#NULL#Die Tischtennis-Männer des SSV 80 Gardelegen haben am Wochenende ihr Punktspiel gegen Bezirksklassen-Schlusslicht SV Altenweddingen II mit 9:3 gewonnen. Diese Meldung erscheint auf den ersten Blick nicht gerade wie ein echter Hingucker, doch bei näherem Hinschauen ist sie doch eine ganz große Geschichte.

Gardelegen. Eigentlich ist "ganz groß" der falsche Ausdruck - im Gegenteil. Als Mario Schulze, Spieler der ersten Männermannschaft des SSV 80, nach dem Auswärtsspiel in Altenweddingen die Gardelegener Halle betrat, um sich noch einige Minuten die Damen-Oberligapartie anzuschauen, konnte es Trainer Egon Berg kaum erwarten, um das Ergebnis in Empfang zu nehmen. Das hatte auch seinen guten Grund. "9:3 gewonnen", so lautete der kurze aber aussagekräftige Kommentar von Schulze.

Immer noch scheint nichts Besonderes in der ganzen Sache zu stecken, bis Berg nach dem Abschneiden eines ganz bestimmten Spielers fragte. "Und, wie hat Michi gespielt, hat er sich gut geschlagen?"

"Michi" heißt im wirklichen Leben Michael, mit Nachnamen Müller, und ist gerade einmal zehn (!) Jahre alt. Er ist eines der größten Tischtennis-Talente der Altmark und hatte am Sonnabend seinen ersten Einsatz für die erste Gardelegener Männermannschaft.

Möglich wurde das durch einen Arbeitsunfall von Uwe Wilberg. "Uwe hat kurzfristig abgesagt, und wir mussten natürlich für Ersatz sorgen. Da bin ich auf Michael gekommen, der diese Aufgabe mit seiner offenen und kecken Art sicher meistern würde", erinnert sich Berg an den Donnerstag vor dem Spiel der Männer.

Zunächst waren die SSV-Männer nicht so begeistert von der Berg-Idee. Die Kommentare gingen von "Mensch, der ist doch noch viel zu jung" bis hin zu "Wir wollen ihn doch nicht verheizen". Doch Michael konnte selbst entscheiden. Und er entschied sich - natürlich für einen Einsatz an Position sechs in der ersten Männermannschaft.

"Am Donnerstag kam mein Trainer Egon Berg beim Training zu mir und fragte, ob ich bei den Männern im Punktspiel mitmachen würde. Ich habe nicht lange überlegt und wollte natürlich mitspielen", freute sich Müller über die Anfrage und auch über das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Doch es gab noch einige logistische Formalitäten zu beachten, bevor es nach Altenweddingen ging. So musste kurzerhand ein Kindersitz im Mannschaftsfahrzeug installiert werden, in dem natürlich "Michi" - wie er liebevoll von allen Tischtennis-Freunden genannt wird - platznahm. Zudem hatte Müller zuvor im Rahmen des Projekttages "Tag der offenen Tür" in der Schule noch einen kulturellen Auftritt zu bewältigen, den er natürlich auch locker meisterte.

Im Doppel gab es sogar fast Punkte für "Michi"

In der Altenweddinger Halle angekommen, freuten sich die Hallenherren schon, dass der SSV nur mit fünf Akteuren anreiste. Doch die Rechnung hatten sie ohne Michi Müller gemacht. Verdutzt schauten die Altenweddinger drein, als sich der kleine Tischtennis-Zwerg warmspielte, einen Ball nach dem anderen gezielt auf der gegnerischen Seite platzierte, obwohl er gerade mal so über Netzkante gucken kann.

Dann ging es los. Im Doppel drei ging er mit Mario Schulze an den Tisch und bekam von seinen Teamkollegen noch einiges mit auf den Weg. "Die Männer haben mir gesagt, dass ich einfach ganz ruhig bleiben soll und so spielen soll wie immer. Das hab ich dann auch gemacht", berichtet der zweifache Top-8-Spieler der vergangenen Jahre.

Schulze und er machten ihre Sache sehr gut, schrammten sogar nur ganz knapp an einem Satzgewinn vorbei. Den ersten Durchgang gaben beide nur mit 9:11 ab und den zweiten gar nur mit 12:14. "Ich habe selbst auch Punkte gemacht, und wir hätten fast einen Satz gewonnen", so Müller stolz mit leuchtenden Augen.

Und dann hatte er ja noch ein Einzel zu bestreiten. Im Match gegen Frank Bethge hatte der Gardelegener natürlich noch klar das Nachsehen, doch darüber ärgerte sich Müller nicht - ganz im Gegenteil. "Das sind ja Männer, die sind viel älter als ich und spielen auch schon viel länger Tischtennis. Aber ich werde weiter trainieren, damit ich die Schmetterbälle und die Aufschläge von den Männern irgendwann mal bekomme und zurückspielen kann", setzt sich der Gymnasiast selbst hohe Ziele.

Beim Training am Montag berichtete er natürlich stolz über das Erlebte, trainierte an der Ballmaschine oder mit den Erwachsenen, spielte aber auch Fangen mit Sophie, David und anderen Kindern - so wie es Kinder in seinem Alter eben gerne machen.

 

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