Bundesligist SC Magdeburg hätte das Handball-Benefizspiel vom Freitagabend beim Möckeraner TV sicher auch im Schongang bestimmt. Wollte er aber nicht und erzielte kurzerhand 73 Tore in 60 Minuten. "Das ist nicht allzu schlecht", befand Trainer Uwe Jungandreas. "Das ist nicht schlimm", meinte der Gastgeber.

Möckern l Als Hartmut Loth langsam dämmerte, dass der Gegner nicht angereist war, um den MTV möglichst gut aussehen zu lassen, war es eigentlich längst zu spät. Dieser Umstand wird dem Möckeraner Coach, der in der ersten Halbzeit die ehemalige Verbandsligamannschaft betreute, auch in der 16. Minute bewusst gewesen sein. Doch andererseits: Was blieb ihm übrig? Also packte Loth die grüne Karte beim Stand von 5:20 auf den Zeitnehmertisch, gönnte seiner Auswahl eine einminütige Verschnaufpause und hoffte wohl auch, den SCM-Sturmlauf zu unterbrechen. "Insgeheim haben wir mit einem freundlicheren Ergebnis gerechnet", bekannte das Möckeraner Urgestein. Allerdings hatte der Bundesligist andere Pläne.

Sowohl das 38:6 nach den ersten 30 Minuten wie auch das 35:7 gegen den aktuellen Möckeraner Nordliga-Kader in der zweiten Halbzeit folgten einem vorab ausgelobten Konzept von Magdeburgs Trainer Uwe Jungandreas: "Egal gegen welchen Gegner - 73 Tore muss man in 60 Minuten erst einmal werfen. Wir haben das umgesetzt, was wir wollten: hohe Ausmerksamkeit verbunden mit hohem Tempo." In der Aufzählung fehlte vielleicht noch der hohe Unterhaltungswert, doch der war am Freitagabend inklusive.

Nach dem ersten Schreck über das Ergebnis zählte schließlich auch beim MTV das Erlebnis. Loth sagte etwa: "Gegen aktuelle Nationalspieler anzutreten - das ist eine einmalige Sache, an die sich jeder von uns noch lange erinnern wird." Vor allem Mike Ehret dürfte der Abend auch künftig im Gedächtnis bleiben. Zwar flogen ihm bei seinem ersten Einsatz als Torhüter überhaupt die Bälle in ersten Halbzeit reihenweise um die Ohren, doch blieben auch die drei starken Paraden haften, die er bei seinem Debüt entschärfte - und zumindest "gefühlt" das Duell gegen Gerrie Eijlers auf der anderen Seite für sich entschied. Der einzige Spieler, der beide Halbzeiten für den Möckeraner bestritt, war Rechtsaußen Nico Hennig. Wie schon beim vorerst letzten Aufeinandertreffen mit dem SCM vor genau drei Jahren präsentierte er sich nicht nur ob dem Plus an Spielanteilen als torgefährlichster MTV-Akteur, netzte insgesamt viermal ein.

Ehret und Hennig durften demnach zu den Gewinnern gezählt werden. Doch das waren ergebnisunabhängig am Freitagabend sowieso alle Beteiligten, wie Mitorganisator Loth befand: "Es war eine klasse Veranstaltung. Wir sind zufrieden und für die Zuschauer hat sich das Kommen gelohnt."

Möckeraner TV (erste Halbzeit): Ehret, D. Holm, - M. Holm (1), Weigel (1), Bürger, Kremser, Binias, Walter (2), S. Holm, Hennig (2)

Möckeraner TV (zweite Halbzeit): Haberland, Hager - Haufschild, Lück, Leps, Specht, Hennig (2), T. Simon (1), Rechenberger, M. Dunkel (1), A. Simon (2), Lüdecke (1)

SC Magdeburg: Eijlers - Kneer (6), Rojewski (19), Musche (7) Landsberg (17), Michael (7), Lindner (2), van Olphen (7), Grafenhorst (8)

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