Genthin/Heyrothsberge l Lukas Dake wird sich in seinem Fußballerleben noch einige Scherze gefallen lassen müssen. Mit gerade einmal 18 Jahren ist der Youngster vom FSV Borussia Genthin schließlich in der teaminternen Hackordnung eher noch auf der Warteliste zu finden. Am Mittwoch, beim überraschenden 7:2 (3:1)-Erfolg im Kreispokalhalbfinale gegen den SV Union Heyrothsberge, wurde Dake also auch über die Beschallungsanlage als "unser Küken" vorgestellt. Dabei hatte er sich nach 42 Minuten von der wohligen Nestwärme sehr weit entfernt, die Flügel ausgebreitet und die versammelten Artgenossen staunend zurückgelassen: Von halbrechter Position ging es mit einer leichten Körpertäuschung nach innen auf Höhe des Strafraums. Einen Linksschuss aufs kurze Tor- eck später stand es 3:1. Arjen Robben hätte Beifall über die perfekte Kopie seines typischen Bewegungsablaufs geklatscht, wäre die Nachricht bis zum holländischen WM-Quartier nach Brasilien durchgedrungen.

Doch nicht nur das Nesthäkchen, sondern die gesamte Borussia wirkte so abgeklärt wie es eigentlich im Vorfeld vom gegnerischen Bald-Landesligisten erwartet worden war. Am Ende war selbst der eigene Trainer überrascht: "Ich hätte uns vielleicht eine 20-prozentige Chance aufs Finale eingeräumt. Aber wir haben den Gegner einfach überrumpelt", sah Ralf Werner seine eigene Erwartungshaltung haushoch übertroffen. Er vertrat am Mittwoch Bernd Schmidtchen an der FSV-Seitenlinie und beglich somit auch selbst eine offene Rechnung. Im Finale des Vorjahrs hieß es schließlich 5:3 für den SV Union. Werner blieb nach dem Endspiel in Möser nur die Rolle des Trösters.

Unioner enttäuschen auf ganzer Linie

Hängende Köpfe gab es dagegen diesmal beim Titelverteidiger, dem bei der Neuauflage des Duells wirklich gar nichts gelingen wollte. Angefangen bei Keeper Ralph Klinkau, der sich den Vorabend seines 26. Geburtstags sicher auch anders vorgestellt hatte als mit einiger Mitschuld an den Gegentreffern eins und fünf; über die Abwehr um Christopher Schumburg, die sich entweder physisch zu langsam (2:1, 7:2) oder gedanklich nicht schnell genug bei Genthiner Kontern präsentierte (4:2, 6:2); bis hin zum Mittelfeld um die beiden Antreiber Tino Raugust und Karsten Völckel, das kaum für Entlastung sorgte und stattdessen mit ungewohnt hoher Fehlpassquote das schnelle Genthiner Umschalten noch weiter befeuerte. Einzig der "Abteilung Attacke" ließ sich wenig ankreiden - ganz einfach weil sie bis auf die Vorarbeit von Stefan Groth beim 1:0-Führungstreffer (27.), dem direkt verwandelten Freistoß von Max Zimmermann zum 2:3-Anschluss (46.) und einem elfmeterreifen Foul an Völckel (69.) so gut wie nicht in Erscheinung trat.

Freilich kamen ein paar ungünstige Umstände zusammen: Daniel Ziemann und Marcus-Antonio Bach fielen mehr oder weniger kurzfristig aus. Stammkeeper Tim Nagel musste ebenso verletzungsbedingt passen. Vier Tage nach dem abschließenden 4:2-Sieg in der Liga über Zerbst fehlte vielleicht auch ein wenig die Kraft. Dennoch nahm Trainer Torsten Völckel sein Team in die Verantwortung: "Natürlich wollten wir gewinnen und ins Finale einziehen, aber das funktioniert mit halber Kraft eben nicht. Die Dinge haben sich sicher summiert: Ausfälle, fehlende Anspannung, weggepfiffene Vorteilssituationen. Trotzdem haben unsere Fans so eine Vorstellung zum Abschluss nicht verdient."

Sympathisanten des gastgebenden Vereins gingen dagegen vermutlich mit einem ebenso breiten Grinsen nach Hause wie Spieler und Trainer des FSV Borussia. Allzu exzessiv fielen die Jubelfeierlichkeiten dann aber doch nicht aus. Schließlich besteht morgen zumindest noch die theoretische Chance auf den Kreismeistertitel im Fernduell mit dem SV Germania Güsen. Und sollte das Unterfangen doch scheitern, biete sich schon am Freitag, 20. Juni, die Gelegenheit zur Revanche. Wenngleich Ralf Werner dann wieder in den Hintergrund rückt, verspricht er für das Finale in Parey einen heißen Tanz: "Das Endspiel ist völlig offen. An der nötigen Motivation soll es jedenfalls nicht scheitern."

FSV Borussia Genthin: Karbe - Reinshagen, Bräse, Kemper, Harendt, Zander, Titze (82. Ka. Riehn), Thiede (82. Ke. Riehn), Dake (74. T. Wolf), K. Wolf, Gronwald

SV Union Heyrothsberge: Klinkau - Schumburg, Krümling, Vaz, Hoppe (46. Kloska), Raugust, Thormeier, Völckel, Zimmermann (71. Possinke), Pinno, Groth

Tore: 0:1 Karsten Völckel (27.), 1:1, 2:1 Mario Titze (33., 39.), 3:1 Lukas Dake (42.), 3:2 Max Zimmermann (46.), 4:2 Kevin Wolf (60.), 5:2 Julien Zander (70.), 6:2 Thomas Gronwald (75.), 7:2 Tobias Thiede (79.); SR: Stefan Dehmel (Gommern), Detlef Mittelstädt, Christopher Bethke; ZS: 117