Nach langer Verletzungspause feierten Andreas Rojewski und Damien Kabengele am Sonntag das von Fans, Trainer, Mannschaft, aber vor allem natürlich von ihnen selbst herbeigesehnte Comeback auf dem Parkett. Die Heimniederlage gegen die Füchse konnte allerdings auch das Rückraum-Duo nicht verhindern. Das wäre allerdings auch zuviel verlangt gewesen, müssen sich die Rekonvaleszenten doch erst wieder behutsam an ihre alte Form und Stärke herantasten.

Magdeburg. Monatelang haben der im März an der Schulter schwer verletzte Damien Kabengele und Andreas Rojewski, dessen Sprunggelenk im April arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, gehofft, gebangt und in der Reha hart für diesen Moment gearbeitet. Am Sonntag um 17. 43 Uhr war es endlich soweit. Beide liefen erstmals wieder mit der Mannschaft in der Bördelandhalle auf – bereit fürs Comeback.

" Unglaublich glücklich, aber auch super aufgeregt und nervös " sei er gewesen, gestand " Roje ", der zur Überraschung vieler in der Anfangsformation stand. Gleiches galt für Kabengele. Doch während der 28-jährige Kongolese wie geplant nur in der Abwehr zum Einsatz kam, mutete sich sein vier Jahre jüngerer Leidensgefährte gleich von Beginn an das " volle Programm " zu.

Die Entscheidung, einen ersten Einsatz zu wagen, war erst Mitte der Woche gereift. " Im Training lief es von Tag zu Tag besser, und ich fühlte mich grundsätzlich sicher und stabil genug für eine Rückkehr ", erklärte Rojewski gestern sein kurzfristiges Comeback. " Als dann auch noch Bennet ( Wiegert ) mit Hexenschuss ausfiel, stand für mich fest, dass ich auflaufen werde. "

Auch dass er gleich in der Startformation stehen würde, sei eine bewusst gewählte Entscheidung gewesen, so der Linkshänder : " Das hat viele verwundert, aber es macht einfach mehr Sinn, aus einer sehr gründlichen Erwärmung heraus einzusteigen, als wenn man 20 Minuten auf der Bank sitzt und dann ins Spiel kommt. "

Doch statt wie Kabengele (" Ich war mit meiner eigenen Leistung ganz zufrieden und freue mich einfach, dass meine Schulter gehalten hat und ich endlich wieder der Mannschaft helfen kann ") trotz der bitteren Niederlage vor allem das Positive aus dem Spiel mitzunehmen, haderte Rojewski auch gestern noch mit dem Spiel und seiner eigenen Leistung. Vor allem, dass ihm Füchse-Keeper Silvio Heinevetter gleich mehrfach den Zahn gezogen und seine Würfe pariert hatte, bescherte dem Rückraumspieler, der sich selbst als " Kopfmensch " beschreibt, eine schlaflose Nacht. " Ich bin einfach nicht zur Ruhe gekommen, das ganze Spiel ging mir noch einmal durch den Kopf ", so der Sport- und Psychologiestudent, der nicht wie erhofft Selbstbewusstsein tanken konnte.

Im Gegenteil. " Man geht ja nach so einer langen Verletzungspause unsicher in die Partie, weiß nicht, wo man steht. Wenn man dann drei Versuche startet und einer wie, Heine ‘ im Tor dreimal auf die richtige Seite spekuliert und pariert, dann wirst du natürlich nicht sicherer ", trauert Rojewski seiner schwachen Wurfeffizienz hinterher. Auch wenn er weiß, dass es " noch einige Zeit und Geduld braucht, bis ich wieder bei meiner alten Spielstärke angekommen bin ".

Das sei aber auch normal, glaubt er. " Irgendwann muss man ja anfangen. Ich bin davon überzeugt, Leistung, Form und Sicherheit werden kommen – aber die kannst du dir eben nur über das Spiel holen ", gibt der im brandenburgischen Neustadt geborene Handballer mit polnischen Wurzeln zu bedenken.

Und so will sich Rojewski, der bereits nach seinen kurz aufeinander folgenden zwei Kreuzbandrissen seine Qualitäten als " Stehaufmännchen " unter Beweis stellte, zwingen, nur noch nach vorn zu schauen. " Ich muss mich daran hochziehen, dass es Stück für Stück aufwärts geht. Das Wichtigste ist, dass mein Fuß gehalten hat ", übt sich der 1, 93 große Nationalspieler, der vor einem Jahr in Wetzlar sein Länderspieldebüt feierte, im positiven Denken.

Das habe ihm auch geholfen, die sechsmonatige Leidenszeit zu überstehen, als es trotz Schinderei in der Reha " teilweise nur in Minischritten " vorwärts ging. Zudem sei er als gläubiger Mensch auch nie vom Glauben abgefallen, " obwohl ich mich anfangs schon gefragt habe, was ich wohl verbrochen habe, dass mir nach zwei Kreuzbandrissen erneut eine so schwere Prüfung auferlegt wurde ", so Rojewski. Vielmehr schöpft er im Glauben an seine Nehmerqualitäten Kraft und Zuversicht für ein Comeback : " Ich wollte es allen Skeptikern und Zweiflern, die nach der Sprunggelenks-Luxation sogar schon vom Karriereende gesprochen haben, beweisen, dass ich einmal mehr aufstehen als hinfallen kann. "