Köln - Viva Espana !? Von wegen, es lebe Deutschland und seine Handballer ! Es lebe der Traum von Gold ! Das Team von Bundestrainer Heiner Brand gewann gestern die hart umkämpfte Viertelfi nalpartie gegen Titelverteidiger Spanien mit 27 : 25 ( 15 : 12 ) und surft nun auf einer riesigen Euphorie-Welle ins Halbfinale der Heim-WM. Im mit 19 000 Zuschauern ausverkauften " Tollhaus " Kölnarena war der Star die Mannschaft.

Nationalspieler Frank von Behren, der bei der WM von einem Kreuzbandrisses zum Zuschauer degradiert wurde, hatte es schon vorher gewusst : " Das Team besitzt jetzt etwas, mit dem jeder Rivale Schwierigkeiten hat : den Glauben, dass einen niemand stoppen kann, dieses Gefühl, dass da wirklich etwas Unglaubliches möglich ist. Und wenn du Mut hast, dann hast du auch Glück. "

Und so kam es auch. Von der ersten Minute an ging es voll zur Sache. Aus einer sicheren Defensiv-Deckung heraus sollten die Spanier zu Fehlern gezwungen werden und man selbst zu einfachen Toren kommen – so lautete jedenfalls die Marschroute von Cheftrainer Brand.

Und genau daran hielten sich seine Jungs. So eng zusammengerückt, Schulter an Schulter, wie sich das Team schon bei Abspielen der deutschen Nationalhymne präsentierte, so geschlossen stand man auch in der Abwehr. Zweimal prallte der Wurf der Spanier am deutschen Block ab, und die Konter wurden sicher verwandelt. Das von den Zuschauern nach vorn gepeitschte Team war drin im Spiel 2 : 0 ( 2. Minute ).

Doch so schnell ließ sich das seit zwei Jahren eingespielte Team der Spanier nicht abschütteln. Der Weltklasse-Kreisläufer Urios, um den sich vor allem der erneut überragende Magdeburger Abwehrchef Roggisch " liebevoll " kümmerte, glich zum 3 : 3 aus ( 9. ). Doch Zeitz und zweimal Kehrmann legten nach und bauten den Vorsprung auf 6 : 3 aus ( 12. ).

" Die frühe Führung war ganz wichtig für uns, so haben wir Sicherheit bekommen und uns Respekt erarbeitet ", erklärte der insgesamt fünfmal erfolgreiche " Überflieger " Holger Glandorf, dessen " Hammer " zum 13 : 9 den mit vier Treffern größten Vorsprung der Deutschen in der ersten Halbzeit markierte ( 24. ).

In der Pause war sich die für Radio Monaco als Co-Kommentator arbeitende Trainer-Legende Daniel Constantini ( u. a. zweimal Weltmeister mit Frankreich ) bereits sicher : " Ich würde mein Geld auf Deutschland setzen, die kämpfen ja unglaublich, die Abwehr steht, Fritz im Tor hält, wenn es darauf ankommt, und vorne trifft der Rückraum nahezu 100 Prozent. "

In der Tat ging die Abwehrschlacht auch in Hälfte zwei weiter. Um jeden Zentimeter Platz, um jeden Ball, um jeden Treffer wurde auf beiden Seiten gekämpft. Nachdem Deutschland schon auf 16 : 12 ( 32. ) enteilte, war es das nach der Begegnung zum besten Spieler gekürte 105-kg-Kraftpaket Urios ( 8 Tore ), der mit vier Treffern in Folge sein Team zurück ins Spiel brachte ( 16 : 18 / 38. )

In der 52. Minute beim Stand von 23 : 23 war das Tor-Polster verbraucht. Es wurde noch einmal verdammt eng. Doch " mit kühlen Kopf und heißem Herzen " ( O-Ton Schwarzer, der Schütze zum 25 : 23 / 54. ) und einem noch einmal hellwachen Fritz im Tor brachten die Deutschen den Sieg in der brandgefährlichen Schlussphase noch in trockene Tücher. Den vorentscheidenden Siebenmeter verwandelte Jansen eine Minute vor Abpfi ff sicher zum 26 : 24, um mit seinem sechsten Tor schließlich den krönenden Schlusspunkt zu setzen.

" Wir haben bis zum Schluss gekämpft und zum Schluss auch das Glück des Tüchtigen gehabt ", strahlte Glandorf nach der Partie bis über beide Ohren. Auch Fritz war erstmal rundum zufrieden : " Mit dem Halbfi naleinzug haben wir ein ganz Großes Ziel erreicht, was danach noch kommt, ist Zugabe. " Bitter dagegen hat noch lange nicht genug : " Das ist alles so geil, das will ich noch zweimal haben. Wir haben den Europameister geschlagen, den Weltmeister, jetzt kann kommen, wer will. "