Vielleicht ist der Name Thomas Richter dem Großteil der Fußballexperten in der Westaltmark aktuell noch kein Begriff, doch das könnte sich schon bald ändern. Denn der 29-Jährige ist neben seiner Trainertätigkeit bei der zweiten E-Junioren-Vertretung des SV Eintracht Salzwedel nun auch als Schiedsrichter in der westlichen Altmark unterwegs.

Salzwedel l Dass ein Trainer die Partien seiner eigenen Mannschaft als Referee leiten muss, ist genau genommen kaum vorstellbar. Im Falle Thomas Richter wird es notgedrungen oft zur Realität. Doch auch dieser Fakt macht dem gebürtigen Hansestädter wenig aus, die Arbeit mit Kindern bereitet dem Erzieher ohnehin viel Freude.

Als Aktiver selbst war Thomas Richter nicht unbedingt der Fußballenthusiast. Zwar startete er bereits im zarten Alter von sechs Jahren seine Laufbahn in der E-Jugend des SV Eintracht Salzwedel, doch der gelernte Abwehrspieler hing seine Schuhe schon bald wieder an den berühmten Nagel. "Das Interesse an sich war schon immer da, auch in der Schule haben wir als Kumpels viel gespielt", erklärt Richter. Doch nach nur drei Jahren ging der Westaltmärker zu einer anderen Sportart über, die sich Judo nennt. Unter der Regie von Trainer Thomas Kosch ging er für den PSV Salzwedel auf die Matte. Dorthin gelangt war der Kreisstädter durch seinen Freund René Meyer. Für ein halbes Jahr probierte sich Thomas Richter zudem als Tischtennisspieler beim TuS Salzwedel.

Beim Prellball geht es "quer durch Ostdeutschland"

Mit 14 Jahren hatte Richter, wie er heute gesteht, "andere Interessen". Weder für Fußball, noch für Judo, und auch nicht für Tischtennis. Weiter ging es für den Westaltmärker als 17-Jähriger beim Prellball in Diensten des TV Jahn Salzwedel. "Zu den Wettkämpfen sind wir quer durch Ostdeutschland gereist", kann sich der Salzwedeler ein Grinsen nicht verkneifen. Nur ein Jahr später erwarb Thomas Richter seinen Trainerschein für den Breitensport in Klötze. "Besonders die Arbeit mit Kindern bereitet mir viel Spaß", erklärt Richter.

Seine Anfänge als Übungsleiter unternahm der Hansestädter mit 18 Jahren bei der Kinderturngruppe des TV Jahn Salzwedel als Assistent von Ramona Spiegel. 2010 verschlug es Thomas Richter dann wieder auf den Fußballplatz. "Ich wollte die Kinder aufbauen und über mehrere Jahre betreuen. Beim Turnen war das nicht möglich", erklärt der 29-Jährige. So stieg er bei der dritten D-Junioren-Vertretung des SV Eintracht Salzwedel ein, hielt sich zunächst allerdings im Hintergrund auf und lernte dazu. Als der damalige Trainer Skalei allerdings sein Engagement beendete und berufsbedingt in die Schweiz ging, stieg Richter zum Chefcoach der Truppe auf.

Problem: Damals war Thomas Richter bereits als neuer Trainer der damaligen G-Jugend vorgesehen. Er machte jedoch aus der Not eine Tugend und war ab 2010 zwei Jahre lang für beide Mannschaften der Eintracht zuständig. Für den Hansestädter stellte das kein großes Problem dar. "Ich habe eine Ausbildung zum Kinderpfleger gemacht, drum war es für mich einfach. Ich hatte genügend Zeit für beide Aufgaben", verrät Richter rückblickend. Bis heute trainiert der 29-Jährige den Jahrgang 2005 des SVE, der mittlerweile im E-Junioren-Bereich angekommen ist und in der Kreisklasse auf Punktejagd geht. "Die Mannschaft hat eine positive Entwicklung genommen. Die Jungs haben große Fortschritte gemacht", so das Urteil des Übungsleiters. "Ich arbeite gern als Trainer, zudem passt es zu meinem Beruf. Ich habe eine lange Geduldsspanne, kann aber durchaus auch mal laut werden", so der Erzieher über sich selbst.

Als Schiedsrichter das Fachwissen erweitern

Seit Beginn dieser Spielzeit ist Thomas Richter auch als Schiedsrichter im Altmarkkreis Salzwedel aktiv, ist bis hin zu Partien der Herren-Kreisoberliga im Einsatz. "Schon im Vorfeld habe ich oft die Spiele meiner eigenen Mannschaft gepfiffen. Für mich war das schon ein Hobby", erklärt der Westaltmärker. Als der Verein dann neue Schiedsrichter benötigte, erklärte sich Richter prompt bereit. "Mir macht es einfach Spaß", freut sich der 29-Jährige über den Ausgleich zum Trainerleben. Durch die Tätigkeit als Referee möchte der Salzwedeler nebenbei auch sein Fachwissen erweitern, hat allerdings (noch) keine konkreten Ziele für die Zukunft.

Mit seiner aktuellen Mannschaft, der zweiten E-Jugend-Vertretung des SV Eintracht Salzwedel, hat Thomas Richter dagegen noch viel vor. "Ich möchte mit den Jungs noch so lange wie möglich zusammen arbeiten und erreichen, dass sie erfolgreich Fußball spielen", sagt der 29-Jährige. Wenn seine Truppe am traditionellen Kraiburg-Cup in Salzwedel teilnimmt, erhofft sich Richter ein positives Abschneiden. "Im Mittelfeld würde ich dort schon gern landen", erklärt der Hansestädter. Der möchte weitere Erfahrungen als Coach sammeln. Ob er sich später ein Engagement im Männerbereich vorstellen kann? "Grundsätzlich ja, aber ich kann das aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit noch nicht genau sagen", so der Westaltmärker. Doch bis dahin liegen noch viele Arbeitsstunden und womöglich auch Erfolge vor Thomas Richter und seinen jungen Schützlingen.