Oebisfelde l Seit die „vierte Garde“ des SV Oebisfelde, die mittlerweile offiziell als dritte Mannschaft aufläuft, am Spielbetrieb teilnimmt, gibt es für die Konkurrenz diesbezüglich (fast) nichts mehr zu holen. Großen Anteil an der SVO-Erfolgsserie hat der 34-jährige Routinier und Vereinschef Andreas Werner.

Einst spielte Andreas Werner mit der ersten Mannschaft des SV Oebisfelde in der dritthöchsten deutschen Spielklasse – in der Regionalliga. Dazu kamen mehrere erfolgreiche Jahre in der Oberliga für den Rückraumakteur. Der lässt seine Laufbahn mittlerweile jedoch gemächlich ausklingen. Mit vielen weiteren Routiniers bildet „Kasi“, wie Werner liebevoll genannt wird, die dritte Vertretung des SVO, die auf Kreisebene in den vergangenen Jahren ordentlich abgeräumt hat.

Kreismeister im ersten Jahr

Vater Armin und Bruder Ronny begeisterten Andreas Werner frühzeitig vom Handballsport und meldeten ihn mit nur fünf Jahren in der Oebisfelder E-Jugend an. Dort hörte der junge Werner seinerzeit auf die Kommandos von Trainer Hans Pickert, nach dem mittlerweile sogar die Oebisfelder Sporthalle benannt ist. Da „Kasi“ generell den Teamsport liebt und der Handball an der Aller schon immer einen großen Stellenwert besaß, kam eine andere Sportart auch nie in Frage. In seiner Anfangszeit spielte Andreas Werner mit seinen Kollegen fast durchgehend im niedersächsischen Landkreis Gifhorn um Punkte. „Das lag an den geringeren Entfernungen“, begründet der 34-Jährige die damalige Entscheidung des SVO, den Verband zu wechseln. Direkt in der ersten Saison durfte Werner die Kreismeisterschaft bejubeln. Dazu gesellten sich noch viele weitere im Nachwuchsbereich. Der rechte Rückraumakteur bestach schon in seiner Anfangszeit durch seine Größe und Wurfkraft und entwickelte sich daher rasch zum Leistungsträger.

„Durch meine Masse schwer aufzuhalten“

Mit 17 Jahren gab der Allerstädter, der ab seinem 16. Lebensjahr auch als Schiedsrichter („Der Verein hat damals Referees benötigt, mir hat diese Aufgabe auf Dauer auch Spaß gemacht“) unterwegs war und bis vor drei Jahren pro Spielzeit um die fünf Partien leitete, sein Debüt in der ersten SVO-Herrenmannschaft, die 2000 unter der Leitung von Trainer Enrico Nefe noch in der Oberliga auf Punktejagd ging. Nach „ein bis zwei Jahren Eingewöhnung“, wie der 34-Jährige zugibt, war der Rechtshänder auch dort erste Wahl. „Durch meine Masse war ich recht schwer aufzuhalten“, verrät Andreas Werner mit einem Grinsen. Aufzuhalten war auch der SV Oebisfelde in der Saison 2004/2005 nicht. Die Mannen von der Aller feierten mit Coach Nefe die Landesmeisterschaft und damit verbunden den Aufstieg in die Regionalliga. „Es war für mich natürlich der absolute Höhepunkt meiner Karriere. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem die weiten Fahrten, doch es war ein schönes Abenteuer und hat eine Menge Spaß gemacht“, denkt Werner gern an die Zeit mit einer „tollen Truppe“ zurück. Nach drei Jahren in der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse hing „Kasi“ seine Schuhe allerdings vorerst an den Nagel. Beruflich war der Volkswagen-Mitarbeiter in dieser Zeit viel in Spanien unterwegs. „Das hatte natürlich oberste Priorität. So hatte ich natürlich auch keine Zeit mehr, um zu trainieren“, so der Oebisfelder. Den etwas unglücklichen Abstieg des SVO zwei Jahre später in die Mitteldeutsche Oberliga erlebte der Rückraummann daher nicht mehr mit.

Es war allerdings für Andreas Werner kein endgültiges Karriereende, denn er hielt sich noch immer sporadisch fit und stand auch wieder Gewehr bei Fuß, als sich vor fünf Jahren die vierte Mannschaft in Oebisfelde gründete. „Es waren viele ältere Spieler dabei, die sich einfach zum Handball treffen und Spaß haben wollten. Um auch gegen andere Mannschaften zu spielen, haben wir uns dazu entschlossen, in den Spielbetrieb einzusteigen“, berichtet Werner. Seitdem spielen die Allerstädter nun also mit mehreren ehemaligen Regionalliga-Akteuren in der Kreisliga. „Wir wollen nicht mehr so weit fahren, daher möchten wir auch nicht aufsteigen“, verdeutlicht der 34-Jährige. Das Recht dazu hätte die „vierte Garde“ („Dieser Name hört sich sehr spaßig an und er wird auch weiterhin in unserem Sprachgebrauch bleiben“) nach fünf Kreismeisterschaften in Folge bereits fünfmal gehabt. Dabei glaubt „Kasi“, dass die SVO-Routiniers bei regelmäßigem Training sogar durchaus noch in der Verbandsliga mithalten könnten.

Großes Ziel ist der Nordcup

Dass sich die Mannen von der Aller mit höherklassiger Konkurrenz messen können, bewiesen sie in jüngster Vergangenheit auch im Nordcup oder im HVSA-Pokal. Den Nordcup konnten Werner & Co. bereits dreimal gewinnen, im hochklassigen HVSA-Pokal stand das Team vor wenigen Jahren sogar schon im Viertelfinale. Dazu durfte sich der SVO auch über zwei Kreispokalsiege freuen. Auf Kreisebene sucht diese Erfolgsbilanz natürlich ihresgleichen. Dennoch macht Andreas Werner klar: „Wir wollen nicht arrogant auftreten und auch nicht in jedem Spiel unbedingt 50 Tore erzielen. Unser vorrangiges Ziel ist es, zusammen zu spielen und ein bisschen Bewegung zu haben.“ Der Kader der „vierten Garde“, die vorschriftsmäßig in dieser Saison als dritte Mannschaft aufläuft, umfasst 23 Akteure. Davon finden sich zu den Partien zumeist zehn bis zwölf Spieler ein. „Der Zusammenhalt ist sehr gut“, schildert Werner, der mit seinen Kollegen im Rahmen der dienstäglichen Trainingseinheit ausschließlich Fußball spielt. „Für Handball sind wir beim Training zumeist nicht genügend Leute“, begründet der 34-Jährige diese doch eher ungewöhnliche Maßnahme.

„Uns macht dennoch jedes Spiel Spaß“

Eine große Motivation für die dritte Vertretung des SV Oebisfelde ist das Erreichen des Halbfinals im Nordcup in der aktuellen Spielzeit. In gut einem Monat wollen sich die Allerstädter in der heimischen Hans-Pickert-Halle auch gegen den HSV Haldensleben II aus der 1. Nordliga durchsetzen und damit nach einem Jahr Abstinenz – in der Vorsaison schied man im Viertelfinale unglücklich nach Verlängerung gegen den SV Parey aus – diesen Wettbewerb wieder für sich entscheiden. Dadurch wäre auch die Qualifikation für den HVSA-Pokal sicher. „Das halte ich auch für möglich“, verrät Andreas Werner mit Optimismus. Hinter die Kreismeisterschaft können die Allerstädter, die seit ihrer Gründung erst eine Niederlage in der Vorsaison bei der SG Neuferchau/Kunrau II hinnehmen mussten, schon fast einen Haken setzen, denn der souveräne Tabellenführer dürfte von der Konkurrenz kaum aufzuhalten sein. „Uns macht dennoch jedes Spiel Spaß. Ich hoffe, es geht unseren Kontrahenten genauso. Sicherlich sind wir den anderen Teams qualitativ überlegen, wollen aber immer fair sein“, so „Kasi“.

Seit drei Jahren Vereinschef

Andreas Werner fungiert bei seinem Heimatverein bereits seit drei Jahren als Vorstandsvorsitzender. „Mein Vorgänger Axel Schulz wollte gern, dass ich das übernehme“, erklärt der 34-Jährige, der von Schulz selbst als Stellvertreter, aber auch Sabrina Schulze, Steffi Müller und Detlef Miegel tatkräftig unterstützt wird. Werner kümmert sich um viele organisatorische Dinge und vor allem auch um das Beitragswesen. Dafür „opfert“ er um die zehn bis fünfzehn Wochenstunden. „Mir macht es aber meistens Spaß. Solange es kein anderer unbedingt machen möchte, werde ich dieses Amt auch weiterhin ausführen“, verdeutlicht „Kasi“. Bei den Partien der einzelnen Oebisfelder Mannschaften ist das Urgestein nur noch selten in der Halle zu finden. „Das schaffe ich nicht mehr so oft, schließlich habe ich mich auch noch um meine Familie zu kümmern“, erklärt der Allerstädter. Dennoch hat er einen guten Überblick über das Geschehen beim SVO. „Wir müssen sehen, dass wir vernünftig mit unserem Geld haushalten. Allein die Schiedsrichterkosten für unsere erste Herrenmannschaft sind schon ziemlich hoch. Rein sportlich freut es mich für die erste und zweite Männertruppe, dass sie so gut dastehen“, so Andreas Werner. Während die Zweite als Tabellenführer der 2. Nordliga auch den Aufstieg in die 1. Nordliga wahrnehmen würde, würde die Erstvertretung wohl auch im Falle der erneuten Landesmeisterschaft weiterhin in der Sachsen-Anhalt-Liga bleiben. „Das Niveau ist sonst einfach zu hoch und wir bräuchten dafür sicherlich auch neue Spieler, die wir uns nur schwer leisten können“, begründet der Vereinschef. Der hofft, dass auch die A- und B-Jugend dauerhaft in der Sachsen-Anhalt-Liga bleiben sowie speziell in den jüngeren Altersklassen wie der E-Jugend und den Minis weiterhin so tolle Arbeit geleistet wird. „Hier ist speziell Spartenleiterin Steffi Müller zu loben, die sehr viele Kinder in den Verein lockt“, ist der 34-Jährige sehr erfreut über den stetigen Zuwachs.

Der Rückraumakteur möchte selbst auch noch so lange wie möglich aktiv auf Torejagd gehen und mit der „vierten Garde“ viel Spaß, aber auch Erfolg haben. Außerdem hofft Werner darauf, dass der Verein finanziell auch weiterhin auf gesunden Beinen steht und es sportlich sowohl im Erwachsenen- als auch im Nachwuchsbereich in Oebisfelde, seit dem vergangenen Jahr übrigens auch Landesleistungszentrum, weiterhin erfolgreich läuft. Die zweite Männermannschaft würde sich „Kasi“ auf Dauer wieder in der Verbandsliga wünschen. „Das ist eine gute Truppe, die mit Toni Seiler und Markus Müller über ein hervorragendes Trainergespann verfügt“, lobt der 34-Jährige, der sich übrigens selbst keine Übungsleiteraufgabe („Das machen andere einfach besser“) vorstellen kann. Über die „vierte Garde“ des SV Oebisfelde, die noch lange im Spielbetrieb gehalten werden soll, muss sich Andreas Werner indes wohl eher wenige Gedanken machen, denn die wird vermutlich auch in nächster Zukunft Titel wie am Fließband einsacken.