Als Spieler hat Harry Jahns (59) in seiner aktiven Zeit (1969-1984) alles gewonnen, was ging, wurde mit dem SCM Europameister für Vereinsmannschaften (1981), gewann mit den Grün-Roten den Europapokal der Landesmeister (1978, 1981), wurde siebenmal DDR-Meister. Mit ingesamt 14 deutschen Meistertiteln (A-Jugend 9, B-Jugend 5) ist er einer der erfolgreichsten deutschen Nachwuchstrainer. Angesichts der gegenwärtigen Diskussion um den deutschen (Nachwuchs-)Handball nach dem blamablen Abschneiden der DHB-Sieben bei der WM in Schweden sprach Hans-Joachim Malli mit dem Magdeburger über die aktuelle Lage im deutschen (Nachwuchs-)Handball.

Volksstimme: Macht die von vielen Experten eingeforderte Quotenregelung, die zwangsweise Aufnahme deutscher Talente in Bundesliga-Kader, Sinn?

Harry Jahns: Das ist nicht neu, wird jetzt zum zweiten Mal auf den Tisch gelegt. Zum ersten Mal passierte dies, als die Zahl der Aktiven auf dem Spielprotokoll von zwölf auf 14 erhöht wurde, die letzten beiden Positionen mit U-21-Spielern zu besetzen waren. Das wurde schnell wieder ad acta gelegt. Auch, weil es von den Spitzenvereinen in dieser Frage kein Entgegenkommen gab. Man braucht nur die aktuellen Aufstellungen durchforsten.

Volksstimme: Füchse-Manager Bob Hanning fordert, künftig müssten drei bis vier U-23-Spieler auf jedem Spielprotokoll stehen ...

Jahns: Das wäre eine schöne Sache, deutschen Jung-Nationalspielern so den Einstieg zu gewähren. Ich wäre schon froh, wenn zwei Nachwuchsspieler in der Bundesliga auf jedem Spielprotokoll stehen würden. Aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Volksstimme: Warum?

Jahns: Der Leistungsdruck ist einfach zu hoch, egal ob es nun um die Meisterschaft, das Erreichen internationaler Startplätze oder um den Klassenerhalt geht. Da setzen die Trainer lieber auf erfahrene Leute, zumeist Ausländer. Fakt ist, nur wenige aus zweiten Mannschaften schaffen den Sprung in die 1. Bundesliga. Es sei denn, sie sind Überflieger, so wie es bei uns zum Beispiel Grafenhorst, Wiegert, Rojewski oder auch Schöne, Sprenger und Theuerkauf waren.

Volksstimme: Was kann da die neue A-Jugend-Bundesliga ab 2011/2012 bewirken?

Jahns: Sie soll ja ähnlich wie die Dritte Liga aus vier Staffeln a zwölf Mannschaften bestehen. Das ist ein ordentlicher Beginn, geht mir aber nicht weit genug. Mir wären zwei Staffeln mit je 14 Teams lieber. Die beiden Erstplatzierten könnten dann die Finalisten um die Deutsche Meisterschaft ausspielen. Das würde den Leistungsgedanken stärken.

Volksstimme: Die Magdeburger Nachwuchsschule wird allseits gelobt. Wie ist der derzeitige Stand zu bewerten?

Jahns: Sie ist immer noch erfolgreich, auch wenn wir zuletzt mit der A-Jugend zweimal die Endrunde um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft verpasst haben. Der SCM-Nachwuchs zählt nach wie vor zur nationalen Spitze. Wir haben gute Auswahlspieler. Nicht umsonst standen Storbeck und Weber bei der Jugend-M 2010 im Allstar-Team.

Volksstimme: Ist es für den SCM ein Problem, dass die Youngsters künftig nicht mehr 2. Liga spielen können?

Jahns: Das glaube ich nicht. Theuerkauf oder Sprenger zum Beispiel haben vor dem Aufstieg auch in der 3. Liga, damals Regionalliga, gespielt. Die neue 3. Liga ist auch reizvoll, wird einen ganz anderen Charakter haben als bisher, wird leistungsfördernd sein. Allerdings darf die aktuelle Spielklassenreform im Verein nicht zum Herunterschrauben der finanziellen Unterstützung für den Nachwuchs führen.

Volksstimme: Wie beurteilen Sie angesichts der aktuellen Diskussion die gegenwärtige Entwicklung in der zweiten Mannschaft des SCM?

Jahns: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen freut es mich, dass zahlreiche Spieler, wie Weber, Meschke, Schulz oder Storbeck, woanders in der 2. Liga gefragt sind und Verträge erhalten. Schade ist es aber, dass die Genannten und wohl auch noch einige andere, ihre Karriere nicht beim SCM fortsetzen können oder wollen.