Arendsee/Kiel l  Die zweite Heimat für den 16-jährigen Arendseer Leonard Stock ist die See. Der junge Segler, aktuell in der Laser-Radial-Wertung unterwegs, möchte unbedingt in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters Florian treten und hat mit dem Wechsel auf die Sportschule nach Kiel einen großen Schritt gemacht. National hat sich der mehrfache Nachwuchs-Landesmeister Leonard Stock dank seiner tollen Leistungen schon einen Namen gemacht. Doch auch international möchte der junge Westaltmärker auf sich aufmerksam machen. Beispielsweise bei den Olympischen Spielen. Diese sind langfristig das größte Ziel, doch dafür wartet auf den ehrgeizigen Leonard („Ich kann mein Boot zwar recht schnell fahren und habe dadurch viele taktische Freiheiten, doch bei großen Starterfeldern verliere ich gegenüber den Gegnern noch zu oft die Übersicht“) noch eine Menge Arbeit.

Mit sechs Jahren beim SC

Der Segelsport genießt bei Familie Stock aus Arendsee ein hohes Ansehen. So war es kein Wunder, dass Florian Stock seinen Sohn Leonard schon als Sechsjährigen beim Seglerclub (SC) Arendsee anmeldete und auch sofort als dessen Trainer fungierte. „Damals war das für mich noch Spaß, ich habe noch keine Wettkämpfe bestritten. Erst mit neun Jahren entdeckte ich darin meine Leidenschaft“, verrät der heute 16-Jährige. Wenig später bestritt er seine erste Regatta und sammelte dort wertvolle Erfahrungen. In der Anfängerklasse – auch Optimist B genannt – gewann der junge Stock kurz darauf auch seine erste Regatta und stieg später in die Klasse Optimist A auf. Im Herbst 2012 wurde er in Pouch Landesmeister und qualifizierte sich erstmals für eine Deutsche Meisterschaft, die 2013 in Ribnitz-Damgarten über die Bühne ging. Dort reichte es zwar noch nicht für den ganz großen Wurf, doch im gleichen Jahr freute sich der Arendseer neben seinem ersten Sieg bei einer Opti-A-Ranglistenregatta erneut über den Landesmeistertitel. Damit war auch wieder die Teilnahme an der DM abgesichert. Dazu beteiligte sich der junge Westaltmärker in Warnemünde auch noch am EM/WM-Ausscheid. Dort kamen übrigens die 80 besten Segler dieser Klasse aus ganz Deutschland zusammen.

Am gleichen Wettbewerb sowie an der Deutschen Meisterschaft nahm Leonard Stock auch 2015 teil. Noch im gleichen Jahr, genauer gesagt im Herbst, stieg er in die Klasse Laser 4.7 auf. Zudem schaffte Leonard den Sprung in den Landeskader Berlins und schloss sich der Seglervereinigung 03 Berlin an, wodurch er wesentlich bessere Trainingsbedingungen vorfand. Mit dem Landeskader war der Westaltmärker im Rahmen von Trainingseinheiten und Wettfahrten unter anderem in Frankreich zu Gast. 2016 war das bisher erfolgreichste Jahr des jungen Arendseers. Auf dem Schweriner See gewann er unter anderem seine erste Laser-4.7-Regatta, qualifizierte sich für die Deutsche sowie aber auch die Weltmeisterschaft. Die DM beendete Stock auf einem starken vierten Platz, während er sich bei der WM nicht im Vorderfeld platzieren konnte. Im Herbst des vergangenen Jahres wechselte der Westaltmärker in die Laser-Radial-Klasse. In dieser schloss der 16-Jährige seine erste Regatta in Warnemünde auf Rang elf – das bedeutete Platz drei in seiner Altersklasse – ab. Im Januar dieses Jahres ging es für ihn an die französische Mittelmeerküste, im März indes an den Gardasee bei weit über 100 Startern, wo er sich den 33. Gesamtplatz sowie Rang fünf in seiner Altersklasse sicherte. Kürzlich ging Leonard in Kiel bei den YES (Young European Sailing) an den Start. Insgesamt wurde es für ihn Platz 17, womit er sich erneut unter den besten Fünf in seiner Altersklasse einfand.

Nationale Spitze im Visier

Durch seine herausragenden Leistungen im Jahr 2016 wurde die Nachwuchsabteilung des Deutschen Segler-Verbandes auf den Arendseer aufmerksam. Im September wurde Leonard Stock zu einer DSV-Sichtung nach Kiel eingeladen. Es ging in diesem Zuge um die Aufnahme in das Deutsche Kadersystem. „Dort wurde geschaut, was ich kann. Bei diesem Test habe ich recht erfolgreich abgeschnitten“, verrät der 16-Jährige stolz. So bewarb er sich direkt am Sportinternat in Kiel, wo sich übrigens auch der Olympiastützpunkt befindet. Jährlich werden dort nur in etwa acht Sportler aufgenommen. Einer von ihnen ist der junge Stock. Ab September dieses Jahres wird er die Sportschule besuchen. „In der Klasse Laser Radial möchte ich mich national in der Spitze etablieren und 2018 in die Laser Standard umsteigen. Auch dort möchte ich mir national und später auch international einen Namen machen“, verrät Leonard. Sein allergrößtes Ziel sind allerdings die Olympischen Spiele 2024, an denen sich der talentierte Westaltmärker unbedingt beteiligen möchte. „Das wäre schon etwas Besonderes“, verrät der 1,83 Meter große Seestädter. Ebenfalls hoch im Kurs stehen beim Youngster der Gewinn einer Deutschen Meisterschaft sowie ein möglichst gutes Abschneiden bei Europa- beziehungsweise Weltmeisterschaften.

Mitglied in drei Vereinen

Leonard Stock ist mittlerweile übrigens Mitglied in gleich drei Vereinen – bei der SV 03 Berlin, bei Wind und Welle Kiel sowie aber auch noch immer beim Arendseer Regattaverein (ARV). In den Arendseer Reihen ist der Bald-Sportschüler insbesondere sehr stolz auf die Leistungen und die Arbeit seines Vaters Florian. „Er hat mir sehr viel beigebracht, gibt mir noch immer taktische und strategische Tipps. Auch insgesamt hat mich meine Familie immer unterstützt und gefördert“, bedankt sich der 16-Jährige artig. Über den ARV kann der Youngster generell nur positiv berichten: „Alle Mitglieder sind nett und man kommt mit ihnen super klar. Zudem sind sie auch immer an meinen Ergebnissen interessiert.“ Leonard, dessen jüngerer Bruder Jan-Malte übrigens ebenfalls zur SV 03 Berlin wechselt, hofft, irgendwann in die Fußstapfen seines Seniors treten zu können. Dieser schaffte es zu DDR-Zeiten trotz großer Erfolge zwar nicht auf die Sportschule, wurde zuletzt allerdings achtmal in Folge Deutscher Meister bei den H-Jollen. Dies zu wiederholen, ist auf Dauer auch das Ziel des – nicht minder talentierten – eigenen Sohnes.

Was ihn auf der Sportschule in Kiel ungefähr erwartet, weiß Leonard Stock bereits. „Wir werden jeden Tag trainieren – entweder im Kraftraum oder auf dem Wasser. Zudem steigt fast an jedem Wochenende ein Wettkampf“, so das Talent. So wird Stock in den Sommermonaten nur äußerst selten die Möglichkeit haben, nach Hause zu kommen. Häufiger wird er dies in der Winterpause schaffen. „Für mich ist das aber kein Problem, weil ich schon oft genug allein unterwegs war“, wird das Heimweh des 16-Jährigen wohl nicht allzu groß sein. Die Schule passt sich dem Sport fast voll und ganz an, so dass Schulbefreiungen bei möglichen Wettkämpfen laut Stock „kein Problem“ sind. Bereits im Februar absolvierte der Arendseer in Kiel eine Probewoche und konnte sich schon ein kleines Bild von den Gegebenheiten machen. „Man hat nur kleine Wege, alles ist dicht beisammen. Wir wohnen fast im Hafen und zur Schule sind es zu Fuß auch nur fünf bis zehn Minuten. So hat man etwas mehr Zeit für private Dinge“, ist Leonard nach den ersten Eindrücken sehr zufrieden. Der Westaltmärker, der in die elfte Klasse kommt, wird zumeist von 8 bis 13.15 Uhr die Schulbank drücken und anschließend täglich – entweder im Kraftraum (zwei Stunden) oder auf dem Wasser (zwei bis vier Stunden) – trainieren. Es kommt aber auch vor, dass die Schule um 9 Uhr – in diesem Fall wird bereits zuvor geprobt – beginnt und um 15 Uhr endet.

Medaillenfarbe wäre egal

Sollte Leonard Stock sein großes Ziel Olympische Spiele erreichen, wäre dort eine Medaille mehr als reizvoll. „Da ist mir eigentlich völlig egal, welche es sein würde“, verrät der 16-Jährige mit einem Schmunzeln. Natürlich möchte der Seestädter auch weiterhin bei Deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften erfolgreich abschneiden. Für den Arendseer RV, der erst seit 2008 existiert, würde sich der Youngster freuen, wenn sich speziell die Nachwuchsarbeit noch verbessern würde. „Einerseits gibt es leider nicht so viele junge Segler, andererseits wäre es aber auch schön, wenn der Jugendbereich speziell durch Sponsoren noch mehr gefördert werden würde. Es wäre toll, wenn sich allgemein mehr Kinder sportlich an der frischen Luft betätigen würden“, erklärt der Westaltmärker, der sich für den ARV über die insgesamt zweite Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft für Jollenkreuzer in diesem Jahr freut. Andersherum wird sich auch der Heimatverein über die tolle Entwicklung und den Sprung auf die Sportschule von Leonard Stock freuen.