Heyrothsberge/Halberstadt (bjr) l Nachdem die Flugkurve des SV Union Heyrothsberge im zurückliegenden Jahr eine steile Gerade beschrieben hat, scheint der Aufsteiger zur Fußball-Landesliga nach drei Spieltagen auf dem harten Boden der Realität gelandet zu sein. Nach zwei 1:2-Auswärtsniederlagen in Folge haben die Unioner schon jetzt mehr Lektionen in Demut erhalten als in der gesamten Saison 2013/14. "Wir nehmen aus diesen Spielen eine Menge mit. Was wir vor allem gelernt haben: bestimmte Dinge auch mal zu ertragen", bekannte Coach Torsten Völckel nach der Pleite beim VfB Germania Halberstadt II vom Sonnabend.

Gemeint war vorrangig die körperbetontere Spielweise im Vergleich zur Landesklasse, Staffel II. Doch auch wie es ist, wenn der nicht unerhebliche Faktor Glück die Seiten wechselt, musste sein Team gegen Thale und die VfB-Reserve erleben. So präsentierte sich der Liga-Neuling bei den Gastspielen im Harz auf Augenhöhe und leistete sich nur kleinere taktische Fehler. Doch diese werden im Gegensatz zur vergangenen Spielzeit von den Gegnern umso konsequenter bestraft.

So war zwar etwa die Fehlerkette beim zweiten Gegentreffer in Halberstadt kurz, aber folgenreich: Erst leistete sich Kapitän Stefan Groth in der Vorwärtsbewegung einen fatalen Ballverlust, dann vernachlässigte der ansonsten tadellos aufspielende Tom Raue seine Position auf der rechten Defensivseite. Blitzschnell hatten die routinierten Vorharzer eine Überzahlsituation geschaffen und das 2:0 erzielt. Die Geschwindigkeit, die in den Jahren zuvor die Trumpfkarte der Unioner war, wurde ihnen nun zum Verhängnis. "Wir müssen an unserer Handlungsschnelligkeit arbeiten", forderte der Trainer nicht nur mit Blick auf diese Szene.

Vor allem offensiv stimmten wie bereits gegen Thale kleine Details nicht, die in der Landesliga eben den Unterschied ausmachen. Mochte man bei einer Reihe von Aluminiumtreffern noch von ausgeprägtem Pech sprechen, wirkte vor allem Flügelstürmer Mike Pinno in seinen Aktionen häufig überhastet und nicht bis zum letzten Moment konzentriert. Da nutzte es in der Schlussphase wenig, dass mit den beiden Einwechslern Christian Kloska und Andre Seipold spürbar mehr Belebung ins Spiel kam.

Landesliga-Debütant Christopher Biegelmeier hingegen stellte im Tor seine Reflexe erstklassig unter Beweis. Vor allem in der ersten Halbzeit reagierte der Youngster in einigen Situationen glänzend, konnte sich obendrein bei Halberstädter Kontern auf die sattelfeste Dreier-Abwehrkette, die vertretungsweise sehr gut von Daniel Ziemann geordnet wurde, verlassen. Eine Unsicherheit leistete sich Biegelmeier, der kurzfristig für Clemens Behrenwald zwischen die Pfosten gerückt war, am Sonnabend allerdings doch. Vor dem 1:0 lief der Neuzugang aus Gommern nur halbherzig aus dem Tor heraus, so dass die Gastgeber ohne große Mühen zur Führung abschließen konnten. Zur Ehrenrettung Biegelmeiers sei jedoch angeführt, dass sich aus einem eigenen Einwurf, welcher der Szene vorausgegangen war, wohl auch gegen einen Kreisligisten niemals eine gegnerische Torchance hätte entwickeln dürfen.

Alles in allem sind es also derzeit Kleinigkeiten, die beim SV Union noch nicht zusammenpassen. Seine Ligatauglichkeit blieb der Aufsteiger wie auch beim 1:0-Auftaktsieg über den Schönebecker SV während der zurückliegenden beiden Niederlagen nicht schuldig. Im Gegenteil: "Es hat mich erstaunt, mit welchem Mut und Selbstvertrauen die Mannschaft trotz des 0:2-Rückstands zur Pause wieder aus der Kabine kam", stellte Völckel fest. Mag seinem Team derzeit auch noch die nötige Cleverness etwas abgehen, steht zumindest das Glück am Ende meist auf der Seite des Tüchtigen - auch wenn bis dahin noch der ein oder andere Rückschlag wartet.