Schluss, aus, vorbei: Mit dem 29:25-Sieg vom Sonnabend gegen die HSG Wolfen 2000 verabschiedete sich der SV Eintracht Gommern in der Sachsen-Anhalt-Liga von seinem Heimpublikum. Für einen der Leistungsträger war es zugleich der vorletzte Einsatz seines Handballerlebens. Doch gilt im Fall von Sven Herrmann auch die Devise "man sollte niemals nie sagen".

Gommern l Mit sichtbarer Genugtuung verfolgte Hans-Joachim Gnensch am Sonnabend das Geschehen von seinem angestammten Platz in der "Schaltzentrale", der Sprecherkabine in der Sporthalle am Europagymnasium. In der Saison 1992/1993 besiegelte eine Niederlage in der Wolfener Sporthalle Krondorf am letzten Spieltag den Abstieg des SV Eintracht um den damals verantwortlichen Gnensch aus der einstigen Oberliga.

Zwei Dekaden vergingen, bis der Verein im Sommer des Vorjahres wieder in die Eliteklasse des Landes vordrang. Und nun trägt auch die Eintracht mit zwei Saisonsiegen im direkten Vergleich Anteil daran, dass die HSG den Ligaverbleib am letzten Spieltag nur mit fremder Hilfe realisieren kann - nämlich einem Gommeraner Sieg in Seehausen bei eigenem Erfolg gegen Germania Borne. Ob man diese Begebenheit nun als gehässig oder gerecht empfindet, in jedem Fall hat sich der SVE nach 22 Jahren mit dem Schicksal versöhnt.

Sven Herrmann war in besagtem Frühjahr 1993 zarte acht Jahre jung. Bis er mit dem Handballspielen beim Post SV Magdeburg begann, vergingen noch zwei Sommer. Und trotzdem wird seit dem vergangenen Sonnabend auch seine Geschichte irgendwie immer mit den Wolfenern verbunden sein. Gegen die HSG absolvierte der Kreisspieler sein letztes Heimspiel im Dress des SV Eintracht. Nach dem Duell am Sonnabend, 2. Mai, in Seehausen hängt der 30-Jährige die Hallenschuhe an den Nagel.

Dass trotz standesgemäßer Abschiedszeremonie noch kein rechter Wehmut aufkommen wollte, lag daran, dass der Handball im Leben des zweifachen Familienvaters dieser Tage nicht die Hauptrolle einnimmt: "Das Gute war, dass wir derzeit im Umzugstress stecken. Meine Frau war vor dem Spiel aufgeregter als ich. Erst nach der Partie konnte ich mir Gedanken machen. Aber da überwog die Vorfreude, sportlich kürzer zu treten und mehr für meine Familie da zu sein."

Man vergisst leicht, dass Herrmann erst seit dem Sommer 2014 Bestandteil einer anderen Familie - jener der SVE-Handballer - ist. Mit seinem unermüdlichen Einsatz sowie Torerfolgen am gegnerischen Kreis und als tragende Säule im Innenblock neben Jens Schmidt hat er sich binnen eines Jahres den Status "unverzichtbar" beim SVE erarbeitet. Und nun soll nach einer Serie bereits Schluss sein? "Mein Engagement in Gommern war von vornherein nur auf dieses eine Jahr angelegt. Nachdem ich von 2008 bis 2011 in Schönebeck gespielt habe, wollte ich noch einmal die Herausforderung in der Sachsen-Anhalt-Liga wagen. Und ich glaube, ich habe das ganz gut gemeistert."

So auch am Sonnabend. Mit acht Treffern war er bester Werfer seiner Mannschaft. Die Teamkollegen suchten in der Offensive entsprechend oft das Anspiel. Herrmann durfte noch einmal glänzen - und zwar, weil es sich einfach so ergab: "Eine Absprache gab es vorher nicht. Nur für die Konter hatte ich einen Freibrief vom Trainer bekommen."

Dieser bedauerte freilich den Abgang und ging großzügig mit Lob um. "Er hat nicht nur einen super Start gehabt, es war sein Spiel", so Dirk Heinrichs. Zugleich weichte er auch die Endgültigkeit der Entscheidung etwas auf. Mit Maria Stahlmann baut schließlich derzeit Herrmanns Lebensgefährtin ein Frauenteam beim SVE auf. Entsprechend hofft Heinrichs, dass die Dienstwege nach der Hochzeit der beiden im Sommer kurz bleiben: "Wir werden mit Maria reden. Vielleicht darf Sven hin und wieder bei uns aushelfen."

Der Besagte signalisierte tatsächlich Bereitschaft, "einzuspringen, wenn es hart auf hart kommt", schloss einen Rücktritt vom Rücktritt aber aus: "Im Großen und Ganzen war es das." Und nachdem Herrmann auch erheblich mitgeholfen hat, den SVE von seiner 22 Jahre alten Rechnung mit der HSG Wolfen zu befreien, kann diese Aussage eigentlich auch so stehen bleiben.