Die Emotionen musten einfach raus. Steffen Oppenheimer, der Keeper des Mitteldeutschen Handball-Oberligisten SG Eintracht Glinde, fand sich nach dem Abpfiff gestern Nachmittag ganz unten in der Jubeltraube wieder, jeder wollte ihn beglückwünschen. Zuvor agierte er stark gegen den HSV Ronneburg, hielt 17 Würfe auf seinen Kasten, und den wichtigsten, nachdem die reguläre Spielzeit bereits abgelaufen war. Der Siebenmeter von Petr Masat prallte von Oppenheimers Körper ab, danach prallte die geballte Emotionsentladung der Mannschaft auf ihn ein.

Glinde. Irgendwie freute sich Oppenheimer auf diesen Siebenmeter, obwohl die Entscheidung etwas zweifelhaft war. Zwar hielt Christoph Frank seinen Gegenspieler fest, das war aber weit vor dem Sechs-Meter-Kreis. Doch die Referees blieben dabei. "Ich wusste, dass er mir irgendwie wehtun wollte", sagte Oppenheimer. Zuvor war Masat provoziert worden, seine Konzentration litt darunter. Oppenheimer hielt den Wurf, der genau auf seinen Körper kam, und diesen wichtigen Sieg fest, "es wurde nach einem halben Jahr herumkrauchen endlich Zeit", sagte er mit einem Lächeln.

In dieser zweiten Hälfte präsentierte sich Glinde endlich so, wie es sich Trainer Andreas Wiese vorstellt: Emotional. In der 6-0-Abwehr packten Andreas Kühne und Andreas Bäuerle im Innenblock sehr gut zu, ließen Lukas Zverina und Matthias Zänsler kaum zur Entfaltung kommen. Ronneburg fiel angesichts dieser starken Deckung nur wenig ein.

In der Offensive präsentierte sich Glinde mutiger. Denny Friedl war wohl das beste Beispiel für die Formkurve der Eintracht. In Halbzeit eins agierte er noch zu zaghaft, haderte mit der Entscheidungsfindung. Keine Anspielstation, kein Stoßen in die Lücken, kein Vertrauen in seinen Abschluss – Glinde produzierte sechs Ballverluste und fünf Fehlwürfe. Doch nach dem Wechsel ein ganz anderes Bild: Friedl fand die Lücken in der Ronneburger Abwehr, die unverständlicherweise von ihrer recht erfolgreichen 5-1 zur 6-0 zurückkehrte. In Friedls Sog fand auch Frank zurück zur Stärke. Den 8:12-Rückstand zur Pause verkürzte Glinde somit recht schnell zum 14:14-Ausgleich.

Doch nach diesem fiel Glinde in alte Muster zurück, zögerte im Spielaufbau und benötigte viel zu lange, um sich eine Wurfposition zu erarbeiten. So blieb die Partie bis zum 20:19 ausgeglichen, bevor Oppenheimer zwei starke Paraden zeigte und zweimal Friedl sowie Andreas Bäuerle zum 23:20 trafen. Es hätte nicht zur Eintracht gepasst, wenn sie diesen Vorsprung souverän heruntergespielt hätte. Ein schlechtes Anspiel in Überzahl, ein verworfener Siebenmeter und drei Konter später hieß es 23:23. Erneut traf Bäuerle nach klugem Anspiel an den Kreis zum 24:23, und dann lief Andreas Kühne durch den Anwurfkreis. Die Folge waren eine rote Karte und wahrscheinlich zwei Spiele Sperre. "Das ist natürlich bitter", schätzte Wiese ein.

Doch nach dem gehaltenen Siebenmeter von Oppenheimer war dies zumindest für einen Moment vergessen. "Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen. Wir müssen jetzt aber weiterarbeiten", betonte der Coach. Vor allem muss Glinde mehr Emotionen zeigen. Hätte sich das Team von Beginn an präsentiert wie in Hälfte zwei, wäre wohl ein ruhigeres Fahrwasser möglich gewesen. Aber dazu hat die Eintracht ja am Sonnabend Gelegenheit, dann gastiert sie um 19.30 Uhr beim SV Hermsdorf.

Glinde: Borchardt, Oppenheimer – Sonntag, Klein (1), Langoff, Sowa (3), Krause (1), Friedl (9/1), Bäuerle (4), Frank (5/1), Kühne (1), Steinweg

Ronneburg: Zehmisch, Liebelt – Oertel (1), Gottschalk (1), Pampel, Zänsler (1), Nowak (1), Glause (2), Masat (2/1), Förster (5), Alexy, Zverina (7/3), Meyer (2), Seime (1)

Siebenmeter: Glinde 4/2 – Ronneburg 7/4; Zeitstrafen: Glinde 6 – Ronneburg 6; Rot: Andreas Kühne (59:26 Minuten) wegen Zeitspiels (Behindern beim Anwurf) -Glinde-