, dass er seinen Vertrag bis 2012 " auf jeden Fall " erfüllen werde.