Der SV Eintracht Gommern war in der abgelaufenen Saison der Handball-Verbandsliga das Maß der Dinge. Rückblickend war der Meistertitel und damit verbunden der Aufstieg zur Sachsen-Anhalt-Liga jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Gommern l Der "Geist von Malente" ist längst zum geflügelten Begriff geworden. Im Trainingslager an der Ostküste Schleswig-Holsteins hatte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1974 den Grundstein zum WM-Titel im eigenen Land gelegt. Bewegt man sich nun knapp 150 Kilometer in nordöstliche Richtung, so wird man vom Ortsschild der 5000 Einwohner zählenden Stadt Bredstedt begrüßt. Ebenda hat sich 39 Jahre später Geschichte wiederholt: Im Sommer 2013 weilten die Gommeraner Verbandsliga-Handballer zu einem Turnier am friesischen Nordseestrand. "Diese drei Tage waren sehr wichtig, um sich gegenseitig kennenzulernen. Ich glaube, dass uns dieses Zusammensein viel gebracht hat. Es war jedenfalls Dreh- und Angelpunkt der Vorbereitung", erinnert sich SVE-Coach Dirk Heinrichs.

Der "Geist von Bredstedt" hat seine Sieben also erfolgreich eine Spielzeit lang umweht - und dem Trainer ganz nebenbei einen Einstand nach Maß beschert. Vor der Saison an die Ehle gewechselt, integrierte Heinrichs fünf Neuzugänge im Team, krempelte das Spielsystem um und holte am Ende sogar den Titel. "Ein Selbstläufer war die Saison ganz sicher nicht. Alle, also nicht nur die Neuen, mussten dieses schnelle Umkehrspiel erst einmal verinnerlichen. Aber im Verein habe ich sofort viel Vertrauen gespürt und die Einstellung der Spieler war absolut vorbildlich."

Hinzu kamen entsprechend unzählige Liter Schweiß in den wöchentlichen Trainingseinheiten. Dass jedoch zum Ende der Hinrunde quasi "Kieler Verhältnisse" in der Liga herrschten, die Eintracht mit nur einem Minuspunkt in die zweite Halbserie ging und nur noch der SV Wacker Westeregeln mit der rasanten Bergauffahrt der Gommeraner Schritt halten konnte, kam für alle Beteiligten etwas überraschend. "Am Ende der Hinrunde haben wir gemerkt, dass aus Spaß plötzlich Druck wurde. Andere Teams legten sich gegen uns umso mehr ins Zeu. Jeder wollte eben den Favoriten schlagen", blickt Heinrichs auf die Zeit nach dem Jahreswechsel zurück. Dem setzte seine Mannschaft jedoch weiterhin geballte Offensivkraft und rigoroses Abwehrverhalten entgegen. Die Ergebnisse stimmten bis Ende Februar nach wie vor. Allerdings bekennt der Coach auch, dass es in dieser Phase zu einem kleinen Bruch kam: "Ein, zwei Spiele vor dem Duell gegen den Post SV Magdeburg ist das Siegen zur Selbstverständlichkeit geworden. Es gab zuvor immer ein festes Ritual, wir haben jeden Erfolg in der Kabine besungen. Doch irgendwie haben wir dann verlernt, die Siege wertzuschätzen."

Es folgte das Unvermeidliche: Die Mannschaft kassierte mit den Niederlagen gegen den Post SV (15:22) und in Mieste (32:38) den fälligen Schuss vor den Bug. Fraglos ärgerten die Flecken auf der weißen Weste auch den Trainer, doch nach dem kurzen Wellental ließ Heinrichs verlauten: "Diese Dämpfer waren wichtig für die Entwicklung der Mannschaft." So nämlich wurde sie daran erinnert, wieder mehr in den Spielen zu investieren. Die makellose Serie von sechs Siegen bis zum Saisonende sprach dafür, dass die Botschaft angekommen ist.

Nachdem Staffelsieg und Aufstieg in trockenen Tüchern lagen, begannen sofort die Planungen für die neue Saison. So lotste der Verein mit Robert Reiske (BSV 93 Magdeburg), Alexander Schäde (Jessener SV) und Gordon Kaffenberger (SC Magdeburg Youngsters) an Trio an die Ehle, das bereits über höherklassige Erfahrung verfügt. Um das angestrebte Ziel - den Klassenerhalt in der Sachsen-Anhalt-Liga - zu realisieren, steigt das Team in der dritten Juliwoche bereits wieder in die Vorbereitung ein. Die Unterkunft in Bredstedt ist übrigens vom 15. bis 17. August gebucht.