Zadar. Bombendrohung, Flaggenskandal und Anfeindungen gegen Serbien: Die Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien hat zum Auftakt der Hauptrunde in Zadar abseits vom Sport für große Unruhe gesorgt. Eine Zeitung in der Adriastadt erhielt am späten Freitagabend eine SMS, in der es mit Blick auf Hotel " Kolovare ", in dem auch die deutsche Mannschaft wohnt, sinngemäß hieß: " In 30 Minuten wird dort eine Bombe hochgehen. 150 Serben werden sterben. "

Die Drohung stellte sich als Fehlalarm heraus, dennoch steht das Hotel nach Angaben der kroatischen Nachrichtenagentur Hina unter ständiger Polizei-Beobachtung. " Das ist schon ein komisches Gefühl. Wir bleiben im Hotel. Wenn wir rausgehen würden, dann nur unter Polizeischutz ", sagte der serbische Torjäger Momir Ilic vom VfL Gummersbach. Die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes ( DHB ) bekam von der Aufregung zunächst nichts mit. Erst, als der Göppinger Trainer Velimir Petkovic seinen Schützling Christian Schöne anrief, um zu erfahren, was denn los sei, wurde der Titelverteidiger informiert.

Hintergrund der Drohung sind nationale Animositäten zwischen Teilen der kroatischen und der serbischen Bevölkerung, die vom Krieg auf dem Balkan Anfang der 90er Jahre herrühren. Zadar war damals ein Kriegsschauplatz und immer wieder Ziel serbischer Angriffe. Dabei kamen hunderte Menschen ums Leben, Tausende wurden obdachlos.

Der Hass gegen die Serben ist größtenteils geblieben. Bei der WM werden sie gnadenlos ausgepfffen, die Spieler teilweise beschimpft. " Für unsere Fans wäre es hier gefährlich ", meinte Ilic. So nahm die Polizei in Zadar zwei Personen fest, die ein Auto mit serbischem Kennzeichen beschädigten. Auch der Bürgermeister von Zadar hatte für Ärger gesorgt, als er alle 24 Fahnen der WMTeilnehmer vom Hauptplatz der Stadt entfernen ließ. Dies habe die Stadtverwaltung nach zahlreichen Bürgerprotesten getan, weil sich unter den Flaggen auch die von Serbien befand, sagte Bürgermeister Zivko Kolega nach kroatischen Medienberichten. ( sid )