Gummersbach / Magdeburg. Sead Hasanefendic ist einer der angesehensten Handball-Trainer der Welt. Der Bosnier mit kroatischem Pass, der den VfL Gummersbach von 2002 bis 2004 coachte, dann die tunesische Nationalmannschaft trainierte und sie bis ins Halbf nale der WM 2005 führte und zu Beginn der Saison zum VfL zurückkehrte, ließ nach dem EHF-Cup-Hinspiel gegen den SCM in Gummersbach aufhorchen : Zuerst überschüttete der schlaue Trainer-Fuchs den Gegner mit Lob und redete das Biegler-Team stark, dann blies er zum Gegenangriff am Samstag. Von Janette Beck

Hasanefendic war nach dem 26 : 24-Hinspielsieg seiner Mannschaft weit davon entfernt, in Euphorie zu verfallen : " Hätten wir dieses Ergebnis in der Bundesliga geholt, wären wir sehr glücklich. Doch im Europapokal weiß man erst nach dem Rückspiel, ob der Vorsprung reicht oder nicht ", übte sich der 60-jährige Ex-Nationalspieler ( 425 Länderspiele ) in Bescheidenheit.

Stattdessen verteilte der studierte Jurist am Valentinstag verbal " blumige " Geschenke und redete den Gegner stark. " Respekt, vor allem die Magdeburger Verteidigung hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Sie sind uns körperlich einfach überlegen. Da müssen wir uns im Rückspiel etwas ausdenken und Mittel gegen die vier, fünf Helden f nden ", so der VfL-Trainer, der namentlich Jurecki und Heinevetter nannte und das Rückraum-Trio van Olphen, Vasilakis, Kabengele hervorhob. " Die waren früher nicht so gut und haben sich enorm entwickelt ", stellte Hasanefendic seinem Trainerkollegen Michael Biegler ein hervorragendes Arbeitszeugnis aus.

Hasanefendic ist mit allen Wassern gewaschen und erfahren genug, um zu wissen, dass sein Team am Sonnabend ( 15 Uhr, Bördelandhalle ) vor einer schweren Aufgabe steht. Doch er sagt : " Wir fahren ohne Angst nach Magdeburg. Wir wissen, dass uns eine volle Halle und ein hochmotivierter, unangenehmer, kämpferisch starker Gegner erwartet. Doch wenn wir konzentriert auftreten, ist alles möglich ", sieht Hasanefendic sein Team im Rückspiel nicht chancenlos.

Wohl auch, weil er noch jede Menge Reserven entdeckt hat : " Nach dem guten Start haben wir im Laufe des Partie zu viele leichte Tore bekommen und auch unsere Überzahlsituationen haben wir zu selten genutzt. "

Zudem setzte der Coach große Hoffnung in eine Verbesserung der Wurfeffektivität und rechnete vor : " Ilic 7 / 1, Alvanos 9 / 3, Szilagyi 6 / 2 – wenn ich von insgesamt 20 nicht erfolgreichen Angriffen ausgehe und nur eine Trefferquote von 50 Prozent zugrundelege, wären das schon mal zehn Tore mehr ... "

Einen Vorteil für den SC Magdeburg sieht Hasanefendic darin, dass dieser in der Woche spielfrei hat, der VfL dagegen gestern Abend zum Punktspiel nach Balingen musste : " Es ist keine optimale Konstellation, dass wir zwischen den beiden EHF-Pokalspielen noch eine Bundesligapartie haben, aber so ist halt der Spielplan ", erklärte der Trainer, der zudem bedauerte, so weit fahren zu müssen.

" Ein Spiel in Essen oder Dormagen wäre von der Entfernung her günstiger gewesen. Dienstag nach Balingen, Mittwochnacht nach dem Spiel sofort nach Hause und am Freitag dann nach Magdeburg – dort machen wir das fünfte Spiel innerhalb von zwei Wochen, das geht langsam an die Substanz ", befürchtet Hasanefendic neue Ausfälle, nachdem die Belastung bereits erste Spuren im VfL-Kader hinterlassen hat : Torwart Nándor Fazekas plagt sich mit einer Bauchmuskelzerrung herum, Abwehrspieler Geoffroy Krantz laboriert an einer Oberschenkelverletzung. Ihr Einsatz in Magdeburg ist allerdings derzeit nicht in Gefahr.