Der Burger BC 08 hat dem FSV Barleben am Sonnabend beim 0:0-Remis zum zweiten Mal in dieser Saison einen Punkt abgetrotzt. Die Kreisstädter sind damit bislang einziges Team der Fußball-Landesliga, dem dies gegen den Spitzenreiter gelang. Ausschlaggebend war nicht zuletzt auch eine taktische Neuausrichtung, die als Erfolg gewertet werden darf.

Burg/Barleben l Besondere Spiele erfordern eben doch besondere Maßnahmen. Und so hat sich BBC-Trainer Hartmut Müller vor dem Duell gegen den Spitzenreiter seine Gedanken gemacht. Herausgekommen ist eine zumindest aus geometrischer Sicht herausragende Leistung: Aus der Raute wurde die unterkellerte Pyramide mit ausfahrbarer Spitze. Statt im gewohnten 4-4-2-System lief der BBC 08 am Sonnabend in einer abgewandelten 4-2-3-1-Formation auf; ausgestattet mit anderthalb Stürmern und zwei "Sechsern". Für all jene, denen an dieser Stelle "Bahnhof" in den Sinn kommt und die eine "Doppel-Sechs" eher im semiprofessionellen Würfelsport verorten würden, - seien Sie bitte unbesorgt. Wir reden weiterhin vom Fußball. Nur eben von der etwas höheren Taktikschule.

Bislang bestand das Burger Mittelfeld zumeist aus zwei Flügelspielern, einem defensiven und einem offensiven Akteur im Zentrum - alles in übersichtlicher Rautenform angeordnet. "In dieser Variante war Franz Zimmer meist auch mit defensiven Aufgaben ausgestattet", erklärte Müller. Das war Zimmer gegen Barleben auch ein weiteres Mal. Doch wie schon in der Vorwoche mit Neuzugang Martin Krüger bekam er am Sonnabend einen weiteren Teamkollegen zur Seite gestellt: Philipp Baumgartl. Beide "Sechser" sorgten für ein engmaschiges Mittelfeld, wichen bei eigenen Angriffen jedoch gelegentlich auf die Flügel aus.

Die wirklich echte Neuerung fand sich weiter vorn. Wo sonst zwei Stürmer für Gefahr sorgen, gab erst Erik Teege, später der eingewechselte Steven Peseke den Alleinunterhalter. Etwas zurückgezogen agierte bis kurz vor dem Abpfiff Benjamin Schäfer quasi als "halbe" Spitze und war eher noch im Mittelfeld zu verorten. Auf seinen Schultern lastete die wohl größte Verantwortung. Schäfer war zu gleichen Teilen wichtiger Konstrukteur in der Burger Offensive und erster Saboteur im Barleber Spiel. "Er sollte früh stören, Bälle gewinnen und sich im Rückwärtsgang ins Fünfer-Mittelfeld hereinschieben", erklärte Müller.

Die wichtige Frage lautete aber: Hat Schäfer, der bislang kaum über die Reservistenrolle hinausgekommen war, seinen anspruchsvollen Job zur Zufriedenheit erledigt? Ein klares Ja oder Nein fiel in der Beurteilung schwer. Gegen ebenfalls dicht gestaffelte Barleber war es auch für ihn schwer, stets die richtige Entscheidung zu treffen, Bälle zu verteilen und sie auch ankommen zu lassen. Je älter das Spitzenduell jedoch wurde, umso verzweifelter wirkte der favorisierte Gastgeber. "Was mich verwundert hat, aber das rechne ich uns als Verdienst an, war, dass Barleben viele lange Bälle gespielt hat", hatte der Burger Coach beobachtet. Und dies dürfte zu einem großen Teil auch an Schäfer gelegen haben. Auf die Frage, ob sich sein Schützling für die anspruchsvolle Rolle empfohlen hat, entgegnete Müller jedenfalls ein knappes, aber eindeutiges "Ja".