Hinter dem DJK TTV Biederitz liegt eine Spielzeit zum Vergessen. Genau das haben die Zelluloidkünstler von der Ehle während der zurückliegenden zwei Monate auch getan. Der Abstieg aus der Tischtennis-Regionalliga ist verarbeitet, der Blick des neuformierten Sechsers richtet sich nach vorn - die Devise lautet: mit Zuversicht in die Zukunft.

Biederitz l Gesprächstermin mit Marcus Schmidt. Natürlich, so versichert der Biederitzer Teamkapitän, habe er Zeit um über Tischtennis zu reden. Immerhin steht der 30-Jährige in weiten Teilen seiner Freizeit an den Tischen, die die Welt der fliegenden - und nunmehr ausschließlich aus Plastik statt aus Zelluloid hergestellten - Bälle bedeuten. Doch das Frage-Antwort-Spiel entwickelt sich in eine andere Richtung als gedacht. Weniger über die zurückliegenden zwölf Monate - also über die abgelaufene Regionalligasaison - als vielmehr über die Zukunft entspinnt sich der Gesprächsfaden. Man könnte auch sagen: In Biederitz geht der Blick nach dem Abstieg in die Oberliga nicht wehmütig zurück, sondern optimistisch nach vorn.

Wer will es Schmidt und Co. auch verdenken? Nach zwei Jahren in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands, davon eins in der ein wenig sehr exotischen Süd-Staffel, öffnen sich die Fahrstuhltüren für den DJK TTV wieder im Untergeschoss. "Aber was soll`s. Die weiten Fahrten, bei denen man sonntags erst nach Mitternacht wieder zu Hause ankommt, werde ich in der Oberliga nicht vermissen", stellt der Kapitän klar. Magdeburg statt München, Leipzig statt ländlich geprägtes Oberfranken - wer neben dem Sport noch Wert auf den Sightseeing-Faktor legt, wird mitunter auch in der Oberliga, Staffel Mitte, glücklich.

In der Regionalliga Süd gab es zudem mit dem Duell gegen den SSV Landsberg nur ein echtes Landesderby. Wer es sich einfach machen will, reduziert die gesamte Saison auf das Hinspiel in eigener Halle und ist bereits am Ende der positiven Eindrücke angelangt. Beim 9:7 Ende Oktober vergangenen Jahres glückte schließlich der einzige Saisonsieg. Im weiteren Verlauf glückten nur zwei Unentschieden. Realistisch betrachtet, war der Abstieg eigentlich nur folgerichtig.

"Wir wussten, worauf wir uns einlassen"

Doch einfach liegen die Dinge laut Schmidt nicht. Der Start in der Süd-Staffel war nach der Umstrukturierung der Regionalligen gleichermaßen eine Chance, um weiter höherklassig zu spielen, zugleich aber auch ein Risiko, gegen die stärker eingeschätzten Teams aus Bayern, Thüringen und Sachsen viel Lehrgeld zu zahlen. "Wir wussten, worauf wir uns da einlassen", bekennt der "Captain". Wenig vorhersehbar waren allerdings die Widrigkeiten, die das Team begleiteten. Aus der größten Hoffnung, nämlich mit dem Abwehrspezialisten Diego Rodriguez Egocheaga unberechenbarer zu werden, wurde der größte Problemfall. Das Nachwuchstalent aus Peru konnte aus verschiedenen Gründen nur knapp die Hälfte der Saisonspiele absolvieren. "Das hat natürlich die Aufstellung immer wieder durcheinander gewirbelt. Auch ich bin oft genug nach oben gerutscht und habe mich da `abschlachten` lassen."

Insgesamt gesehen präsentierte sich die Mannschaft jedoch trotz eindeutiger Faktenlage konkurrenzfähiger als es schien. Mal fehlte im fünften Satz die Konzentration, mal war es ein abgegebenes Spiel zuviel, so dass den Biederitzern ein Punktgewinn verwehrt blieb. "Persönlich nimmt trotzdem jeder etwas aus diesem Jahr mit. Wenn du gegen gute Gegner spielst, wirst du sicher nicht schlechter. Ich denke, jeder hat einen Schritt nach vorn getan", zieht Schmidt Bilanz.

"Wir gehen ohne Furcht an die Aufgabe heran"

Das Plus an Erfahrung soll sich dann auch in der neuen Saison auszahlen. Zugleich warnt der Teamkapitän davor, den DJK TTV automatisch zum Aufstiegsfavoriten zu erklären: "Es ist ein kleines Kuriosum. Wenn Biederitz in der Oberliga spielt, wird die Staffel traditionell stärker im Vergleich zum Vorjahr. Die übrigen Teams haben kräftig aufgerüstet. Wir gehen aber ohne Furcht an die Aufgabe heran. Ich traue uns einen Platz in der oberen Tabellenhälfte zu."

In besagtes Wettrüsten, das unter anderem auch der HSV Medizin Magdeburg mit Transfers aus Belgien, Litauen und sogar Indien vorantreibt, ist der Biederitzer Verein dann auch gar nicht erst eingestiegen. Trotzdem ändert sich das Gesicht des Teams grundsätzlich: Spitzenspieler Jacek Wandachowicz, der zuletzt immer seltener seine Form abrufen konnte, zog es ebenso wie Rodriguez Egocheaga in die Ferne. Auf Vermittlung von Schmidt schließt sich dafür das Berliner Duo Mathias Dietrich und Michél Görmer dem DJK TTV an. "Wir sind froh, dass wir `Speedy` (Zbigniew Kaczmarek, Anm.d.Red.) halten konnten. Ich denke, dass die Aufstellung mit fünf deutschen Spielern auch ein Fingerzeig in die Zukunft ist."