Mit Anja Wachholz, Trainerin des Seehäuser Frauenteams, hat sich Wolfgang Seibicke unterhalten.

Volkstimme: Sie haben vor dieser Saison das Wort "Abenteuer" in den Mund genommen. Ist es aus Ihrer Sicht so gekommen?

Anja Wachholz: Ja, ist es. Wir müssen viel reisen und wussten selten, was uns erwartet. Natürlich habe ich im Internet nach den anderen Teams geschaut, eventuelle Videos angesehen und so Informationen eingeholt, jedoch half das selten. Weiter ist es ein Abenteuer, weil wir mit dem gleichen Kader aufgestiegen sind, keine Veränderungen haben und noch ohne Bianca Braune und Katja Steinke auskommen mussten.

Volksstimme: Wie schätzen Sie die bisherige Bilanz ein?

Wachholz: Nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir konnten in wichtigen Spielen einfach nicht den Respekt ablegen, um in entscheidenden Situationen Tore zu werfen und so Punkte zu ergattern. Da spiegeln auch Ergebnisse mit zehn Toren Differenz oft nicht die Leistung der Mädels wider.

Volksstimme: Wo wurden Chancen zu punkten vertan?

Wachholz: Grundsätzlich hätten wir in einigen Spielen Chancen gehabt, Punkte zu erhalten, jedoch reichten kurze unkonzentrierte Phasen und dem Gegner gelang es, sich mit fünf bis acht Toren wegzuwerfen. Und da mussten wir stets hinterher laufen und so dezimierten sich unsere Chancen. Wir hätten beide Altenburg-Spiele nicht verlieren müssen und auch zu Hause gegen Görlitz nicht.

Volksstimme: In welchen Spielen wurde das MDO-Leistungsniveau durch die SG erreicht? Gab es unter den Spielerinnen einige, die den Anforderungen sofort gerecht wurden?

Wachholz: In der Gesamtheit für mich im Spiel zu Hause gegen Görlitz. In den anderen Spielen war es eher so, dass zwei bis drei Spielerinnen niveauvoller spielten, aber das reicht nicht. Von Anfang an auf hohem Niveau spielt Johanna Willing, die zudem als Spielmacher den Ausfall von Bianca Braune mit kompensieren musste und hier zusätzlich oft wichtige Kräfte ließ. Tina Fischer spielt ebenfalls besser als in der Vorsaison, sie ist variabler und konzentrierter geworden, jedoch in vielen Spielen noch zu unbeständig. Weiterhin spielen unsere Torhüter eine große Rolle und hier haben wir durch Nicole Gutsche einen starken Rückhalt hinter der Deckung. Aber auch Linda Willing hat große Fortschritte gemacht.

Volksstimme: Wer hat einen Sprung nach vorn gemacht?

Wachholz: Alle Spielerinnen haben einen Sprung gemacht. Ihnen fehlt es in den Partien jedoch an Selbstvertrauen und ein wenig Cleverness. Insbesondere die Außenspielerinnen müssen sich mehr zutrauen; uns fehlen einfach Tore von den Außenpositionen, um ein Spiel zu gewinnen. Bianca Braune ist Anfang Dezember auch wieder zur Mannschaft gestoßen und wird immer längere Einsatzzeiten erhalten, um so zur alten Form zurück zu finden und Johanna Willing und Tina Fischer zu entlasten.