Im zarten Alter von 13 Jahren stand für Henry Mühl eine der schwersten Entscheidungen in sportlicher Hinsicht an: Fußball, Tennis oder Handball? Der heute 48-jährige, gebürtige Klötzer ging seinen Weg als Kicker fort und hat in seiner langen Laufbahn viel erlebt.

Klötze l Seine Schuhe hat Henry Mühl zwar noch nicht gänzlich an den Nagel gehängt, doch er tritt in dieser Hinsicht schon ein wenig auf die Bremse. Wenn es der Terminplan zulässt, geht er noch sporadisch für die Kreisliga-Altherren seines Heimatvereins VfB Klötze 07 auf Torejagd. Doch sein Hauptaugenmerk legt Mühl auf seine Familie, die in Kusey wohnt und ihn stets unterstützte, sowie seine Aufgabe als Trainer der VfB-C-Junioren.

Schon früh fand Henry Mühl Gefallen am runden Leder. Mit gerade einmal fünf Jahren schnürte der Purnitzstädter zum ersten Mal seine Schuhe. Vater Walter legte seinem Junior das Talent praktisch in die Wiege. Schon gleich zu Beginn seiner Laufbahn musste Mühl einiges durchmachen. Im Verein - damals noch Traktor Klötze - bei Manfred Gerke sowie im Leistungszentrum in Klötze unter Trainer Manfred Lietze standen für den jungen Westaltmärker wöchentlich vier Trainingseinheiten an. "Zudem hatte ich das Glück, dass ich unter meinem Vater immer schon bei einer Jugend höher mittrainieren und spielen durfte", erklärt Henry Mühl.

Mit 17 Jahren lief Mühl zum ersten Mal für die erste Klötzer Männermannschaft, damals beheimatet in der Bezirksliga, in einem Freundschaftsspiel gegen Motor Schönebeck auf. Es war übrigens das einzige Duell, in dem der Westaltmärker zusammen mit seinem älteren Bruder Peter auf dem Platz stand. Bereits vier Jahre zuvor wollten ihn Hans Tafelski zum Handball beziehungsweise Dr. Wilfried Schülke zum Tennis holen. "Ich konnte alles spielen, doch ich musste mich für eine Sache entscheiden", erklärt der Sportenthusiast. Fußball machte am Ende relativ eindeutig das Rennen.

Kurz nach Wende Wechsel nach Niedersachsen

1991 zog es Henry Mühl ins benachbarte Niedersachsen zum SSV Vorsfelde. Rüdiger Abramczik trat damals an den talentierten Klötzer heran und holte ihn zum SSV, bei dem er bis 1993 unter anderem in der Niedersachsenliga aktiv war. "Das war eine tolle Zeit. Wir haben auch Freundschaftsspiele gegen den VfL Wolfsburg bestritten. Ich wollte einfach mal etwas anderes ausprobieren", erklärt der heute 48-Jährige. Für ein Jahr kehrte er vorübergehend zurück nach Klötze, ehe es Mühl zum Landesligisten SV Eintracht Salzwedel verschlug. Dort wollte ihn Trainer Dieter Förster unbedingt haben. Zweimal in Folge verpasste Henry Mühl mit der Eintracht knapp den Aufstieg in die Verbandsliga. Anschließend, genauer gesagt im Jahr 1996, wechselte der Purnitzstädter erneut nach Niedersachsen. Diesmal führte sein Weg zum FC Brome, damaliger Aufsteiger in die Landesliga.

Nach einer ereignis- und erfolgreichen Zeit im Männerbereich kehrte Henry Mühl 2001 zu seinem Heimatverein nach Klötze zurück, um beim VfB in der Altherrenvertretung zu spielen. "Ich habe zwar noch wenige Spiele für die Herren bestritten, doch die Familie hatte für mich eindeutig Vorrang", verrät der 48-Jährige. Bis heute ist der Westaltmärker dem VfB Klötze 07 treu geblieben. "Das wird immer mein Heimatverein bleiben. Ich habe mir das zwar nicht immer leicht gemacht, dennoch waren meine Wechsel stets die richtige Entscheidung", blickt Mühl zurück. "In Niedersachsen waren die Strukturen einfach anders", fügt der Linksfuß, der stets auf der linken Seite - entweder in der Verteidigung oder im Mittelfeld - beheimatet war, an. Mittlerweile geht Henry Mühl nur noch sporadisch für die VfB-Oldies in der Kreisliga auf Punktejagd. "Die Zeit ist ziemlich knapp", begründet der Ü40-Landesmeister 2010. Doch wenn der Routinier gebraucht wird, versucht er alles, um seinem Team zu helfen.

2006 entschloss sich Mühl, eine Karriere als Trainer zu starten. "Ich fand es schon immer toll, den Kindern das eigene Wissen zu vermitteln", sagt der 48-Jährige. Durch seinen ältesten Sohn Niklas, der mittlerweile für die Verbandsliga-A-Jugend des SV Eintracht Salzwedel aktiv ist, übernahm Henry Mühl seinerzeit die Klötzer E-Junioren. "Als Elternteil ist man zwangsläufig mit dabei, daher habe ich mich auch bereit erklärt", verrät das VfB-Urgestein. Als Niklas Mühl dann zu den D-Junioren des TuS Blau-Weiß Kakerbeck wechselte, legte auch sein Vater eine Pause als Coach ein - zumindest für zwei Jahre.

Dann kehrte nämlich Mühls jüngster Sprössling Marius vom VfL Wolfsburg, wo er von 2008 bis 2010 für die F-Junioren spielte, zurück an die Purnitz. Marius Mühl wurde damals übrigens von den VW-Städtern gescoutet und lief 2009 im Bundesliga-Eröffnungsspiel des damaligen Deutschen Meisters VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart am "Tag der Legenden" mit keinem Geringeren als dem heutigen U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch auf. Nach seinem kurzen Gastspiel beim VfL verschlug es den jungen Westaltmärker allerdings wieder zurück nach Klötze. Ab 2011 wurde er dort von seinem Vater Henry in der E-Jugend trainiert. Noch immer arbeiten die beiden sehr erfolgreich zusammen - mittlerweile in der C-Junioren-Kreisliga. "Das macht mir nach wie vor riesigen Spaß, die Begeisterung der Kinder ist groß", erklärt der 48-Jährige.

Begeistert vom "ehrlichen Fußball" in England

Besonders begeistert ist Henry Mühl vom englischen Fußball. Dort drückt er dem FC Liverpool fest die Daumen. "Bis 1976 war ich Fan von Borussia Mönchengladbach, doch dann bin ich auf Liverpool umgestiegen. Ich finde, in England wird ein sehr ehrlicher Fußball gespielt. Da wirst du auch mal von den eigenen Fans ausgepfiffen, wenn du eine Schwalbe begehst", erklärt Mühl, der national und international bereits viele große Stadien gesehen hat. Bis zur letzten Saison war der gebürtige Klötzer auch Inhaber einer Dauerkarte für die Heimspiele des Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Selbst befindet sich Henry Mühl in der Woche noch immer um die 15 Stunden auf dem Sportplatz. Dienstags und freitags bittet er seine C-Junioren zum Training, am Wochenende stehen dann die Spiele an. Zudem versucht der Familienvater, so viele Partien wie möglich seines ältesten Sohnes Niklas in Salzwedel vor Ort zu verfolgen. "Solange es möglich ist, möchte ich meine Aufgaben auch weiterhin ausüben", erklärt der Westaltmärker. "Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele gute Spieler aus dem Nachwuchs hier in Klötze später auch im Herrenbereich ankommen. Es wäre schön, wenn die VfB-Männer irgendwann noch mal eine Klasse höher spielen würden", fügt der 48-Jährige an. Henry Mühl kann sich selbst nur zu gut an die vergangenen und erfolgreichen Zeiten beim VfB Klötze 07 zurückerinnern.