Seit fünf Jahren bilden Max Kreye und Joshua Voß beim RC "All Heil" Lostau ein gemeinsames Radballer-Team. In dieser Saison feiern beide in der Landesliga ihren Einstand im Seniorenbereich. Für das Duo soll es künftig hoch hinaus gehen: "Die Oberliga ist mittelfristiges Ziel", sagt Kreye selbstbewusst.

Lostau l Die gewohnte Arbeitsteilung im Zweier-Radball setzt natürlich auch das junge Lostauer Duo nicht so einfach außer Kraft: Während Voß vor dem gegnerischen Gehäuse für Gefahr sorgt und für die Mehrzahl der Treffer erzielt, bewahrt Kreye das eigene Tor vor allzu vielen Einschlägen. Doch auch anderweitig sind die Rollen auf dem Spielfeld klar verteilt: "Joshua überzeugt vor allem mit Fleiß und Einsatz. Vielleicht ärgert er sich hin und wieder ein wenig zu oft über sich selbst", klärt der 18-jährige Abiturient Kreye auf. Sein Partner ergänzt: "Max ist immer motiviert und voll bei der Sache. Er ist derjenige, der sagt: Wir reißen das Spiel jetzt."

Selbstkritik und Motivation - in der richtigen Mischung sind dies sicher nicht die schlechtesten Zutaten, um es in diesem Sport weit zu bringen. Wie weit, haben die beiden im vergangenen Jahr selbst festgelegt, als klar wurde, dass sie in der Landesliga ihre erste gemeinsame Saison bestreiten. Der Aufstieg in die Verbandsliga soll es sein - idealerweise aus dem Stand. "Hoffentlich funktioniert es bereits in dieser Saison. Das wäre verdammt gut", befindet Voß, 19 Jahre alt. Genug Selbstvertrauen für die Aufgaben an den ausstehenden drei Spieltagen haben er und Kreye schließlich auch zu Saisonbeginn gesammelt. Bei der Auftaktrunde in Unseburg erspielte sich das Duo in fünf Partien zwölf Zähler, platzierte sich hinter Post Magdeburg V auf Rang zwei. Nur eine Rückenverletzung von Kreye stand dem Tagessieg im Weg.

Dass ihre Gegner in der Landesliga rein vom Alter her problemlos die Väterrolle spielen könnten, ist nur ein nettes Kuriosum, aber kein Hindernis: "Wir sind es aus dem Training gewohnt. Da spielen wir schließlich auch gegen die Trainer." Voß ergänzt: "Der Unterschied besteht bloß darin, dass wir jetzt gegen Spieler aus anderen Vereinen antreten. Die eigenen Leute, - ihre Kniffe, Tricks und Spielzüge - kennt man mittlerweile." Generell gelte aber auch im Radball: Über jugendliche Unbekümmertheit und Athletik lässt sich fehlende Routine wettmachen - wenn auch nicht vollständig.

Dabei hat das Duo den Status als Anfänger schon beinahe hinter sich gelassen. Beide begannen früh und auf unterschiedlichen Wegen mit dem Sport. Die Radballerlaufbahn von Voß begann etwa schon im Grundschulalter. "Während des Sportunterrichts in der Schule konnten wir uns einmal im Radball ausprobieren. Ich habe dann in Barleben, wo es einen Ableger des HSV Colbitz gibt, angefangen. Am Anfang saß ich aber ziemlich lange auf der Auswechselbank. Wirklich spielen konnte ich eigentlich nur im Training." Dies änderte sich spätestens mit dem Wechsel nach Lostau, wo inzwischen auch Kreye mit dem artistischen Tanz auf zwei Rädern begonnen hatte. Dessen Familie zog vor acht Jahren in den kleinen Elbort "und ich habe nach einem Sport gesucht."

Gefunden hat sich schließlich ein Gespann, das auch im Juniorenalter schon viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Als Jugend-Landesmeister starteten beide vor vier Jahren bei den nationalen Titelkämpfen - aufgrund einer fehlenden Lizenz noch außerhalb der Wertung. "Trotzdem haben wir uns die Teilnahme selbst erarbeitet", stellt Voß hervor und erntet zustimmendes Nicken vom Teamkollegen.

Die Liste der gemeinsamen Erfolge soll zweifellos noch weiter wachsen, auch wenn es natürlich altersbedingt viele Unwegsamkeiten gibt. So beginnt Kreye nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) beim Deutschen Roten Kreuz eine Krankenpflegeausbildung im Magdeburger Klinikum Olvenstedt, will sich auch eine Option aufs Medizinstudium offen lassen. Voß will nach Abschluss seines FSJ an einer Grundschule entweder Informatik oder auf Lehramt studieren. "Wir wollen beide noch lange beim Radball bleiben, möglichst auch gemeinsam. Die Frage ist nur, wo es uns hinverschlägt", führt Kreye stellvertretend an.

Heute zieht es das Duo jedenfalls zunächst einmal in die heimische Sporthalle. Ab 10 Uhr steht der zweite Spieltag auf dem Programm. Aufregung verspüren beide nicht; jedenfalls nicht mehr als sonst auch. "Wir wollen auf jeden Fall unseren Heimvorteil nutzen", gibt Voß aus. Schließlich sollen sich heute in erster Linie die Gegner ärgern: über zwei erfolgreiche Youngster aus Lostau.